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Ruhepol im Porzellanladen

Anke Kothe feiert das Jubiläum des Haushaltwarengeschäfts in Neugersdorf mit neuen Ideen – wie einem City-Scheck.

© Rafael Sampedro

Von Gabriela Lachnit

Neugersdorf. Anke Kothe kann so schnell nichts aus der Ruhe bringen, auch das besondere Jahr 2018 nicht, für das sie viel vorhat. Die 48-Jährige ist Inhaberin des Haushaltwarengeschäftes Schmidt an der Hauptstraße in Neugersdorf. In diesem Jahr feiert das Geschäft sein 25-jähriges Bestehen. Im September soll es dann eine ganze Festwoche geben. Bereits an diesem Freitag lädt Anke Kothe am Nachmittag ab 14 Uhr zu einer Kochvorführung mit einem Experten ein. Das ist eine ihrer Ideen, die sie jetzt umsetzt. Eine Backvorführung soll demnächst folgen. Damit möchte sie den Kunden Anregungen vermitteln, wie man mit den verschiedensten Gerätschaften und Hilfsmitteln für den Haushalt wunderschöne Dinge zaubern und dabei den Zeitaufwand reduzieren kann.

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Eine der Neugierigen, die Anke Kothe am Freitag erwartet, ist ihre Mutter Monika Schmidt. Die jetzt 71-Jährige hatte das Geschäft nach der Wende gegründet, nachdem sie viele Jahre lang den Laden als Konsum-Verkaufsstelle geleitet hatte. So ist es kein Wunder, dass Anke Kothe die Einrichtung schon von Kindesbeinen an kennt. „Ich bin sozusagen hier groß geworden“, erzählt sie. Nach der Schule führte ihr erster Weg sie zu Mutti in den Laden. Damals wohnte Anke Kothe noch in Neugersdorf. Jetzt lebt sie mit Mann und zwei fast erwachsenen Kindern in Leutersdorf.

Zunächst hatte Anke Kothe Wirtschaftskauffrau gelernt und unter anderem bei Lautex und EAB gearbeitet. Eine Weile war sie ohne Job, aber als das erste Kind in den Kindergarten gehen konnte, stellte Monika Schmidt ihre Tochter halbtags im Haushaltwarenladen an. Anke Kothe kannte ihn ja, hatte schon oft ausgeholfen. Anfang 2011 hat sie das Geschäft dann übernommen. Und sie hat noch immer viel Freude an ihrer Arbeit. „Sie ist abwechslungsreich und ich habe immer mit Leuten zu tun“, begründet sie, warum sie jeden Tag gerne zur Arbeit fährt. Auch, wenn sie an manchem Tag drei, vier Stunden mit Büroarbeit zubringen muss. Es werde ihr nie langweilig, weil immer was Neues passiert. Die Haushaltwarenbranche biete viele Innovationen an, die sie möglichst schnell auch ihren Kunden anbieten möchte, sagt die Geschäftsfrau, die sich nicht nur für ihren Laden interessiert, sondern die für ihre Heimatstadt brennt. Nahezu im wahrsten Sinne des Wortes, denn Anke Kothe und ihre Mutter haben den Feuerzauber nach Neugersdorf gebracht. „Wir waren vor etlichen Jahren bei einer Porzellanschulung“, erzählt sie, „und dort hat jemand vom Feuerzauber als Einkaufsabend berichtet.“ Das fanden die beiden Frauen klasse und nachahmenswert. Von Geschäftstür zu Geschäftstür seien sie damals vorrangig in der Hauptstraße in Neugersdorf gegangen und hätten Geschäftsinhabern das Projekt Feuerzauber vorgestellt. Das war 2007, im November des gleichen Jahres gab es den ersten Feuerzauber-Einkaufsabend in Neugersdorf. Seither ist er beständig gewachsen, immer mehr Geschäftsinhaber machen mit. Die Verantwortung trägt jetzt der Gewerbeverein. Anke Kothe sieht den Einkaufsabend als ein schönes Angebot für Kunden aus der ganzen Region. Er fördert die Gemeinschaft und die Geschäfte, macht sie bekannt, bringt Umsatz und ist Teil eines lebenswerten Städtchens.

Sie verschweigt dabei nicht, dass das Internet dem stationären Handel das Leben durchaus schwer macht, auch ihrem. Dem entgegenzuwirken, hat die Geschäftsfrau eine weitere Idee. Die will sie jetzt zur Diskussion stellen: den City-Scheck. Diese Art Geschenk-Gutschein könne von jedermann erworben und in jedem Geschäft in Ebersbach und Neugersdorf eingelöst werden. Dann bliebe das Geld in der Stadt und jeder profitiere davon. Mit ihrer ruhigen, ausgeglichenen Art wird sie für diese Idee werben, nicht nur im Gewerbeverein, dem sie angehört.

Kraft und Ausdauer dafür holt sich die 48-Jährige bei ihrem wöchentlichen Zumba-Abend, bei ihrer großen Familie, von der nahezu alle Mitglieder im Umkreis leben, und einem beständigen Freundeskreis. Da sei immer was los, sagt sie. Wenn dann noch Zeit ist, fährt sie gerne mal mit ihrem Mann in die Landeshauptstadt und besucht ein Boulevard-Theater.