Merken

Ruhige Kugel im Orpheum

Kelvin Kalvus plant seine Show – und hofft auf Erlaubnis der Stadt zurNutzung des Orpheums.

Teilen
Folgen

Von Nadja Laske

In blauer Trainingsjacke schlendert Kelvin Kalvus durchs Foyer des Orpheums. In den Augen hat der Jongleur den wolkenlosen Himmel über der Neustadt oder das Blau seines Oberteils. Blauäugig ist er trotzdem nicht.

Das Vize-RTL-Supertalent steuert auf den Ballsaal zu, zum Gespräch über sein großes Vorhaben: „Die Alchemie der Sinne“, seine eigene Show, die hier am 4., 5. und 6. Juni über die Bühne gehen soll. Zurzeit organisiert er sie ebenso zielstrebig wie notgedrungen ins Blaue hinein – für das Projekt hat er sich einen Veranstaltungsort ausgewählt, der laut Bauaufsichtsamt keiner ist. Aber Kelvin lässt nichts unversucht. Sein Antrag auf eine Sondergenehmigung liegt der Behörde vor.

„Für den Ballsaal Orpheum gilt eine sogenannte Nutzungsuntersagung“, erklärt Dieter Krumme, der mit Kelvin am leeren Tisch im leeren Saal Platz genommen hat. Er verwaltet das Objekt im Namen des Inhabers Orpheum GbR. Der Name Orpheum bedeutet Gesangshalle, Tonhalle. Und gerade da liegt das Problem.

Denn nach heutigen Gesetzen ist es nur für tonlose Veranstaltungen gemacht. „Das Haus ist so konstruiert, dass Geräusche direkt an die Umgebung weitergeleitet werden“, sagt Krumme und ergänzt mit Galgenhumor: „Hier könnte Dressurschreiten oder ein Pantomime-Workshop stattfinden, oder Bauchtanz – aber ohne Glöckchen“. Über einen Nordic Walking Parcours oder eine Bibliothek habe er schon allen Ernstes nachgedacht.

Allerdings mangelt es dem 1998 topp sanierten Ballsaal nicht nur am Lärm- sondern auch am Feuerschutz und an einer ausreichenden Belüftung. Aus diesem Grund könne er immer nur mit Erlaubnis zur Sondernutzung und unter hohen Auflagen bespielt werden. Dafür fallen locker 1000 Euro Extrakosten an, weiß Dieter Krumme.

„Pro Tag rufen rund 40 Leute an, die den Saal mieten wollen. Das sind Anfragen aller Art: Hochzeiten, Firmenfeiern, Chöre, Konzert- und Partymacher. Ich muss allen absagen ...“, Krumme wird unterbrochen. Ein Anwohner mit Stoffbeutel steht plötzlich im Raum. „Kommt hier mal wieder Leben rein?“, fragt er, „wunderschöner Saal, so leer, eine Schande“.

Tja, alles schwierig, der Mann geht. Kelvin Kalvus hofft dennoch. Und weil eine Show der geplanten Art und Größe Vorlauf braucht, hat er die Künstler, die mit ihm auf der Bühne stehen sollen, bereits buchen müssen. „Sie halten sich eine Woche für ihr Engagement in Dresden frei. Es wäre schlimm, wenn wir nicht auftreten könnten.“

Und wenn doch – das große Geld macht Kelvin damit nicht. „Selbst wenn die Show ausverkauft ist, habe ich noch keinen Cent verdient.“ Dafür reist Kalvus inzwischen durch ganz Europa. In Belgien trat er gerade beim Artfestival auf und lernte den Regisseur Tobby Froud kennen. Dessen Film „Die Reise ins Labyrinth“ von 1986 hat die Kontaktjonglage erst bekannt gemacht.