merken
Deutschland & Welt

Kreml stellt Nawalny Ultimatum

Im Sommer wurde der Kremlkritiker Opfer eines Giftanschlags. Nun wird in Russland wegen angeblichen Betrugs gegen ihn ermittelt.

Russland wirft dem Kremlkritiker Alexej Nawalny einen „groß angelegten Betrug“ vor. Er soll Spenden für persönliche Zwecke genutzt haben.
Russland wirft dem Kremlkritiker Alexej Nawalny einen „groß angelegten Betrug“ vor. Er soll Spenden für persönliche Zwecke genutzt haben. © Pavel Golovkin/AP/dpa (Archiv)

In Russland wächst der Druck auf Kremlkritiker Alexej Nawalny, schnell in seine Heimat zurückzukehren. "Jeder Bürger der Russischen Föderation kann in sein Land zurückkehren", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag in der Hauptstadt Moskau der Agentur Interfax zufolge. Dabei dürfte es keine Einschränkungen geben. Zuvor hatte die russische Strafvollzugsbehörde dem Oppositionellen ein Ultimatum gestellt, Auflagen einer früheren Bewährungsstrafe zu erfüllen und sich bei den russischen Behörden zu melden. Ansonsten drohe eine Inhaftierung.

Nach Angaben von Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch hätte der Oppositionelle am Dienstagmorgen persönlich in Moskau erscheinen sollen. "Und noch einmal: Die ganze Welt weiß, dass sich Nawalny in Deutschland rehabilitiert", schrieb Jarmysch im Kurznachrichtendienst Twitter. Es sei deshalb nicht möglich, zurück nach Moskau zu fliegen. In dem Fall geht es um eine Verurteilung aus dem Jahr 2014.

Anzeige
Unschlagbare Schnäppchen bei NORMA
Unschlagbare Schnäppchen bei NORMA

Ab dem 25. Januar gibt es bei NORMA wieder zahlreiche Rabattaktionen. Hier finden Sie die besten Angebote und Aktionsprodukte aus dem aktuellen Prospekt.

Die Behörde verwies zur Begründung auf einen im Fachblatt "The Lancet" erschienenen Artikel von Nawalnys Ärzten der Berliner Universitätsklinik Charité. Demnach sei der 44-Jährige am 20. September aus der Klinik entlassen und später für vollständig genesen erklärt worden, teilten die Behörden weiter mit. Der Kreml hatte in der vergangenen Woche mit Blick auf diesen Artikel noch erklärt, keine medizinischen Fachzeitschriften zu lesen.

Justiz eröffnet Betrugsverfahren gegen Nawalny

Nawalny spottete bei Twitter, der Hinweis auf den Artikel in "The Lancet" komme einer Anerkennung durch die Regierung gleich, dass er vergiftet worden sei. Moskau forderte von Deutschland Beweise für eine Vergiftung. Erst dann sollen Ermittlungen eingeleitet werden.

Am Abend teilte das russische Ermittlungskomitee mit, es werde gegen Nawalny wegen Betrugs ermittelt. Er solle mit anderen Personen Spenden in Höhe von umgerechnet 3,9 Millionen Euro an seinen Fonds zur Bekämpfung von Korruption für "persönliche Zwecke" verwendet haben - etwa für den Kauf von Eigentum und die Finanzierung von Urlaub. Nawalny schrieb dazu: "Putin scheint hysterisch zu sein." Sein Fonds könne nur mithilfe von Spenden arbeiten, sagte er.

Weiterführende Artikel

Zehntausende fordern Nawalnys Freiheit

Zehntausende fordern Nawalnys Freiheit

Bei historischen Protesten erlebt Russland einen Aufstand gegen das Putin-System. Dabei geht es nicht nur um die Inhaftierung des Oppositionellen.

Nawalny in berüchtigtem Gefängnis

Nawalny in berüchtigtem Gefängnis

Nach seiner Landung in Moskau ist der Kremlgegner prompt in Haft gekommen. Das Entsetzen ist international groß. Russland zeigt sich unbeeindruckt.

Nawalny will zurück nach Moskau

Nawalny will zurück nach Moskau

Nawalny wird in seine Heimat zurückkehren - obwohl er dort mit einer Verhaftung rechnen muss.

Ermittlungen gegen Nawalny-Mitarbeiterin

Ermittlungen gegen Nawalny-Mitarbeiterin

Nach dem entlarvenden Telefonat des Kremlkritikers gehen die russischen Behörden nun gegen eine Anwältin vor.

Der Kremlkritiker macht für den Giftanschlag mit einem chemischen Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe ein unter dem Befehl von Kremlchef Wladimir Putin agierendes "Killerkommando" des Inlandsgeheimdienstes FSB verantwortlich. Russland bestreitet eine Verwicklung in den Fall. Nawalny hatte vor einer Woche den Mitschnitt eines Telefonats mit einem mutmaßlichen Agenten veröffentlicht. Darin erzählt der Mann, dass das Gift in der Unterhose Nawalnys angebracht worden sei. (dpa)

Mehr zum Thema Deutschland & Welt