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Rüstige Oldtimer-Wehr

Die Strahwalder haben zwar alte Autos, die Truppe ist aber fit für den Einsatz und hat einen Wunsch zum 140. Geburtstag.

© Matthias Weber

Von Anja Beutler

365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Für Oldtimer ist Strahwalde bekannt. Schließlich ist der Herrnhuter Ortsteil einmal im Jahr das Mekka für Fans aller Arten alter Vehikel. Dass aber auch die Ortsfeuerwehr mit ihrem Fuhrpark beim Veteranentreffen durchaus mithalten könnte, macht die Kameraden wenig glücklich: Im Depot an der Löbauer Straße stehen ein LO Baujahr 1974 und ein W 50 von 1992. Wenn sich also die 15 aktiven Kameraden zu ihrem 140. Geburtstag, den sie am Sonnabend feiern, etwas wünschen dürfen, dann soll es ein neues Fahrzeug sein.

Die Situation ist in der Tat frustrierend und bisweilen gefährlich. „Wir sind immer froh, wenn wir vom Einsatz heil wieder drin sind“, sagt Gert Trodler, der seit 47 Jahren dabei ist. Und Wehrleiter Klaus-Peter Ullrich bestätigt: „Die Kameraden, die am Lenkrad sitzen, schwitzen jedes Mal vor Angst.“ Denn auch bei guter Pflege und Wartung durch eine Werkstatt in Ruppersdorf sind die Fahrzeuge nicht mehr wirklich verlässlich. Die Bremsen brauchen lange, bevor sie die optimale Wirkung entfalten. Die Kameraden, die auf der LO-Ladefläche zum Einsatzort transportiert werden, erhalten die volle Abgasdröhnung und der Wind pfeift ohnehin unter die Plane. Abgesehen davon erreichen die Strahwalder oft als Letzte der Ortswehren den Einsatzort, denn mit einer durchschnittlichen Höchstgeschwindigkeit von 60 bis 70 Stundenkilometern braucht es eben eine Weile länger. „Das ist frustrierend, wenn man am Ende nur noch als Reserve abgestempelt wird“, sagt Wehrleiter Ullrich und vor allem die jüngeren Kameraden nicken zustimmend.

Die Kritik ist bei Stadtwehrleiter Jörg Christoph und auch bei Bürgermeister Willem Riecke (Herrnhuter Liste) längst angekommen. „Die Strahwalder Wehr hat für mich erste Priorität“, sagt Christoph. Und das sind keine schönen Worte zum Jubiläumsjahr, das meint der Stadtwehrleiter ernst. Voller Respekt spricht er davon, dass es die Strahwalder Ortswehr schwerer hat als andere, neue Mitglieder zu finden. Wer wolle schon mit so alten Einsatzwagen unterwegs sein. Dennoch haben sich die Mitgliederzahlen stabilisiert. Von einer Auflösung der Ortswehr zugunsten einer größeren Einheit hält er hingegen gar nichts. „Das würde nicht funktionieren“, sagt er.

In der Tat sind die derzeit 15 Feuerwehrleute eine recht kleine Besetzung. „Ja, es ist ein Tiefpunkt“, gibt Klaus-Peter Ullrich unumwunden zu. Aber unerwartete Todesfälle und Wegzüge kann niemand einkalkulieren. „Feuerwehr ist in Strahwalde Familiensache“, sagt auch der stellvertretende Wehrleiter Michael Krause. Sandro und Monja Krause sind nach ihm die nächste Generation in der Wehr – und die übernächste hat großes Interesse: Luana Krause ist zwar noch zu klein für die Kinder- oder Jugendfeuerwehr. Aber mit dabei ist sie jetzt schon, erklärt sie stolz.

Selten kommt ein Seiteneinsteiger in Strahwalde hinzu – so wie Gottfried Trocha, der vor drei Jahren aus Köln nach Strahwalde und dann auch zur Feuerwehr kam. Zusätzlich neue Mitglieder zu gewinnen, gestaltet sich als schwierig. „Fehlende Zeit oder auch Scheu vor schrecklichen Erlebnissen beim Einsatz sind Gründe“, zählt Michael Krause auf. Natürlich müssen die Einsatzkräfte psychisch einiges aushalten. „Aber da wird mittlerweile viel getan“, erklärt Monja Krause, die selbst eine spezielle Ausbildung absolviert hat. So unvorbereitet wie 1992, als die Wehr zunehmend zu Unfällen gerufen wurde und dann gleich einen Fall mit sechs Toten zu verdauen hatte, würde manches heute nicht mehr ablaufen. Vieles sei heute Teil der Ausbildung. Am Ende zähle aber vor allem eines: „Dass man wirklich den Menschen hilft“, sagt auch Feuerwehrfrau Ina Steinert.

Auf ein neues Auto jedenfalls können sich die Strahwalder schon mal freuen – wenn auch langfristig. Die Stadt Herrnhut will die nötigen Gelder einstellen und wird den Förderantrag stellen. Rund 200 000 Euro wird es kosten. Dafür müssen die Strahwalder dann aber ihre beiden Oldies abgeben. „Anderthalb bis zwei Jahre sind allerdings die Bestellfristen“, stellt Stadtwehrleiter Jörg Christoph klar. Bis er 2020 in die Feuerwehrrente geht, sagt Ortswehrleiter Ullrich, soll das neue Auto im Depot stehen. Das Depot hat die Stadt immerhin vor zwei Jahren solide saniert. Zwar ist auch da noch nicht alles optimal, aber die Einsatzkleidung trocknet jetzt ordentlich und schimmelt nicht mehr wie vorher.

Am Sonnabend lädt die Feuerwehr nach ihrer Festsitzung zum öffentlichen Tanz ins Volkshaus Strahwalde ein. Beginn ist 21 Uhr.