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Deutschland & Welt

So lief der Anschlag von Halle ab

Zwei Menschen wurden erschossen. Der 27-jährige Täter handelte allein. Doch Tausende sahen sich die Tat im Internet an.

Eine zufällig anwesende Passantin wurde vor der Synagoge in Halle erschossen. Polizisten sichern den Tatort.
Eine zufällig anwesende Passantin wurde vor der Synagoge in Halle erschossen. Polizisten sichern den Tatort. © Swen Pförtner/dpa

Halle/Saale. Was bekannt ist:

  • Bei Schüssen vor einer Synagoge in Halle/Saale sind zwei Menschen getötet worden. 
  • Eine Person wurde festgenommen. Es soll sich um den 27-jährigen Deutschen Stephan B. aus Sachsen-Anhalt handeln. Die Behörden vermuten einen rechtsextremen Hintergrund.
  • B. handelte allein - streamte seine Tat aber live ins Internet.
  • Gegen 19.20 Uhr wurde in Halle Entwarnung gegeben: Die Menschen können wieder auf die Straßen. Der Polizeinsatz dauert jedoch an. 
  • Auch in Dresden war die Polizei im Einsatz. So war der Tag an der Dresdner Synagoge.

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Zwei Menschen werden erschossen. Eine Leiche liegt nahe der Synagoge. Die Täter flüchten - und Halle/Saale steht unter Schock. Ein aktueller Report.

20:55 Halle findet langsam zurück zur Normalität. Der Polizeieinsatz wird jedoch noch die ganze Nacht andauern. Der 27-jährige Stephan B. ist gefasst. In Dresden halten Menschen eine spontane Mahnwache vor der Synagoge ab. Auch unsere Gedanken sind jetzt bei den Getöteten und ihren Familien. Damit beenden wir unsere Live-Berichterstattung für heute Abend und wünschen Ihnen eine ruhige und erholsame Nacht.

20:10 Auch die Bundespolizei wird demnächst ihren Einsatz beenden. Dann werden die Grenzkontrollen, sowie die Präsenz an Flughäfen und Bahnhöfen wieder auf ein normales Maß zurückgefahren.

19:56 Schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhebt Josef Schuster, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland. "Dass die Synagoge in Halle an einem Feiertag wie Jom Kippur nicht durch die Polizei geschützt war, ist skandalös", sagt er. Diese Fahrlässigkeit habe sich bitter gerächt. 

19:43 In Dresden Trotzdem wird die Polizei auch über Nacht die Synagoge und die jüdische Gemeinde in Strehlen bewachen. Das teilte Polizeisprecher Thomas Geithner auf SZ-Anfrage mit. Vom jüdischen Friedhof werden die Beamten abgezogen. Wie angespannt die Lage in Dresden war, lesen Sie hier.

19:07 Der mutmaßliche Täter Stephan B. hat seine Tat live auf der Streaming-Plattform Twitch ins Internet gestellt. Dazu benutzte er eine Helmkamera. Das Video ist inzwischen gelöscht, liegt den Behörden und verschiedenen Medien allerdings vor.

18:41 Die Behörden gehen inzwischen von einem Einzeltäter aus. Das erfuhr die Deutsche Presseagentur aus Sicherheitskreisen. Der Spiegel berichtet außerdem, dass es sich um den 27-Jährigen Deutschen Stephan B. aus Sachsen-Anhalt handeln soll. Dieser Bericht ist jedoch noch nicht offiziell bestätigt. 

18:30 Die erhöhte Alarmbereitschaft der Polizei sorgt auch für verstärkte Kontrollen an den Grenzen. Wie auf diesem Video am Übergang Hrensko/Schmilka werden Reisende von Deutschland nach Tschechien genau kontrolliert.

18:22 Entwarnung in Halle: Die Gefährdung ist nicht mehr akut, teilt die Polizei mit. Auch der Betrieb am Hauptbahnhof wird wieder in Betrieb genommen. Bis sich jedoch alle Verkehrsstaus auf den Straßen und Schienen aufgelöst haben, wird es noch eine Weile dauern. Die Entwarnung gilt für den gesamten Saalekreis.

