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Ruf nach Rauchverbot wird lauter

Berlin - Nach dem Erlass von Rauchverboten in den etlichen europäischen Nachbarstaaten wächst auch in Deutschland der Druck, das Rauchen in Gaststätten zu verbieten. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte der «Berliner Zeitung», er plädiere für ein gesetzliches Verbot.

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Berlin - Nach dem Erlass von Rauchverboten in den etlichen europäischen Nachbarstaaten wächst auch in Deutschland der Druck, das Rauchen in Gaststätten zu verbieten. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte der «Berliner Zeitung», er plädiere für ein gesetzliches Verbot. «An eine Selbstregulierung des Gastgewerbes glaube ich nicht im Traum.» Auch in den anderen Parteien, bei den Ärzten und Krankenkassen wurden Forderungen nach strikteren Regeln laut.

Die Drogenbeauftragte der Unions-Fraktion, Maria Eichhorn (CSU), plädierte dafür, den Erfolg der Selbstregulierung der Gastwirtschaft erst abzuwarten. «Wenn es mit der Selbstbeschränkung aber nicht klappt, muss der Nichtraucherschutz durch Gesetze und Verbote gewährleistet werden.» Auch die Grünen-Politikerin Ulrike Höfken forderte Rauchverbote in öffentlichen Gebäuden. Der FDP-Drogenexperte Detlef Parr lehnte Gesetze zum Nichtraucherschutz ab. Es gebe gute Erfahrungen mit freiwilligen Vereinbarungen, sagte er dem Blatt.

Großer Einfluss der Tabaklobby beklagt

Lauterbach beklagte den Einfluss der Interessengruppen. «In Deutschland ist der Einfluss der Tabaklobby auf die Politik sehr groß.» Denn die Tabakkonzerne spendeten den Parteien großzügig. Während der Sitzungswochen in Berlin richteten sie parlamentarische Abende aus, um direkten Kontakt zu den Abgeordneten aufzunehmen. Und wer in seinem Wahlkreis eine Zigarettenfirma oder große Tabakbauern habe, könne sich über mangelnde Unterstützung ohnehin selten beklagen, sagte Lauterbach.

Auch Krankenkassen und Ärzte warben für ein Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen. «Nichtrauchen muss absolute Priorität haben. Wenn es nicht anders geht, dann eben auch über ein Rauchverbot in öffentlichen Räumen», sagte ein Sprecher AOK-Bundesverbands der «Berliner Zeitung». Eine Sprecherin der Barmer-Ersatzkasse sagte, der Schutz der Nichtraucher müsse Vorrang haben. «Deshalb kann ich mir ein Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen und am Arbeitsplatz durchaus vorstellen.» Der Vorsitzende des Ärzteverbandes Hartmannbund, Kuno Winn, erklärte: «Aus medizinischer Sicht wäre es grundsätzlich zu begrüßen, wenn es ein absolutes Rauchverbot geben würde.» (dpa)