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S-Bahn quält sich durch Baustellen

Die Züge sollen schneller werden. Dafür dauert es für die Fahrgäste aber erst mal länger.

Von Gunnar Klehm

Das hört sich doch an wie eine S-Bahn. Kurzer Sprint die Treppen zum Bahnsteig hoch. Tatsächlich, da fahren die roten Rücklichter davon. „Dabei war ich gar nicht zu spät dran“, ärgert sich ein Fahrgast, denn es fahren ja nur alle halbe Stunde Züge zwischen Meißen und Bad Schandau. Kurz darauf bekommt der Mann die Aufklärung von einem anderen Wartenden: Das war gar nicht „seine“ Bahn, sondern die davor, sie hatte nur fast eine halbe Stunde Verspätung. Der nächste Zug kommt natürlich trotzdem nicht sofort. Der Fahrplan ist komplett aus dem Takt.

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Solche Szenen ereignen sich auf der S-Bahn-Linie 1 derzeit öfter. Offenbar sind Bauarbeiten der Grund für die Probleme der Lokführer, den Fahrplan einzuhalten. An einer Baustelle in Obervogelgesang ist die Strecke gegenwärtig nur einspurig befahrbar. Das eine Gleis muss sich die S-Bahn dann auch noch mit dem Fernverkehr und den Güterzügen teilen. Das kann man theoretisch noch sekundengenau planen. Praktisch wird aber immer mal was dazwischenkommen. Und wenn es nur eine größere Kindergartengruppe ist, die mal etwas länger braucht zum Ein- oder Aussteigen. Prekär wird die Situation auch deshalb, weil es auch noch zwei dieser Nadelöhre auf der Linie 1 gibt. Auch bei Radebeul gibt es derzeit wegen Bauarbeiten einen eingleisigen Abschnitt. Da kann sich der Lokführer bemühen, wie er will, da ist auch auf der Strecke keine Verspätung mehr aufzuholen.

Wie die Deutsche Bahn mitteilt, muss gegenwärtig in Obervogelgesang eine Stützmauer instand gesetzt werden. Das ist ein Schaden, der noch vom Elbe-Hochwasser im Juni herrührt und noch vor dem Winter behoben werden soll. Deshalb ist die Strecke in dem Bereich bis Anfang Dezember nur eingleisig befahrbar. Des Weiteren finden im Eisenbahnknoten Dresden umfangreiche Bauarbeiten statt, die sich auf die Pünktlichkeit der Züge auswirken, teilt die Deutsche Bahn Mobility Logistics AG mit. „Wir bitten alle Reisenden, die von den baubedingten Verspätungen betroffen sind, um Entschuldigung und Verständnis. Jedoch dienen die Bauarbeiten einzig und allein dem Zweck, für die Reisenden in Zukunft eine moderne Infrastruktur zu schaffen“, erklärt Bahnsprecherin Änne Kliem.

Für die Einschränkungen haben viele Fahrgäste ja auch Verständnis. „Dieses wäre aber noch größer, wenn es bei Verspätungen auf den Bahnsteigen für die Wartenden bessere Informationen geben würde“, schimpft ein Fahrgast. Dafür müsste die Technik eigentlich vorhanden sein. Auch wenn an den Gleisen gebaut wird.