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Russische Granate entdeckt

Vor einer Woche wurden schon zwei amerikanische Fliegerbomben gefunden. Wie gefährlich ist die B 101?

© Anne Hübschmann

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Bauleiter Jochen Boragk ist sichtlich genervt. „Nicht schon wieder“, flucht er vor sich hin. Nach kleinkalibriger Munition und amerikanischen Fünfzentner-Fliegerbomben ist nun eine russische Sprenggranate neben dem schon neu gebauten Radweg entlang der B 101 in Großenhain gefunden worden. Und das innerhalb von nur wenigen Wochen. „Der letzte Fund war auch gerade am Dienstag“, witzeln die Bauleute schon. Auch wenn sie nicht abergläubisch sind, haben sie mittlerweile ein mulmiges Gefühl auf dieser Baustelle. Ein Mitarbeiter der Sächsischen Kampfmittel Beseitigung (SKB) hat den runden verrosteten Metallkörper als Gefechtskopf einer russische Rakete identifiziert, und zwar wahrscheinlich erst aus der Zeit nach 1945.

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Der Gefechtskopf war 20 Zentimeter lang und zwei Kilo schwer.
Der Gefechtskopf war 20 Zentimeter lang und zwei Kilo schwer. © Anne Hübschmann

Sie wurde in dem aufgegrabenen Seitenstreifen neben dem Radweg an der Bundesstraße entdeckt. Hier soll ein Entwässerungsrohr in die Erde. Die ersten beiden Fundstellen lagen noch nahe der neuen Brücke. Dort war im vorigen Herbst sogar vorsorglich nach Kampfmitteln sondiert worden. Damals ohne Ergebnis.

Seit dem Fund der beiden amerikanischen Fliegerbomben – glücklicherweise ohne Zünder – sind drei Kampfmittelbeseitiger vom SKB nun täglich vor Ort. Sie begleiten jeden Baggeraushub und jede sonstige Erdbewegung. „Die russische Sprenggranate hat zwar noch ihren Aufschlagzünder“, sagt SKB-Fachmann Michael Hickmann. Doch nach Rücksprache kann er die Altmunition selbst in ein sicheres Zwischenlager schaffen. Die gefahrlose Bergung im Bereich der Baustelle bringt die Baufirma Matthäi dennoch in Verzug. Seit Mittag sind die Arbeiten wegen des Granatwerfers wieder eingestellt. „Unser Zeitplan wird immer enger“, sagt Bauleiter Boragk und runzelt die Stirn.

Zwar arbeiten die Bauleute, solange es taghell ist, um die Bundesstraße bis zum Tag der Sachsen fertigzubekommen. Doch sie sind vorsichtig und wachsam geworden. „Wenn wir das gewusst hätten“, seufzt Jochen Boragk und denkt an den zweiten Abschnitt der Großenhainer B -98-Ortsumfahrung zurück. Dort wurde vor Baubeginn eine umfangreiche Kampfmittelsuche vorgenommen. Hinweise auf frühere Kampfhandlungen haben das erforderlich gemacht. Gab es solche Vermutungen bei der B 101 am Flugplatz nicht?

„Die Gefahrenvorsorge ist freiwillig“, schränkt Sprengmeister Thomas Lange vom Kampfmittelbeseitigungsdienst ein. Bei Baugenehmigungen werde ein Kampfmittelkataster, die sogenannte Belastungskarte, zurate gezogen. Doch sie kann nur eine Orientierungshilfe sein. „Die Baugenehmigungsbehörde hat es in diesem Fall offensichtlich nicht für nötig erachtet, vorher eine Kampfmittelsuche vorzunehmen“, mutmaßt Jürgen Scherf, Sprecher der zentralen Dienste der Polizeidirektion.

Klaus-Peter Lechler vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr verweist aber darauf, dass es im Planfeststellungsverfahren eine Anfrage bei den Kampfmittelräumern gegeben hat. „Es lag in unserem Ermessen zu entscheiden, wie wir verfahren“, so Lechler. Nun sei man eben schlauer.

Sollten weitere Weltkriegswaffen an der Baustelle gefunden werden, hat die Kampfmittelbeseitigung das Geschehen in der Hand. Um eventuell auch die örtliche Polizei zu verständigen. Dass hier Bomben ohne gefährlichen Zünder gefunden werden, wundert Sprengmeister Lange übrigens nicht. „Diese Zünder wurden schon kurz nach Kriegsende von Pionieren der Luftwaffe entschärft“, weiß Thomas Lange.