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Rote Hände für die Waffen-Lobby

Wieder demonstrieren Schüler – gegen Kindersoldaten, Krieg und Armut und die Welt, wie sie nicht bleiben soll.

Die Unicef-Junioren Juliane, Miriam, Anica, Cora und Martha (v.l.) haben ihre allererste Demo selbst organisiert. © Marion Doering

Viele Häkchen hat die To-do-Liste schon. „Aber rote Farbe müssen wir noch kaufen“, sagt Anica. „Und um die Politiker kümmern wir uns weiter“, ergänzt Martha. Die Farbe dürfte kein Problem sein. An den Politikern beißt sich das Unicef-Juniorteam schon seit Wochen die Zähne aus.

Für Sonnabend haben die jungen Leute eine Demonstration organisiert. Dieses Mal geht es nicht um den Umweltschutz, wie es das Thema der Friday-for-Future-Bewegung ist. Aber es geht auch hier um die Welt, die nicht so ist, wie sie sein sollte. Martha, Anica und ihre Mitstreiter rufen den Slogan „Kinder brauchen Frieden“ aus und gehen gegen den Missbrauch Gleichaltriger und noch viel Jüngerer als Kindersoldaten auf die Straße. Zum Anlass nehmen sie den weltweiten Red-Hand-Day und den achten Jahrestag des Syrienkrieges. Allein dort, im Irak und in Afghanistan kämpfen laut Unicef rund 250.000 Kinder.

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„Wir verlangen, dass Deutschland künftig weniger Waffen, vor allem Kleinwaffen, exportiert“, sagt Miriam. Seit sie einen jungen Bosnier kennengelernt hat, der sich ebenfalls für Unicef engagiert, arbeitet sie im Dresdner Juniorteam mit. „Er hat mir erzählt, was er in seinem Land bei Unicef macht, und ich habe mich über die Möglichkeit in Dresden informiert.“ Schließlich ging die 16-Jährige zu einem Treffen der Unicef-Juniors und meldete sich an.

Juliane ist nie aus dem Kopf gegangen, was sie während eines Urlaubes in Ägypten erlebt hat: „Kinder, die in Wellblechhütten und bitterer Armut leben.“ Da war sie erst in der vierten Klasse und hat sich schon damals vorgenommen: Wenn ich groß bin, tu ich was dagegen! Jetzt ist sie 17 und hat sich mit der zehnköpfigen Gruppe durch einen Wust von Aufgaben gekämpft, die für eine Demo nötig sind: „Ordnungsamt und Versammlungsbehörde wollten ganz viel von uns wissen“, erzählt Cora: wer verantwortlich und Ansprechpartner ist, welche Route gelaufen werden soll, ob Fahnen, Banner und Plakate geplant sind, ob ein Auto mitfährt, wie groß es ist und wie schwer die Musikboxen. Der exakte Zeitplan mit allen Redebeiträgen war gefragt, natürlich, wer den Marsch absichert und wie viele Demonstranten zu erwarten sind. „Erst planten wir mit 50, aber inzwischen haben wir so viel Feedback bekommen, dass wir auf 150 hoffen“, sagt Cora. Dafür haben sie fleißig Werbung in sozialen Netzwerken gemacht, Flyer und Sticker drucken lassen.

Auf der jüngsten Fiday-for-Future-Kundgebung stellten sie ihr Anliegen vor und demonstrierten auch selbst mit. Letztlich geht es doch all diesen engagierten jungen Leuten um das Gleiche: um die Welt, in der sie länger leben werden, als die Menschen, die sie jetzt zerstören – sei es durch Umweltsünden oder Kriege.

Als Kinderhilfswerk hat Unicef dabei besonders die Kinder und ihre Rechte im Blick: Bildung, eine saubere Umwelt, Schutz vor Gewalt, Spiel und Freizeit, ein Leben mit Eltern und Geschwistern. Davon sind gerade Kindersoldaten weit entfernt.

Der Zug führt am Sonnabend, ab 13 Uhr, vom Albertplatz über die Carolabrücke bis zum Sächsischen Landtag. Dort wird das Orgateam reichlich rote Farbe dabei haben. Denn das Symbol des Red Hand Days ist eine rote Hand, so rot wie das Blut der Kindersoldaten. „Wir werden große Plakate mit ganz vielen Händen bedrucken lassen“, erklärt Martha. Eins davon wollen sie eigentlich Leuten überreichen, von denen sie meinen, dass sie etwas bewirken können – als eine Art Petition. Doch von zehn Politikern hat keiner zugesagt. Weder Ministerpräsident Kretschmer noch Landtagspräsident Rößler haben 16 Uhr Zeit. Von vielen gab es nicht einmal eine Reaktion. „Aber wir fragen noch weitere“, kündigt Anica entschlossen an. „Auf jeden Fall schicken wir viele rote Hände zum Rüstungsunternehmen Heckler & Koch.“