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Politik

Ruanda gedenkt des Völkermordes

Was Ruanda während des Genozids erlebt hat, soll nie wieder passieren - das mahnen Präsident Kagame und Gäste aus aller Welt zum 25. Jahrestag.

Jean-Claude Juncker nimmt an den Feierlichkeiten teil. © imago/Belga
Von Gioia Forster und Saul Butera

25 Jahre nach dem brutalen Völkermord in Ruanda hat das Land der mehr als 800.000 Opfer und der Überlebenden gedacht. "Die Geschichte wird sich nicht wiederholen", versprach Präsident Paul Kagame am Sonntag bei der Gedenkveranstaltung in Kigali.

"Nicht nur wurden Körper zerstört, sondern auch die Idee von Ruanda selbst", sagte der 61-Jährige, der maßgeblich zum Ende des Genozids 1994 beigetragen hatte. "Was hier passiert ist, wird niemals wieder passieren." Der StaAtschef mahnte, dass Ruanda sich keine Selbstgefälligkeit leisten könne. "Das Leid, was wir durchlebt haben, sollte genug sein, um unseren Kampfgeist am Leben zu halten."

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Gäste aus aller Welt versammelten sich am Sonntag in Ruanda, um des 25. Jahrestags des Genozids zu gedenken. Angezettelt von der Hutu-Regierung und einer ihr nahe stehenden Miliz töteten Hutu damals rund 800.000 Tutsi sowie gemäßigte Hutu - Freunde, Bekannte, Nachbarn, selbst Ehepartner und Kinder. Die Weltgemeinschaft schaute weitgehend weg. Erst als die im Exil von Tutsi gegründete Ruandische Patriotische Front (RPF) mit Kagame an der Spitze aus Uganda einmarschierte, wurde das Massaker beendet. Der Völkermord dauerte nur rund 100 Tage.

Kagame lobte, wie weit Ruanda seitdem gekommen sei. "25 Jahre später sind wir hier, alle zusammen. Verletzt und mit gebrochenen Herzen, ja, aber unbesiegt", sagte der Staatschef. Auch warnte er jegliche Gegner im In- und Ausland, die sich mit Ruanda "anlegen" wollten. "Niemand hat die Macht, Ruander jemals wieder gegeneinander aufzubringen." Die Ereignisse seien auch ein Zeichen der Hoffnung für die Welt. Denn das Land habe gezeigt: "Keine Gemeinde ist irreparabel."

Seit dem Völkermord hat Ruanda eine bemerkenswerte Entwicklung durchlebt. Unter Kagame - der seit Ende des Genozids de facto, seit 2000 als Präsident an der Macht ist - hat das ostafrikanische Land Stabilität und großes Wirtschaftswachstum erlebt. Etliche Programme der Regierung und der Zivilgesellschaft haben die Versöhnung im Land vorangetrieben. Aber es werden auch Meinungsfreiheit, Oppositionsarbeit und die Zivilgesellschaft stark eingeschränkt. Die Behörden würden Regierungskritiker belästigen, unrechtmäßig festnehmen, sogar foltern, kritisiert etwa Human Rights Watch.

Im ganzen Land fanden am Sonntag Gedenkfeiern statt; auch in der kommenden Woche sind jeden Tag Veranstaltungen geplant.

Paul Kagame und seine Ehefrau Jeannette legten am Sonntagmorgen in der Völkermord-Gedenkstätte in Kigali Kränze nieder. Rund 250.000 Opfer liegen hier begraben. "Zeit kann niemals die dunkelsten Stunden unserer Geschichte ausradieren", sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, der an der Zeremonie teilnahm. "Es ist unsere Pflicht, uns zu erinnern."

Ruanda war einst eine deutsche Kolonie und kam nach dem Ersten Weltkrieg unter belgische Herrschaft, bevor das Land 1962 seine Unabhängigkeit erlangte. Unter den Gästen der Gedenkfeierlichkeiten am Sonntag war auch der belgische Premier Charles Michel. Belgien trage "einen Teil der Verantwortung", zitierte die belgische Nachrichtenagentur Belga den Regierungschef. Der ehemalige Premier Guy Verhofstadt hatte einst gesagt, der Völkermord sei auch "das Versagen der internationalen Gemeinschaft, die nicht warnen konnte, die nicht verhindern konnte, die nicht stoppen konnte".

Bundesaußenminister Heiko Maas sagte in Berlin zur Erinnerung an den Genozid: "Der Völkermord in Ruanda muss eine Mahnung für zukünftige Generationen sein. Wir alle tragen Verantwortung, die Erinnerung aufrecht zu erhalten und alles zu tun, damit sich Vergleichbares nicht wiederholt." Der SPD-Politiker sprach von einem "Verbrechen unvorstellbaren Ausmaßes".

Frankreichs Präsidentenpalast erklärte am Sonntag, der 7. April solle künftig als Gedenktag für den Völkermord begangen werden. Zuvor hatte Staatschef Emmanuel Macron eine Kommission berufen, um die Rolle Frankreichs bei dem Genozid untersuchen zu lassen. Frankreich wird immer wieder vorgeworfen, eine aktive oder passive Rolle bei der Vorbereitung und Ausführung des Genozids gespielt zu haben. Paris und Kigali hatten in der Vergangenheit zwischenzeitlich ihre diplomatischen Beziehungen abgebrochen. (dpa)