18:05 Augenzeugen berichten, dass einer der Täter gewaltsam in die Synagoge gelangen wollten. Max Privorotzki, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Halle, schildert die Szene gegenüber der Stuttgarter Zeitung so: 

Nachdem der Sicherheitsdienst eine vermummte Gestalt auf der Kamera bemerkt hatte, verbarrikadierte er die Türen. Der Verdächtige versuchte daraufhin die Tür aufzuschießen und mit Sprengsätzen zu öffnen. Doch sie hielt stand, der Täter ließ ab. In der Synagoge befanden sich zu diesem Zeitpunkt anlässlich des jüdischen Versöhnungsfestes knapp 80 Menschen.

Die Synagoge in Halle.
Die Synagoge in Halle. © Jüdische Gemeinde Halle

17:51 Die Informationen auf einen der Täter verdichten sich: Sicherheitskreise sprechen von einem Deutschen, der derzeit in einem Krankenhaus behandelt wird und aus einem "eher rechtsextremen Hintergrund" heraus gehandelt hat.

17.33 Die FAZ meldet einen weiteren Zugriff in der Nähe von Weißenfels, südlich von Halle. Bestätigt sind diese Informationen bislang nicht.

17:15  Die Jüdische Gemeinde zu Dresden zeigt sich empört und entsetzt über den tödlichen Anschlag in Halle/Saale. Die Vorsitzende Nora Goldenbogen sagt: „Es ist kein Zufall, dass dieser Anschlag an Jom Kippur verübt wurde. Hier geht eine Saat von Antisemitismus und Rechtsextremismus auf, die zuvor in der Gesellschaft salonfähig gemacht wurde.“ Das Attentat habe aber nicht nur Juden, sondern auch dem friedlichen Zusammenleben gegolten. Die gesamte Gesellschaft müsse sich dagegen zur Wehr setzen, so Goldenbogen.

Die Gemeinde-Vorsitzende lobte zudem die schnelle Reaktion der sächsischen Polizei. Nur wenige Minuten nach dem Anschlag seien die Sicherheitskräfte an der Dresdner Synagoge gewesen und sorgen derzeit dafür, dass der Nachmittags- und der Abschlussgottesdienst von Jom Kippur stattfinden können. Jom Kippur ist einer der höchsten jüdischen Feiertage.

17:01 Laut Medienberichten wurde einer der Täter angeschossen und in ein Krankenhaus gebracht, wo er derzeit operiert wird. Es soll sich um einen Deutschen handeln.

Dresdens Polizeisprecher Thomas Geithner vor der Synagoge. Nach den Vorfällen in Halle wird das jüdische Gotteshaus besonders geschützt.
Dresdens Polizeisprecher Thomas Geithner vor der Synagoge. Nach den Vorfällen in Halle wird das jüdische Gotteshaus besonders geschützt. © Tino Plunert

16:46 "Es gibt keine Hinweise auf eine Gefährdung in Dresden", sagt Dresdens Polizeisprecher Thomas Geithner, "Alle Maßnahmen in der Stadt dienen nur der Vorsorge". Es sei noch immer nicht klar, wie viele Täter noch auf der Flucht sind.

16:35 Aus Sicherheitskreisen heißt es, dass Berichte, nach denen es eine weitere Festnahme gegeben haben soll, reine Spekulation sind. Die in Gollma kontrollierten Männer sind wieder auf freiem Fuß.

In Gollma bei Landsberg wurde ein Bus umstellt. Die Berichte zu einer Festnahme können nicht bestätigt werden.
In Gollma bei Landsberg wurde ein Bus umstellt. Die Berichte zu einer Festnahme können nicht bestätigt werden. © dpa-Zentralbild

16:28 Die Sächsische Polizei befindet sich in erhöhter Alarmbereitschaft. Dazu gehört auch die "Fahndung Verkehrswege". Flughäfen, Bahnhöfe und Autobahnen in Grenznähe werden verstärkt kontrolliert. Zudem sind Spezialeinheiten sind im Einsatz. Alle verfügbaren Kräfte seien aktiviert, heißt es aus Sicherheitskreisen.

