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Rollstuhlfahrer ausgesperrt

Weil der Fahrstuhl im Bahnhof Zittau erst Ende Juni fertig wird, sollen Behinderte auf andere Bahnhöfe ausweichen.

© Matthias Weber

Von Mario Heinke

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Die eigenen vier Wände sind eines der größten Projekte im Leben. Am 16. November können Interessenten die vier entstehenden Doppelhäuser auf der Landheimstraße besichtigen.

Die Bauarbeiten der Deutschen Bahn am Bahnhof Zittau gehen weiterhin nur schleppend voran und werden wohl auch in den kommenden Monaten noch für Frust und Ärger sorgen. Wenn ab 10. Februar die Züge wieder fahrplanmäßig rollen, bleibt eine Gruppe außen vor – die Behinderten. Rollstuhlfahrer werden den Inselbahnsteig nicht selbstständig erreichen können, weil die Fahrstühle „wegen der allgemeinen Verzögerungen im Bauablauf“ nicht fertig werden.

Auf Anfrage der SZ erklärt Erika Poschke-Frost von der DB-Pressestelle, dass die Fertigstellung der Fahrstühle noch bis zum Ende des zweiten Quartals, also bis Ende Juni dauern kann. Deshalb suchte die Bahn als Eigentümer des Bahnhofs nun nach einer Zwischenlösung. Am Montag lud sie Stadtrat Winfried Bruns (Die Linke), der auch Vorsitzender des hiesigen Ortsverbands des Sozialverband VdK ist und Uwe Lammel, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Zittau, zu einem Vor-Ort-Gespräch ein. Mit der SZ wollte der Bahn-Mitarbeiter am Montag nicht reden. Nach dem Gespräch erzählte Stadtrat Bruns, dass der Bahn-Vertreter mitgeteilt habe, dass mit dem Ende des Schienenersatzverkehrs am 9. Februar für mobilitätseingeschränkte Behinderte keine Möglichkeit des Zu- und Ausstiegs auf dem Bahnhof Zittau bestehe. Diese Einschränkung hat weitreichende Folgen für alle Reisenden, die im Rollstuhl sitzen. Die nächsten behindertengerechten Ein- und Ausstiege befinden sich für die Trilex-Linie von und nach Dresden am Bahnhof Oderwitz, für die Trilex-Züge von und nach Seifhennersdorf am Haltepunkt Mittelherwigsdorf und für die Odeg-Verbindung von und nach Cottbus am Haltepunkt Hirschfelde.

Das DRK soll nun prüfen, ob es Rollstuhlfahrer mit dem Auto zu den Bahnhöfen bringen beziehungsweise von den Bahnhöfen abholen kann, so Bruns. Der Bahn-Mitarbeiter sicherte in jedem Fall die Übernahme der zusätzlich anfallenden Kosten zu. Auch eine Nutzung von Taxis solle geprüft werden, so der Stadtrat. Die Bahn habe zugesichert, dass alle in den Fahrplänen ausgewiesenen Züge von Behinderten genutzt werden können. Die Krux an der Sache besteht wohl darin, dass ein Zu-und Ausstieg am Hausbahnsteig des Bahnhofs für Rollstuhlfahrer durchaus möglich ist, die Einschränkung gilt nur für den Inselbahnsteig.

Die Zugbegleiter von Odeg und Trilex sollen bereits bei der Fahrkartenkontrolle behinderte Reisende in Richtung Zittau informieren, dass sie in Zittau unter Umständen nicht aussteigen können und telefonisch aus dem Zug heraus eine Abholung für sie organisieren. Stadtrat Winfried Bruns empfiehlt behinderten Reisenden in jedem Fall, einen Tag vor Reiseantritt die Mobilitätsservice-Zentrale der Deutschen Bahn anzurufen. Die Zentrale sollte wissen welchen Bahnsteig die Züge anfahren und sie kann gegebenenfalls einen Transport mit dem Auto organisieren. In der Vergangenheit sicherte der DRK-Kreisverband den „Bahnhofsdienst“ mit ehrenamtlichen Helfern ab. Das sei nicht mehr möglich. Der Fahrdienst des DRK könne aber in der Zeit zwischen 7.30 und 2o Uhr die Transporte übernehmen, sagt Uwe Lammel. Er gab am Dienstag ein entsprechendes Angebot bei der Bahn ab. Die Bahn versuche nach eigenen Angaben, eine „zeitnahe Lösung“ zu finden.

Aus seiner Arbeit im Sozialverband VdK weiß Winfried Bruns, dass viele Behinderte auf die Bahnverbindungen verzichten, weil sie noch nie etwas von der Mobilitätsservice-Zentrale gehört haben. Der Stadtrat regte deshalb an, die Kontakt-Telefonnummer als Aufsteller am Bahnhof sichtbar zu machen. Auch in den Fahrplänen fehle jeder Hinweis. „Trotz wiederholter Anregung ist es bis heute nicht möglich gewesen, auf diesen Service in den Streckenfahrplänen hinzuweisen“, kritisiert er.