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Rücktritt nach Streit im Ausländerrat

Ein halbes Jahr hat der Verein über den Beitritt zu einem Antirassismusbündnis diskutiert. Zwei Mitglieder sind danach aus dem Vorstand ausgetreten.

© dpa, André Wirsig

Von Christoph Springer

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Der Vorstand des Dresdner Ausländerrats hat zwei bekannte Köpfe verloren. Bereits vor einer reichlichen Woche haben sie das Handtuch geworfen. Hintergrund ist die Mitgliedschaft der gemeinnützigen Organisation im „Bündnis gegen Rassismus“. In Am Sayad Mahmood und Martin Gillo waren mit dem Beitritt des Ausländerrats zu dem vor einem reichlichen Jahr gegründeten Bündnis nicht einverstanden. Deshalb haben sie sich nun aus dem Vorstand verabschiedet.

Markus Degenkolb, Geschäftsführer des Ausländerrats, teilte Mitte der Woche in einem einzigen Satz mit, was der Grund war. Die Entscheidung zum Rücktritt aus dem Vorstand sei „aufgrund der unterschiedlichen Perspektiven zum Umgang mit Fremdenfeindlichkeit“ gefallen, erklärte Degenkolb.

Martin Gillo, der früher sächsischer Wirtschaftsminister und danach fünf Jahre lang Ausländerbeauftragter des Freistaats war, geht mehr ins Detail. Ihn stört, dass sich das Bündnis, dem der Ausländerrat beigetreten ist, „gegen“ etwas richtet. Viel besser wäre, es würde sich „für“ etwas einsetzen. „Bündnisse gegen etwas oder andere polarisierende Initiativen zerspalten unsere Gesellschaft“, ist er überzeugt. Besser sei, sich für etwas einzusetzen, „für Weltoffenheit, für Integration, für eine Willkommensgesellschaft“. Solche Initiativen, die die vielfältiger werdende Gesellschaft zusammenzuhalten, sagt der Ex-Minister. „So gut gemeint auch Dinge sind, die Polarisierung hat in unserer Gesellschaft noch nie zu etwas Positivem geführt.“

Ähnlich klingen die Bedenken von In Am Sayad Mahmood. „Das Wort gegen bedeutet, dass wir eine Mauer bauen“, sagt die Sozialarbeiterin, die unter anderem beim Ökumenischen Informationszentrum an der Kreuzstraße Migranten berät. „Wir müssen in positiver Form zeigen, dass wir zusammengehören, für Vielfältigkeit und für Demokratie sind.“

Gillo berichtet von einer langen Diskussionszeit vor der Entscheidung zum Rücktritt. „Wir haben uns damit sechs Monate beschäftigt“, so der ehemalige Ausländerbeauftragte des Freistaats. Die Ansichten des Vorstands und der Mitglieder im Ausländerrat hätten dabei gegensätzliche Positionen vertreten. Für ihn war der Rücktritt damit die einzige Alternative. „Ich kann es mir leisten, die Dinge zu tun, die ich für richtig halte“, sagt Gillo. Im Ausländerrat der Stadt will er dennoch weiter mitmachen. „Seine Leistungen sind bewundernswert“, lobt er den Verein, der etwa 130 Mitglieder hat.

Anders ist das bei In Am Sayad Mahmood. Sie hat dem Ausländerrat ganz den Rücken gekehrt. „Ich habe meine Entscheidung mit ruhigem Gewissen getroffen und wünsche dem Verein alles Gute und viel Erfolg.“ Künftig will sie sich weiter für Migranten starkmachen, aber ohne Mitgliedschaft im Ausländerrat.

Die Organisation wurde 1990 gegründet. Sie hat eigentlich fünf Vorstände, drei davon sind jetzt noch übrig. In einer Selbsterklärung heißt es, der Verein setze sich für die „Förderung der kulturellen, sozialen und politischen Integration“ ein. Ein Beispiel für diese Arbeit ist die Hilfe für Migranten in Dresden. Dabei arbeitet der Ausländerrat eng mit städtischen - und Landesorganisationen zusammen.