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Roßwein hofft auf Radwegbau

© André Braun

Die Kommune macht nur eine Forderung auf. Das Verfahren kann sich trotzdem noch in die Länge ziehen.

Von Heike Heisig

Roßwein. Ordnerweise Unterlagen zum geplanten Bau des Striegistalradweges auf der stillgelegten Bahnstrecke Roßwein-Hainichen haben sich in den vergangenen Wochen im Rathaus Roßwein und der Gemeindeverwaltung Striegistal getürmt. „Drei Bürger waren da und haben sich angeschaut, was alles zu einem Planfeststellungsverfahren gehört“, sagte Bauamtsleiterin Petra Steurer am Donnerstagabend den Mitgliedern des Technischen Ausschusses. Hinweise seien aber nicht zu Protokoll gegeben worden. Den ersten und möglicherweise einzigen haben die Räte wahrscheinlich selbst.

Als ökologischer Ausgleich soll das Wohngebäude der Pappenfabrik weg. © André Braun
Die Überfahrt in Grunau zu den Meisterhäusern soll bleiben. © André Braun

Wie berichtet, bangen die Niederstriegiser um eine provisorisch auf dem alten Bahndamm aufgeschüttete Überfahrt zu den sogenannten Meisterhäusern. Die befinden sich in Grunau nahe der früheren Kartonagenfabrik. Die lange Zeit einzige Zufahrt zu den Häusern befand sich unter der Bahnbrücke. Doch sollte sich dort im Fall von Hochwasser oder Starkniederschlägen Wasser sammeln, könnten die Meisterhäuser-Bewohner vom „Rest der Welt“ abgeschnitten werden. Denn die Bahnbrücke gibt eine Durchfahrtshöhe vor. Mit der bekommen schon die jetzt oft höheren Rettungsfahrzeuge Probleme, begründen die Ortschaftsräte ihre Forderung. Ihren Bedenken folgen die Mitglieder des Ausschusses. Deshalb knüpfen sie ihre Zustimmung zum gesamten Radwegeprojekt an die Bedingung, dass die Überfahrt erhalten und für Fahrzeuge bis 40 Tonnen passierbar bleibt. Möglicherweise müsste das Provisorium im Zuge des Radwegebaus sogar noch final ausgebaut werden. Formulieren wird die Stellungnahme der Stadtrat von Roßwein, der am 28. Juni das letzte Mal vor der Sommerpause tagt.

Von Eisvogel bis Zauneidechse

Gerade in Grunau am Überweg werden die Radfahrer – sollte der Weg tatsächlich einmal fertig sein – die alte Bahntrasse verlassen müssen. Das wird auf der reichlich elf Kilometer langen Strecke zwischen Kratzmühle und Niederstriegis mehrfach notwendig sein. Zum einen dort, wo sich geschützte Tiere aufhalten können. Vorliegende Gutachten sagen aus, das sich in dem Gebiet unter anderem Eisvogel, Schwalben, Kuckuck, Uhu, sieben Fledermaus- und fünf Reptilienarten wie Wald- und Zauneidechse, Glattnatter und Blindschleiche wohlfühlen. Um deren Lebensräume zu erhalten, gehen die Planer von der eigentlichen Bahntrasse ab. Das ist zum anderen dort nötig, wo die Eisenbahnbrücken – aus welchen Gründen auch immer – weggekommen sind. Das trifft zum Beispiel auf die Striegisbrücke in Böhrigen zu.

Im Verlauf der gesamten Radwegstrecke befinden sich 23 Brücken, sechs davon auf dem Gebiet der Stadt Roßwein. „An einigen sind Instandsetzungen, teilweise an den Widerlagern, nötig“, sagte Bürgermeister Veit Lindner (parteilos). Wo der Bauzustand zu schlecht sei, sei geplant, die Brücken durch solche aus Holz zu ersetzen.

Ausschuss-Mitglied Silvia Meißner wollte wissen, ob es irgendeine zeitliche Einordnung des Vorhabens gibt. Eine befriedigende Antwort darauf konnte der Rathauschef nach wie vor nicht geben. Es sei nicht einmal abzuschätzen, wie lange das Planfeststellungsverfahren noch dauere. Jeder hatte die Möglichkeit der Einsichtnahme. Nächster Schritt werde die Abwägung der Bedenken sein. Komme es dabei zu keinem Konsens, könnte ein Gerichtsstreit die Folge sein. Läuft alles glatt, wovon angesichts des bisherigen Protests von Umweltverbänden aber nicht auszugehen ist, wäre nach Lindners Schätzungen ein Baubeginn frühestens 2020 denkbar. „Nach so vielen Jahren sollte es dann aber auch mal losgehen“, sagte Silvia Meißner.

Ihre Frage zur Kostenbeteiligung konnte der Bürgermeister dagegen relativ klar beantworten. Im Moment sind Bruttokosten in Höhe von 5,6 Millionen Euro kalkuliert. Die werden auf die drei beteiligten Kommunen Roßwein, Striegistal und Hainichen aufgeteilt – unabhängig von der Länge des Weges auf dem jeweiligen Gemeindegebiet. Ob die Kommunen mit Fördergeld rechnen können, das vermag Roßweins Rathauschef im Moment nicht einzuschätzen. Zwischen 70 und aktuell 85 Prozent Zuschüsse sind möglich.

Über die anschließende Pflege des Weges hätten sich die Partner noch keine Gedanken gemacht. Ob jeder selbst Sträucher zurückschneidet oder das einem Dienstleister übertragen wird, sei offen, sagte Lindner. Fest stünde, dass Roßwein sich immer an den Kosten beteiligen müsse.