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Ruhestand verschoben

Gudrun Jäger kleidet in ihrem Modehaus die Bischofswerdaer ein. Sogar für den Semperopernball. Die geplante Schließung ihres Ladens ist kein Thema mehr.

© Thorsten Eckert

Von Carolin Menz

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Gudrun Jäger ist Freitagabend am Fernseher Gast auf dem Semperopernball in Dresden. Sie wird schauen, in welchen Roben die Damen bezaubern. Mit etwas Glück entdeckt sie womöglich das elegante, bodenlange schwarze Kleid, mit dem eine ihrer Kundinnen ausgeht. Ein Stück aus dem Modehaus Jäger in Bischofswerda. Es war das letzte Abendkleid, das Gudrun Jäger verkauft hat. Denn mit Abend- und Cocktailkleidern hat sie Schluss gemacht. Von einem Ball im Jahr könne ein Modehaus nun mal nicht leben, zudem kaufe die Jugend für den Abiball immer öfter im Internet, sagt Gudrun Jäger. „Es lohnt einfach nicht mehr.“

Täglich neun Stunden im Laden

Klingt ein wenig nach Abschied. Ist es aber nicht. Ganz im Gegenteil. Gudrun Jäger packt’s nochmal in ihrem Geschäft am Altmarkt, in dem sie nahezu täglich neun Stunden steht. Sie erweitert, will neue Kunden gewinnen. Jetzt, da sie entschied, in die Verlängerung zu gehen. „Eigentlich wollte ich im August schließen und in Pension gehen“, sagt sie. Nach einem Ausverkauf sollte Schluss sein. Doch Gudrun Jäger überlegte es sich anders. Viel zu gern kleidet sie Kunden gut ein, berät, kauft Trends für Schiebock ein. Viel zu agil sei sie für den Ruhestand. „Und was wäre denn geworden? Der große Laden stünde leer, Schaufenster wären zugeklebt. Das wäre doch kein schöner Anblick in der Innenstadt.“ Also bleibt offen. Der Ruhestand ist verschoben. Auf unbestimmte Zeit. Bald wird Gudrun Jäger 65. Nur eine Zahl für sie. „Zur Unterstützung wird jetzt meine Schwiegertochter Manuela Jäger bei mir anfangen“, sagt sie. Sie arbeitet sie jetzt ein. Die Schwiegertochter ist auch eine Option für die Nachfolge der Chefin.

Angebot an Männermode wird erweitert

Noch hat Gudrun Jäger den Hut aber auf – und entschieden, wieder Anzüge für Herren anzubieten und modernere Poloshirts. Im Männersegment wird erweitert. Das für Frauen bleibt umfangreich. Jacken, Shirts, Blusen, Hosen, Kleider. Stammkunden schätzen es. Kommen immer wieder. Und doch wünschte sich Gudrun Jäger mehr Laufkundschaft. „Dafür bräuchten wir mehr Geschäfte am Markt. Es wäre toll, man könnte einen Schuhladen herzaubern.“

Sagt’s, und die Tür ihres Modehaus geht auf. Zwei Kundinnen gleichzeitig. Eine will ein Kleid, die andere einen Pulli. Gezielt greift Gudrun Jäger in die Regale. Wie konnte sie ans Aufhören denken?

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