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Rumpeliger Start für die Gästetaxe in Meißen

Besonders für kleine Betriebe ist der bürokratische Aufwand hoch. Geschäftsleute verstehen nicht, warum sie zahlen sollen.

Von Stephan Hönigschmid
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Ein Zimmermädchen macht in einem Hotelzimmer das Bett. Die Übernachtung in Gästebetten ist durch die Taxe seit dem 1. Januar in Meißen teurer geworden.
Ein Zimmermädchen macht in einem Hotelzimmer das Bett. Die Übernachtung in Gästebetten ist durch die Taxe seit dem 1. Januar in Meißen teurer geworden. © Symbolbild/dpa

Meißen. Seit Beginn des Jahres gibt es in Meißen eine Gästetaxe. 1,50 Euro pro Nacht werden für Touristen und Geschäftsreisende nun zusätzlich fällig, wenn sie zum Beispiel in einem Hotel oder in einer Pension übernachten.

Obwohl das in der Theorie unkompliziert klingt, scheint die Umsetzung in der Praxis nicht ganz so einfach zu sein. „Die neue Gästetaxe ist wahnsinnig bürokratisch. Für unsere Leute an der Rezeption ist das eine nervige Angelegenheit“, sagt die Direktorin des Hotels „Goldener Löwe“, Astrid Metzig. 

Problematisch sei es vor allem, wenn ein Gast sein Geburtsdatum nicht verrate. „In diesen Fällen komme ich im Touristinformationssystem nicht weiter und kann keinen Gästeschein ausdrucken.“ Sie müsse sich dann ein Geburtsdatum ausdenken, damit es trotzdem funktioniert, sagt Metzig, die sich auch über die Vielzahl an Informationen ärgert, die benötigt werden.

„Bevor die Gäste anreisen, gibt es eine Voranmeldung, anschließend die reguläre Anmeldung und später dann noch die Abmeldung.“ Da ihr Hotelcomputersystem nicht mit dem Tourismussystem verknüpft ist, sei sie zudem gezwungen, alles ein zweites Mal einzugeben. „Eine Verknüpfung wäre zwar möglich, aber dafür müssten wir zusätzlich 1500 Euro bezahlen. Das möchten wir im Moment nicht“, sagt die Hoteldirektorin.

Neben den internen Abläufen, die sich erst einspielen müssen, gibt es auch noch ein zweites Problem: Manche Gäste verstehen nicht den Unterschied zwischen einer Beherbergungssteuer, wie es sie in Dresden gibt, und einer Gästetaxe. „Zu uns kommen viele Geschäftsreisende, die darauf verweisen, dass sie in Dresden nicht zahlen brauchen. In Meißen ist das aber anders, weil bei einer Gästetaxe grundsätzlich alle zur Zahlung verpflichtet sind.“ 

Da nütze es auch nichts, dass die Gäste dafür beispielsweise vergünstigten Eintritt im Wellenspiel oder im Karl-May-Museum bekämen. „Unsere Kunden sagen, dass sie das nicht brauchen“, so Metzig. Ähnliche Erfahrungen hat in den ersten Tagen auch Petra Blechinger von der Pension „Schweizerhaus“ gemacht. „Die meisten Leute sind ja nur ein oder zwei Nächte bei uns. Da spielen die Vergünstigungen keine große Rolle.“ 

Stattdessen hat auch sie Probleme mit dem Geburtsdatum ihrer Gäste. „Viele geben das ja bei der Buchung nicht an, sodass wir die Anmeldung nicht fertigmachen können.“ Für ihr Unternehmen sei die Einführung der Gästetaxe ein erheblicher Mehraufwand. 

„Anders als große Hotels haben wir niemanden, der ständig an der Rezeption sitzt. Vielmehr müssen wir abends, wenn wir gerade in der Gaststätte alle Hände voll zu tun haben, an die Rezeption gehen, um die Anmeldung vorzunehmen“, berichtet die Inhaberin.

Vollkommen anders ist die Situation im Dorint Parkhotel. Dort nehmen sowohl Personal als auch Gäste die neue Abgabe entspannt auf. „Wenn man es mit Dresden vergleicht, ist es ja ein recht niedriger Betrag. Darüber diskutiert keiner. Die Gäste freuen sich lieber über die Rabatte, die sie mit der Gästekarte erhalten“, sagt Rezeptionist Michael Männchen.

Ob die Taxe einen Mehraufwand bedeute, könne er noch nicht sagen. „Das sind für uns natürlich neue Arbeitsabläufe. Es braucht sicherlich etwas Zeit, bis sich alles eingespielt hat“, sagt er.