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Rückkehr zu den Wurzeln?

Die Deutsche Bank steckt in der größten Krise ihrer Geschichte. Nun soll es ein Eigengewächs an der Bankspitze richten.

© Susann Prautsch/dpa

Von Daniel Schnettler und Friederike Marx

Die Deutsche Bank sitzt direkt am Puls des Kapitalismus: Nur wenige Meter von der New Yorker Börse entfernt hat das größte deutsche Geldhaus sein US-Hauptquartier aufgeschlagen – an der berühmten Wall Street. Doch gerade diese Abhängigkeit vom globalen Finanzmarkt hat sich zu einem der größten Probleme der Bank entwickelt. Nun soll es ein klassischer Banker auf dem Chefsessel richten. Kommt jetzt die Rückbesinnung?

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Nach dem indischstämmigen Investmentbanker Anshu Jain und anschließend dem britischen Sanierer John Cryan soll nun der Westfale Christian Sewing für eine Rückkehr auf den Erfolgskurs sorgen. Bemerkenswert bei der Personalie: Sewing soll sich im Rennen um die Cryan-Nachfolge gegen einen lupenreinen Investmentbanker durchgesetzt haben – Marcus Schenck, der erst vor wenigen Jahren von der Wall-Street-Bank Goldman Sachs zur Deutschen Bank stieß und davor als Berater auch bei McKinsey arbeitete. Schenck soll bereits auf dem Absprung sein.

Viele Jahre war das Geschäft rund um die Kapitalmärkte die Gewinnmaschine der Deutschen Bank. Mit dem Handel von Wertpapieren, der Beratung bei Börsengängen oder der Finanzierung von Übernahmen ließ sich viel Geld verdienen. Um mit den Wall-Street-Häusern auf Augenhöhe spielen zu können, kauften die Frankfurter 1999 die US-Investmentbank Bankers Trust. „Da waren wir schlagartig jemand auf der internationalen Landkarte“, sagt der damalige Vorstandschef Rolf Breuer. Dagegen galt das klassische Spar- und Kreditgeschäft mit Privatkunden und Firmen als langweilig und wenig einträglich.

Der Bruch kam mit der großen Krise, die 2008 um ein Haar zum Zusammenbruch des globalen Finanzsystems führte. Seitdem entwickelte sich das Kapitalmarktgeschäft und Investmentbanking zum Problemfeld der Deutschen Bank: Skandale wie die Manipulation von Referenzzinssätzen oder fragwürdige Deals rund um US-Hypothekenpapiere kosteten die Frankfurter Milliarden. Drei Jahre hintereinander schrieb die Deutsche Bank hohe Verluste. Kunden verloren das Vertrauen.

Das Problem erkannte auch der seit Mitte 2015 amtierende Cryan, der vom mächtigen Aufsichtsratschef Paul Achleitner als Sanierer geholt worden war. Cryan erledigte die gefährlichsten Rechtsfälle, integrierte die Tochter Postbank und holte mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung frisches Geld ins Haus. Was ihm aber nicht gelang: Den Kunden klarzumachen, wofür das einst so übermächtige Geldhaus im heutigen knallharten Wettbewerb steht. Im Kapitalmarktgeschäft sind die US-Banken führend, bei den Privatkunden hierzulande die Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

„Bislang habe ich keine Antwort auf die Frage, wie die Deutsche Bank nachhaltig Geld verdienen soll“, sagt Aktionärsvertreter Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Der Aktienkurs dümpelt auf rekordniedrigem Niveau. Während es die Deutsche Bank derzeit an der Börse gerade mal auf einen Wert von 23,5 Milliarden Euro bringt, kommt der US-Branchenprimus JPMorgan Chase auf 302,5 Milliarden Euro.

Doch wird der als neuer Bankchef gehandelte Sewing die Wende bringen können – mit einer Rückbesinnung auf das klassische Bankgeschäft? Ganz so einfach dürfte es nicht werden. Auf dem Heimatmarkt ist die Konkurrenz nicht nur wegen Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken groß. Auch die teilverstaatlichte Commerzbank setzt konsequent auf das Geschäft mit Firmenkunden und Privatleuten. Hinzu kommen erfolgreiche Onlinebanken wie die ING-Diba oder die DKB. Bei der Finanzierung von Firmen machen überdies zahlreiche ausländische Banken den Frankfurtern das Leben schwer.

Einen weitgehenden Abschied vom Kapitalmarkgeschäft dürfte es aber unter Vorstandschef Christian Sewing ohnehin nicht geben. Dafür dürfte Aufsichtsratschef Achleitner sorgen: Der ehemalige Goldman-Sachs-Banker will zur Hauptversammlung im Mai gleich zwei namhafte Investmentbanker neu ins Kontrollgremium holen – John Thain, letzter Chef der Wall-Street-Bank Merrill Lynch, und Mayree Clark, die lange beim Wall-Street-Haus Morgan Stanley gearbeitet hat. (dpa)