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Rohrwerk heißt wieder Mannesmann

Der Stahlkonzern Salzgitter will künftig mit dem Markennamen punkten. Die Zeithainer Bilanz ist schon jetzt positiv.

© Andreas Weihs

Von Antje Steglich

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Zeithain. Die neue Beschilderung ist in Arbeit, die Visitenkarten sind noch im Druck: Aus der Salzgitter Mannesmann Rohr Sachsen GmbH wurde Ende 2017 die Mannesmannröhren-Werk GmbH. „Wir wollen damit dem Markennamen Mannesmann noch stärker Rechnung tragen“, sagt Geschäftsführer Frank Lippert. Mannesmann-Rohre kenne schließlich jeder, sie stehen für deutsche Ingenieurskunst und damit für Qualität, Liefertreue und Pünktlichkeit. Mit dem markanten „MW“-Logo auf den Produkten erhofft man sich deshalb, sich von den zahllosen Wettbewerbern absetzen und letztlich auch höhere Preise erzielen zu können.

Die Rückbesinnung auf die Marke ist aber kein Zeithainer Phänomen. Vielmehr hat der niedersächsische Stahlkonzern Salzgitter nun fast all seine Röhrentöchter im Geschäftsbereich Mannesmann zusammengefasst und Salzgitter aus den Namen der Gesellschaften gestrichen. Größte Einheit des Geschäftsbereiches ist die neue Mannesmann-Precision-Tubes-Gruppe, die nach Unternehmensangaben mit ihren Werken in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Mexiko sowie einer Jahreskapazität von rund 300 000 Tonnen nahtlosen und geschweißten Präzisrohren europäischer Marktführer ist – auch dank Zeithain. Denn das Rohrwerk produziert 190 000 Tonnen nahtlose Rohre im Jahr und beliefert damit vor allem die Ziehereien der Präzisrohrgruppe mit Vorrohren bis 4,5 Zoll. Diese erzeugen daraus Produkte für den Maschinenbau, für Kraftwerke, aber vor allem für die Automobilindustrie. „Wenn Zeithain steht, könnte das bis zum Band-Stillstand bei VW führen“, sagt Frank Lippert.

Für das Werk, in dem aktuell knapp 400 Beschäftigte und 26 Auszubildende arbeiten, ist die Stärkung der Marke Mannesmann übrigens gleich im doppelten Sinne eine Rückbesinnung, so der Geschäftsführer. Einerseits hat das Unternehmen nach der Übernahme des Rohrwerkes Zeithain durch den Mannesmann-Konzern bereits in den 1990ern als Mannesmannröhren-Werke Sachsen GmbH ganz ähnlich wie jetzt geheißen.

Zum anderen wird an dem Standort seit 2008 – nachdem das Rohrwerk ab 1997 zunächst zum Joint Venture Vallourec & Mannesmann und seit 2007 vollständig zum Salzgitter-Konzern gehörte – mit dem ursprünglich von den Mannesmann-Brüdern erfundenen und patentierten Schrägwalzverfahren produziert. Ganz konkret arbeitet das Werk mit einer weltweit einzigartigen Kombination aus Drei-Walzen-Schrägwalzwerk und einer Stoßbank, die laut Frank Lippert nicht nur die Produktivität, sondern auch die Qualität der nahtlosen Rohre enorm steigerte.

So habe man beispielsweise die Exzentrizität – die Abweichung der Rohre von der perfekten Kreisform von Außen- zu Innendurchmesser – verbessern können. Und diese Optimierung helfe der Automobilindustrie sogar beim Spritsparen, weil die Produkte dadurch höheren Drücken standhalten können, erklärt der Geschäftsführer.

Die Zeithainer Rohre werden zunächst in den Ziehereien und dann bei den Zulieferern zum Beispiel zu Kraftstoffeinspritzleitungen, zu Hydraulikrohren, aber auch Antriebs- oder Nockenwellen weiterverarbeitet. „Unsere Gruppe liefert letztlich an alle gängigen Automobil-Marken“, so Frank Lippert. Etwa 70 Prozent der Zeithainer Präzisrohre gehen in die Automobilindustrie, 30 Prozent in den Maschinenbau – sie werden dort zum Beispiel zu Hydraulik-Zylindern für Kräne verarbeitet – sowie in die Energie- und Kraftwerksbranche für deren Heizkessel. Und das soll auch unter neuem Namen so bleiben.

Für 2018 plant Frank Lippert mit 190 000 Tonnen eine ähnliche Produktionsmenge wie im Vorjahr. Das Gros werde weiterhin in die Mannesmann-Ziehereien zur Weiterverarbeitung gehen. Ein geringer Teil werde zudem wie bisher an externe Ziehereien verkauft beziehungsweise noch in Zeithain weiterverarbeitet. Dafür soll beispielsweise 2019 die Adjustage-Linie II von derzeit neun auf 14 Meter verlängert werden, kündigt der Geschäftsführer an. 2018 sei zudem der Kauf einer neuen Richtmaschine geplant – die Investition beläuft sich auf 1,5 Millionen Euro. Und auch sei die Ertüchtigung des Drehherdofens sowie die Anschaffung relativ kostspieliger Ersatzteile wie einem Antrieb für die Stoßbank vorgesehen.

Aufgrund der Vielzahl der Reparaturen und Instandsetzungen und der dadurch geringeren Betriebsstunden werde man aber wohl nicht an die Rekordergebnisse von 2017 heranreichen können. „Es war ein Super-Jahr“, zieht Frank Lippert Bilanz. „Mit 190 000 Tonnen hatten wir einen Versandrekord, und mit 194 000 Tonnen sogar die höchste Walzleistung seit Bestehen des Werkes.“