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Roßweins großer Waschsalon

In der Wäscherei der Diakonie arbeiten elf betreute Mitarbeiter. Nun soll dieser Teil der Diakonie- Werkstätten profitabel werden.

© André Braun

Von Andreas Neubrand

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Roßwein. Eine bewegte Geschichte hat das Gebäude hinter sich. „Erst war hier eine private Schlosserei untergebracht, der Besitzer zog dann irgendwann weg. Dann kaufte die Firma Hitachi das Areal“, so der Geschäftsführer der Diakonie Thomas Richter. Er führt SPD-Landtagsmitglied Henning Homann und Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) durch die Halle. „Hitachi hat dann gefragt, ob unsere betreuten Mitarbeiter nicht deren Außenanlage pflegen könnten. Und so sind wir auf die Halle aufmerksam geworden“, sagt der Geschäftsführer. Jetzt hat die Diakonie hier eine Wäscherei eingerichtet, zum einen für den eigenen Bedarf, aber auch für Kunden. „Wir hatten schon lange vor, aus der Stadtbadstraße auszuziehen, aber nie ein geeignetes Objekt gefunden. Dann wollte uns Hitachi die Halle verkaufen“, so Richter. „Und das zu einem guten Preis.“

Wenn alles fertig gebaut ist, dann sollen hier bis zu zwölf betreute Mitarbeiter arbeiten können, mit zwei regulären Betreuern, so Richter. „Und wir sind auf einem guten Weg. Heute sind es schon elf, die hier arbeiten.“

Nun führt er die Besucher durch eine Schleuse mit zwei Türen, in der lediglich ein Waschbecken und ein Spender mit Desinfektionsmittel für die Hände steht. „Wer eine Wäscherei betreiben will, hat einen hohen hygienischen Standard zu beachten“, erklärt Richter und wäscht sich die Hände. „Bevor wir unsere hier eröffnet haben, haben wir uns viele verschiedene Wäschereien angesehen. Bei manchen lässt sich die Tür nur öffnen, wenn vorher der Desinfektionsspender gedrückt wurde. Aber das wäre uns etwas zu viel.“

Hinter der zweiten Tür steht ein junges Mädchen und scannt Wäsche ein. „Jedes Wäschestück hat einen kleinen QR-Code. So können wir jedes Stück mit dem Computer erfassen und damit genau sehen, wie welches Stück gewaschen werden muss und wo es sich im Moment befindet“, sagt er. „So kann nichts verloren gehen.“Geduldig steht das Mädchen vor einem Berg an Wäsche und scannt jedes Stück einzeln ein. „Am Anfang ist das eine enorme Arbeit“, gibt Richter zu. „Aber später für uns eine große Erleichterung. Doch gerade die Jüngeren lernen schnell, mit dem Computer umzugehen“, so der Geschäftsführer. Dann zeigt Thomas Richter den zugigen Anbau. „Hier sollen später einmal die Lkw mit der Schmutzwäsche anrollen. Damit diese nie mit der sauberen Wäsche in Berührung kommt.“ Aber daran müsse noch etwas gearbeitet werden, erklärt er.

Die Wäscherei sei so konzipiert, dass sie in jedem Fall Kapazität für eine Erweiterung hat. „So können wir hier auch noch einen dritten gasbetriebenen Trockner anschaffen und auch den Bügelbereich erweitern“, so Richter. Dieser befindet sich in einem großen Raum und besteht aus mehreren Bügelbrettern, an denen emsig gearbeitet wird. „Wir achten darauf, dass es unseren betreuten Mitarbeitern nicht langweilig wird. Deswegen versuchen wir, die Arbeiten auch jedes Mal neu zu vergeben“, sagt Richter. „Und wir wollen weg von der Flachwäsche und mehr normale Kleidung waschen. Das ist für unsere betreuten Mitarbeiter abwechslungsreicher und tut ihnen gut.“ Und er sagt, dass ihm die Arbeit mit den betreuten Mitarbeitern gefällt:. „Ich mag diese Ehrlichkeit bei ihnen. Sie verschweigen ihre Probleme nicht. Das hat etwas Erfrischendes und Ehrliches.“

Henning Homann ist beeindruckt. Der Landtagsabgeordnete und mittelsächsische SPD-Chef veranstaltet seinen ersten Kommunaltag. „An einem solchen Tag will ich mir anschauen, was die Unternehmen in meinem Wahlkreis so alles auf die Beine stellen und wie das Fördergeld ankommt“, erklärt Homann. Auch wenn die Diakonie für die rund 400 000 Euro teure Wäscherei kein Fördergeld beantragt hat, der Besuch hier hat seinen Sinn. „Die Diakonie ist ein großer Arbeitgeber, der auch die Schwachen einbindet. Und gerade die Sozialwirtschaft ist ein wichtiger Teil der Wirtschaft“, sagt Homann. Doch für ihn gibt es einen zweiten Grund, die Wäscherei im Gewerbegebiet in Roßwein zu besuchen. „Sven Pinkert ist ein Pflegekind meiner Eltern“, erzählt er und drückt den jungen Mann fest an sich. „Wir sind alte Freunde und schreiben uns regelmäßig Nachrichten. Manchmal kommt er auch bei mir vorbei und erzählt, wie es ihm geht. Das ist der Beitrag meiner Eltern zur Inklusion.“

Dann geht der junge Mann zurück zu einem Rollregal und schichtet fein säuberlich die Wäsche für die Bewohner eines Altenheimes in das Regal. Auch für Homann wird es Zeit zu gehen. Bei seinem ersten Wahlkreistag in diesem Jahr will er noch viel sehen. „Danach besuchen wir die Kita Böhrigener Straße und die Alte Post, in der ein Ärztehaus untergebracht werden soll“, sagt Henning Homann. Auch eine Bürgersprechstunde steht noch auf dem Programm.