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Politik

Treffen von Biden und Putin am Genfersee

Das Verhältnis zwischen den USA und Russland ist zerrüttet. Bei ihrem ersten Gipfel wollen die Präsidenten Biden und Putin den Konflikt entschärfen.

Russland, Moskau: Joe Biden (l), damaliger Vizepräsident der USA, spricht mit Wladimir Putin, Präsident von Russland.
Russland, Moskau: Joe Biden (l), damaliger Vizepräsident der USA, spricht mit Wladimir Putin, Präsident von Russland. © Archivbild/Maxim Shipenkov/EPA/dpa

Genf. Die beiden Männer eint ihre gigantische Machtfülle, sie verbindet auch, dass sie Atomschläge anordnen können - und beide mögen Eiscreme. Das Auftreten der Präsidenten, die am Mittwoch in der Villa La Grange am Genfer See zusammenkommen, könnten aber unterschiedlicher kaum sein. Hier der Amerikaner Joe Biden (78), der mit seinem Habitus gelegentlich an den sprichwörtlichen netten Großvater erinnert. Dort sein zehn Jahre jüngerer russischer Gegenspieler Wladimir Putin, der sich als knallharter Macho inszeniert, gerne auch mit freiem Oberkörper. Bei ihrem Gipfel wollen beide versuchen, eine Eskalation der Konfrontation zwischen den beiden größten Atommächten abzuwenden.

Schweiz, Genf: Menschen überqueren eine mit US-amerikanischen und russischen Nationalflaggen geschmückte Brücke.
Schweiz, Genf: Menschen überqueren eine mit US-amerikanischen und russischen Nationalflaggen geschmückte Brücke. © Markus Schreiber/AP/dpa

Putins fünfter US-Präsident

Biden ist vor nicht einmal 150 Tagen vereidigt worden, Putin ist seit mehr als 21 Jahren an der Macht. Der Neue im Weißen Haus ist der nunmehr fünfte US-Präsident, mit dem Putin zusammenkommt - der erste war im November 1999 Bill Clinton. Dessen Nachfolger George W. Bush entwickelte ein überraschend warmes Verhältnis zu Putin. "Er ist ein Mann, der sich sehr für sein Land und die besten Interessen seines Landes einsetzt", sagte Bush nach einem Gipfeltreffen im Jahr 2001. "Ich habe dem Mann in die Augen gesehen. Ich fand ihn sehr geradlinig und vertrauenswürdig, und wir hatten ein sehr gutes Gespräch. Ich konnte einen Eindruck von seiner Seele bekommen."

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"Regionalmacht" Russland?

Sehr viel kühler wurde das Verhältnis nach dem Antritt von Bushs Nachfolger Barack Obama. Dass der Präsident der letzten verbliebenen Supermacht das stolze Russland im Jahr 2014 als "Regionalmacht" abkanzelte, hat Putin nie vergessen. Nach Obama kamen dann die wilden Jahre unter Donald Trump. "Ich mag Putin, er mag mich", sagte Trump im vergangenen Jahr. Der Kremlchef würdigte Trump als schillernde Persönlichkeit.

Denkwürdig ist bis heute die gemeinsame Pressekonferenz in Helsinki vor knapp drei Jahren, bei der Trump Erkenntnisse seiner eigenen Geheimdienste zu russischer Einmischung in US-Wahlen in Frage stellte. Für Putin hätte der Auftritt nicht besser laufen können. Wohl auch deshalb verzichtet die US-Seite dieses Mal lieber auf eine gemeinsame Pressebegegnung. Russlands Staatsmedien feiern das schon als ersten Punktsieg für Putin.

Bidens frühes Misstrauen gegenüber Putin

Um die Einmischung in US-Wahlen und viele andere Streitthemen soll es nun auch bei Bidens Gipfel mit Putin gehen. Biden ist seit seinem Einzug in den US-Senat 1973 Berufspolitiker, damals hatte Putin noch nicht einmal seine Laufbahn als KGB-Offizier begonnen. Schon in den frühen Jahren von Putins Präsidentschaft zeigte sich Biden skeptisch. Als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Senat sagte er nach Bushs warmen Worten über den Russen: "Ich traue Putin nicht."

In einem Interview vor drei Monaten sprach Biden Putin dann ab, überhaupt eine Seele zu haben - und er stimmte der Aussage zu, der Kremlchef sei ein "Killer". Die US-Nachrichtenseite "Politico" schrieb kürzlich: "Biden mochte Putin schon nicht, bevor das cool war."

Die Präsidenten und das Private

Dass sich Gegensätze anziehen, scheint in diesem Fall also nicht zu gelten. Deutlich tritt der Kontrast auch beim Thema Familie zutage. Putin ist seit der Trennung von seiner Frau Ludmila 2013 offiziell Single. Über Familie und andere private Belange spricht der Ex-Geheimdienstchef kaum, er lässt allenfalls mitteilen, dass sich niemand Sorgen machen solle um sein Wohl. Biden hingegen erzählt immer wieder offen von seiner auch von schweren Schicksalsschlägen geprägten Familiengeschichte. Bei Auftritten mit First Lady Jill Biden gibt er den Charmeur.

Der Sender CNN berichtete, Biden habe außerdem eine strikte Telefonregel: Wenn die Enkel anrufen, geht er immer ran. Über Biden ist sogar bekannt, welches seine liebste Eiscreme-Sorte ist (Chocolate Chip). Auch Putin gilt als Eisliebhaber - das russische Speiseeis ist so beliebt, dass sich Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping regelmäßig von dem Russen beschenken lässt.

Der "schläfrige Joe" und "Putins Welpe"

Russlands Staatsmedien zeigen Biden am liebsten mit Versprechern oder beim Stolpern, und sie übernehmen Trumps Charakterisierung seines demokratischen Widersachers als "schläfrigen Joe". Der Kremlpropagandist Dmitri Kisseljow meint, Biden versuche, auf unbeholfene Weise energisch aufzutreten, errege aber eher Mitleid. Da wolle ihm jeder einfach nur Gesundheit wünschen. "Der russische Präsident verhält sich dagegen maximal ehrlich, redet klar und deutlich. Ein Kontrast!"

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Kisseljow könnte Biden da allerdings unterschätzen - wie es Trump im Wahlkampf tat. Der Republikaner hat seine Niederlage gegen Biden bis heute nicht verkraftet. Kurz vor dem Gipfel in Genf meldete sich Trump per E-Mail an Unterstützer zu Wort, er spottete: "Viel Glück für Biden im Umgang mit Präsident Putin - schlafen Sie während des Treffens nicht ein, und bitte richten Sie ihm meine herzlichsten Grüße aus!" Kaum zu erwarten, dass Biden dem Folge leistet. Er hatte schon vor der Wahl einen härteren Kurs gegenüber Putin angekündigt - und Trump als "Putins Welpen" bezeichnet. (dpa)

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