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Ruhe am Tisch

Das Interesse am Dialog zu Pegida lässt nach. Minister Dulig fordert eine angstfreie Kultur.

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Dresden. „Kunst der Gegenwart“ steht als Neonschriftzug an der Wand. Doch der Saal des Dresdner Albertinums ist am Dienstagabend weniger Eingangspforte zu abstrakter Malerei. Rund 250 Sachsen – und damit weniger als die erwarteten 300 – sind der Einladung der Staatsregierung zum zweiten Dialogforum gefolgt. Unter dem Eindruck der Pegida-Demonstrationen und steigender Flüchtlingszahlen soll über Asyl sowie das Verhältnis von Politik und Bürgern generell diskutiert werden.

Rund 250 Sachsen folgten der Einladung der Staatsregierung.
Rund 250 Sachsen folgten der Einladung der Staatsregierung. © dpa

Das Forum verläuft ruhiger als das erste im Januar. An Sechsertischen, die für die Presse nicht zugänglich sind, debattieren die per Los Ausgewählten in zwei Runden. Im Anschluss werden sie von Moderatoren befragt. Interviewte beklagen angeblich verfassungsfeindliche Elemente im Islam, eine unklare Strategie im Umgang mit Flüchtlingen sowie die Entfremdung zwischen Politikern und Volk. Ein Teilnehmer sagt über Ausländer: „Wir brauchen die, aber nicht jeden.“

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An den Tischen sitzen auch sogenannte Tischbetreuer – Mitarbeiter der Verwaltung, Abgeordnete aller Landtagsfraktionen und mehrere Kabinettsmitglieder. Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) appelliert im Anschluss an die Sachsen, sich in demokratische Prozesse einzubringen. Die Verfahren müssten allerdings transparent und verständlich sein.

Bei einer abschließenden Podiumsrunde äußert sich der Gröditzer Bürgermeister Jochen Reinicke (parteilos) zu den Debatten zwischen ihm und Einwohnern über die Unterbringung von Asylbewerbern. „Wir haben immer ununterbrochen miteinander kommuniziert.“

Vizeregierungschef Martin Dulig (SPD) ruft dazu auf, Ängste ernst zu nehmen. Er habe sich neulich mit zwei Syrern unterhalten, die Angst hätten. Zudem gebe es bei Sachsen die Furcht, im kapitalistischen System nicht mehr mitzukommen. Dulig fordert eine Kultur, die ein angstfreies Leben ermöglicht. Applaus erhält er für den Satz: „Ich möchte nicht die Menschen einteilen in welche, die uns nützen und in welche, die uns nicht nützen.“

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Bei den Teilnehmern, die vom Moderatorenduo angesprochen werden, dominieren neben asylkritischen Sichtweisen auch Fragen, wie Integration gestaltet werden kann. Dresdens erster Bürgermeister Dirk Hilbert (FDP) sagt, er gehe nachdenklich aus dem Forum heraus. Begrüßenswert sei, dass man miteinander rede – trotz unterschiedlicher Meinungen. (SZ/ale)