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Tallacker bricht mit Pegida-Chefs

Ex-Orga-Team-Mitglied Thomas Tallacker will mit Pegida nichts mehr zu tun haben. Grund sind Schmiergeld-Vorwürfe.

© Robert Michael

Von Peter Anderson

Meißen. Die Enttäuschung steht Thomas Tallacker ins Gesicht geschrieben. Nein, nach diesen Vorwürfen habe er sich nun von Pegida komplett zurückgezogen, sagt der frühere Meißner CDU-Stadtrat. Anfang 2015 war er bereits nach einer Diskussion um die Rolle von Lutz Bachmann mit weiteren Mitstreitern aus dem Orga-Team der Protestbewegung ausgeschieden. Jetzt wird der Abstand zu Pegida noch größer.

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Von den Anführern der montäglichen Stadtspaziergänge rund um Lutz Bachmann und den Meißner Siegfried Däbritz sei ihm und anderen früheren Mitgliedern unterstellt worden, sie hätten sich von der Staatsregierung kaufen lassen, so Tallacker. „Da wurde erzählt, dass wir jetzt plötzlich mit neuen Autos und Motorrädern herumfahren. So ein Quatsch“, sagt der selbstständige Handwerker und klingt hörbar verärgert. Schmiergeld beförderte die Spaltung von Pegida, so lautete zugespitzt die Behauptung. Im Januar vergangenen Jahres habe Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) diesen Deal bei einem Gespräch in Dresden eingefädelt.

Politische Zukunft in der CDU

Öffentlich wurde die Schlammschlacht jetzt nicht zuletzt durch eine Kleine Anfrage des AfD-Landtagsabgeordneten Carsten Hütter. Dieser wollte wissen, warum und aus welchem Fonds die Staatsregierung Geld an das sogenannte Orga-Team von Pegida in Dresden bezahlt habe, um dessen Auflösung voranzutreiben. Das Innenministerium wies dies als falsche Unterstellung zurück. Weder die Staatsregierung noch ihr nachgeordnete Behörden hätten dem Orga-Team oder einzelnen seiner Mitglieder Geld gegeben. Bei dem Gespräch mit Markus Ulbig sei es vielmehr darum gegangen, den Blick dafür zu schärfen, dass die notwendige Meinungsbildung in einer Gesellschaft nicht allein durch Demonstrationen geführt werden könne. Der Innenminister habe dafür geworben, die Dialogangebote der Stadt und der Staatsregierung auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Formaten anzunehmen.

Thomas Tallacker sieht seine politische Zukunft eigenen Angaben zufolge derzeit weiter in seiner Partei, der CDU. Ein Wechsel etwa zur AfD stehe für ihn nicht zur Debatte. Während eines mittlerweile mit einer Rüge abgeschlossenen Ausschlussverfahrens hatte ihm auch die NPD angetragen, ihn in ihre Reihen aufzunehmen. „So ein Parteibuch legt man nicht so einfach ab wie ein Hemd“, sagt Tallacker. Die CDU bilde ein breites politisches Spektrum ab. Das finde er gut. Begrüßt wurde von dem Handwerker der auf eine Initiative des CDU-Stadtverbandes zurückgehende neue Gestaltungsbeirat in der Stadt. In diesem Rahmen sollen sich engagierte Bürger bei konkreten Vorhaben einbringen können, ohne Stadträte sein zu müssen. „Wir müssen vor allem das Fachwissen von Spezialisten nutzbar machen“, sagt Tallacker, damit nicht wieder solche Fehler passierten wie der nach seiner Ansicht überteuerte Einkauf neuer Fahrzeuge durch das Rathaus.

Däbritz weiter im harten Kern

Tallacker ist mit seinem Abrücken von Pegida nicht der einzige Meißner. Aus persönlichen Gründen sei auch er nicht mehr aktiv in der islamkritischen Protestbewegung, teilte das frühere Orga-Komitee-Mitglied Enrico Schneider der SZ mit. Der Fotograf hat sich stattdessen mit das Ziel gesetzt, in Meißen einen Dialog auch über politische Gräben in Gang zu setzen.

Der letzte, bekanntere Meißner im inneren Zirkel von Pegida bleibt damit der Security-Mann Siegfried Däbritz. Aufrufe für die montäglichen Abendspaziergänge wechseln sich auf Däbritz’ Facebookseite ab mit Beiträgen, die direkt oder indirekt für ein freieres Waffenrecht werben. Letztmals medienwirksam meldete er sich zu Wort, als im Juli die Pegida-Seiten von Facebook gesperrt wurden.