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Ruhe kennt sie nicht

Regina Bonk nutzt ihren Elan, um etwas für die Gemeinschaft zu schaffen. Dabei achtet sie auch immer auf Details.

© André Braun

Von Sylvia Jentzsch

Mochau. Sie ist die gute Seele des Küsterhauses, der Motor bei den Seniorenveranstaltungen und das Organisationstalent für Ausfahrten – Regina Bonk (79), die schon seit einigen Jahren Rentnerin ist, liebt, was sie tut. Deshalb fällt ihr es auch nicht schwer, trotz Ruhestand unruhig zu sein. Und ans Aufhören denkt sie noch lange nicht. „Was ich mache, mache ich gern. Ich habe alles im Griff“, sagt die ehemalige Krippenerzieherin.

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Neuer Wohnraum für Senioren in Hartha
Neuer Wohnraum für Senioren in Hartha

Die WBG Kontakt modernisiert umfassend eine Wohnanlage in der Döbelner Straße in Hartha. Das Ergebnis ist ein echter Gewinn für die Stadt.

Ihr größtes und sichtbarstes Projekt ist das Küsterhaus in Mochau. 2004 hatte Regina Bonk die Idee, dass Haus, das dem Verfall preisgegeben war, wieder Leben einzuhauchen – 2011 wurde die Einweihung der ersten sanierten Hälfte gefeiert. Dann kam fast jedes Jahr ein neuer Ausstellungsraum dazu – und auch jetzt gibt es immer wieder Veränderungen. So wurde in die Schwarzküche ein Stromkabel verlegt. Statt Feuer leuchtet jetzt Licht, damit der Gast alles besser betrachten kann. Regina Bonk begeisterte damals über Jahre ihre Zuhörer von dem Projekt und sammelte bei jeder sich ihr bietenden Gelegenheit Spenden, um einen finanziellen Grundstock zu haben. 2007 wurde damit begonnen, das Fachwerk abzudichten, teilweise zu verputzen, und es wurde eine sogenannte Begehungssicherheit hergestellt.

„Ob das Fachwerkhaus neben dem Pfarrhaus früher wirklich einmal ein Küsterhaus war, wissen wir nicht genau. Auf jeden Fall gehörte es zur Hofstelle eines Pfarrgutes. Vor 150 Jahren mussten sich die Pfarrer selbst versorgen“, so der ehemalige Bürgermeister Gunter Weber, der sich als Heimatfreund ebenfalls für das Küsterhaus engagiert. Es gibt im Haus viele Elemente, die erhalten werden sollen. So ist in der guten Stube noch eine Innenschrift von 1861 zu sehen. „Vielleicht lassen wir sie noch einmal freilegen. Doch das muss eine Restauratorin übernehmen und das kostet Geld“, so Regina Bonk.

Sie hat es geschafft, ihre Begeisterung für das Küsterhaus auf mehr Leute zu übertragen, die sie bei ihrer Arbeit unterstützen. „Ich habe viele Helfer, aber keiner will sich den Hut aufsetzen“, so die 79-Jährige. Sie hat vor einigen Jahren die Interessengemeinschaft (IG) Küsterhaus ins Leben gerufen. Und dass es in dem historischen Haus, das wahrscheinlich älteste von Mochau, gemütlich ist, hat sich herumgesprochen. So kommen zum Beispiel Gäste vom Seniorenpflegeheim Berta Börner zu einer gemütlichen Kaffeerunde ins Küsterhaus. „Viele fühlen sich hier wie zu Hause. Erinnerungen an früher werden dann wach. Und ins Schlusssteinzimmer können sie auch mit dem Rollstuhl geschoben werden“, sagt Regina Bonk. Sie bekommt auch ständig neue Ausstellungsgegenstände, die sie dann den entsprechenden Zimmern zuordnet. Doch nicht nur Senioren sind zu Gast im Küsterhaus. Während die älteren Besucher sich auf die Spuren ihrer Kindheit und Jugend begeben, kommen die jüngeren aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Sie sind förmlich überwältigt, was es früher einmal gab.

Neben der Arbeit im Küsterhaus, schreibt Regina Bonk Chroniken und sammelt Veröffentlichungen zu verschiedenen Personen. Sie stellte die Adresslisten für die Jubelkonfirmation zusammen, was wie sie sagt, eine Mammutaufgabe ist, engagiert sich bei der Wander- und Fahrradgruppe und organisiert wie für heute, den Seniorennachmittag.