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Roßwein sucht die Hobbywinzer

Ein Weinberg bereitet viel Arbeit. Das merkt auch die Stadt. Dem Bauhofteam und den Förderschülern wird es zu viel.

© André Braun

Von Andreas Neubrand

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Der Garten ruft

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Roßwein. Einen Weinberg sein Eigen zu nennen, davon träumen viele. Vor zehn Jahren kam diese Idee das erste Mal auf, zwei Jahre später hat sich die Stadt Roßwein diesen Traum erfüllt. „Damals haben wir gesagt, dass wir einen Weingarten brauchen, wenn wir schon Roßwein heißen“, so Bürgermeister Veit Lindner (parteilos). „Doch jetzt wollen wir einen Teil davon verpachten. Am liebsten an engagierte Hobbywinzer.“ Bisher kümmern sich die Mitarbeiter des städtischen Bauhofes und die Schüler der Förderschule Roßwein um den Weinberg. „Aber für die städtischen Mitarbeiter läuft das eher nebenher“, so der Bürgermeister. „Auf Dauer fehlt uns einfach das Personal, den Weinberg vernünftig zu pflegen.“ Auch andere Lösungen habe die Stadt schon ausprobiert. „Wir haben viel auf freiwillige Helfer und Ein-Euro-Jobber gesetzt, aber diese Rechnung ist nicht aufgegangen“, so Lindner.

Deswegen wolle die Stadt einen Teil des Weinberges verpachten. „So groß ist unser Anbaugebiet ja nicht, vielleicht ein Hektar, eher weniger, schätze ich“, so Lindner. „Ungefähr die Hälfte davon würden wir gerne in private Hände geben. Auch wenn wir einen Hobbywinzer natürlich bevorzugen, bewerben kann sich jeder bei uns. Sofern sich der Pächter an einige Auflagen hält.“ Gemeint ist damit, dass der Pächter seine Parzelle nicht verwildern lässt. „Darauf werden wir natürlich achten und die Einhaltung regelmäßig kontrollieren. Und um das zu unterstützen, soll auch an jeder Parzelle eine Tafel angebracht werden, auf der stehen soll: ,Diese Reihe wird gepflegt von der Familie soundso.‘ So in etwa könnte ich mir das vorstellen“, sagt der Bürgermeister. Über die Höhe der Pacht schweigt er aber. „Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.“

Denn immerhin gehe es bei dem Weinberg weniger um Ökologie oder um Önologie, sondern mehr um den touristischen Wert des Weinberges. „Wir haben hier eines der ältesten Weinbaugebiete in ganz Sachsen. Diese Tradition wollen wir gerne erhalten“, so Lindner. Was der Pächter am Ende mit den Trauben macht, ist fast nebensächlich. „Natürlich kann er danach Wein daraus keltern, das ist klar. Aber nur für private Zwecke, also zum selber trinken. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob der Pächter seinen Wein verschenken darf“, sagt Lindner. „Aus diesem Grund verpachten wir auch nur eine Fläche mit 99 Rebstöcken. Sonst gilt es nicht mehr als Hobby.“ Momentan werden die geernteten Weintrauben verschenkt oder einfach so verzehrt. „In der Förderschule wird auch gerne Gelee daraus gemacht“, so der Bürgermeister.

Auf dem kleinen Weinberg wachsen vor allem robuste Rebsorten, wie Riesling, Solaris und Regent. „Für andere Sorten haben wir hier leider nicht das passende Klima“, so das Stadtoberhaupt. Die erste große Weinlese fand 2015 statt, da davor die Pflanzen erst von Mehltau und später von einem Pilz befallen waren.

Neben einem Ross ist die Weinrebe ein Teil des Stadtwappens. Historisch erwiesen ist, dass es schon Anfang des 13. Jahrhunderts in Roßwein einen Weinberg gegeben hat. Die Stelle, an der er sich befand, ist aber nicht überliefert. Vermutet wird, dass es Mönche waren, die sich im Anbau versuchten. Der Weinanbau hat in Roßwein also durchaus eine Tradition. Aus diesem Grund hofft Veit Lindner auf rege Anfragen von interessierten Hobbywinzern. „Es wäre schön, wenn sich viele melden würden, die uns helfen, dieses historische Erbe zu erhalten. Kontakt kann über die Homepage aufgenommen werden.“ (mit DA/sig)