16:13 Zwei Verletzte werden derzeit in Hallenser Krankenhäusern behandelt. Einer befindet sich im OP, seine Schusswunden werden operiert.

16:04 In Gollma nordöstlich von Halle wurde ein Kleinbus umstellt. Ob sich einer der Täter darin befindet ist unklar, die Einsatzkräfte warten noch auf Verstärkung. (Update 16:38 Uhr: Es handelte sich nicht um die Täter)

15:54 Die Polizei im gesamten Freistaat sei in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden, heißt es aus dem sächsischen Innenministerium. In Leipzig wurde ein Einsatzstab eingerichtet, der den Einsatz leitet. Die Polizei Sachsen unterstützt zudem die sachsen-anhaltinischen Kollegen mit Einsatzkräften und Technik.

15:42 Gerüchte, dass sich der zweite Täter im Leipziger Stadtgebiet befinden soll, dementiert die Polizei: Es gebe keine derartigen Hinweise.

15:32 Auch Österreichs designierter Bundeskanzler Sebastian Kurz hat sich zu den Vorkommnissen in Halle geäußert. Er betonte, dass man besondere Anstrengungen unternehmen müsse, die jüdischen Teile der Bevölkerung zu schützen.

15:19 Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen übernommen. Das bestätigte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Der Generalbundesanwalt verfolgt Taten terroristischer Vereinigungen. Ermittlungen gegen Einzeltäter kann er aber dann übernehmen, wenn dem Fall "besondere Bedeutung" zukommt, etwa wegen des Ausmaßes der Rechtsverletzung und der Auswirkungen der Tat. Die Stadt Halle hat zudem den Ausnahmezustand ausgerufen und spricht von einer "Amoklage".

15:12 Der Ministerpräsident Sachsen-Anhalts Rainer Haseloff sagte: "Ich bin entsetzt über diese verabscheuenswürdige Tat". Es seien nicht nur Menschen zu Tode gekommen, die Tat sei "auch ein feiger Anschlag auf das friedliche Zusammenleben in unserem Land". Haseloff befindet sich derzeit auf einer Regionalkonferenz in Brüssel, er will am Abend in Sachsen-Anhalt eintreffen.

Polizisten überwinden eine Mauer an der Hallenser Synagoge.
Polizisten überwinden eine Mauer an der Hallenser Synagoge. © dpa-Zentralbild

14:57 Laut Polizei soll das für heute geplante Lichtfest am Leipziger Augustusplatz, an dem auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teilnehmen soll, trotzdem stattfinden. "Wir prüfen eine Kräfteaufstockung und sichern verstärkt Einrichtungen des jüdischen Lebens", sagte ein Polizeisprecher. Es gebe wegen der Großveranstaltung ohnehin umfassende Sicherheitsvorkehrungen, ab 16 Uhr wird die Innenstadt für den Autoverkehr gesperrt.

14:46 Ein Augenzeuge berichtet, dass es sich bei einem der Opfer um eine junge Frau aus der Nachbarschaft handele. Sie sei zufällig an der Synagoge vorbeigelaufen und mit einer Maschinenpistole erschossen worden.

14:41 Zu den Motiven der Täter gibt es derzeit noch keine Erkenntnisse. Die Polizei bittet in den sozialen Netzwerken darum, auf Spekulationen zu verzichten. 

14:33 Die Täter hatten offenbar versucht in die Synagoge einzudringen, in der sich derzeit noch 70 bis 80 Menschen aufhalten. Das bestätigt Max Privorotzki, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Halle, gegenüber dem Nachrichtenmagazin Spiegel. Offenbar waren sie an den Sicherheitsvorkehrungen in der Synagoge gescheitert.

14:27 Eine Oberschule in Leipzig hatte kurz nach der Schießerei Amok-Alarm gemeldet. Doch die Polizei gibt Entwarnung: Es habe sich nur um eine Vorsichtsmaßnahme der Schule gehandelt.

14:12 Heute feiern Menschen jüdischen Glaubens Jom Kippur, übersetzt Versöhnungstag, und damit den höchsten jüdische Feiertag. Es ist ein strenger Fasten- und Ruhetag. An diesem Tag halten sich viele Juden die meiste Zeit des Tages über in der Synagoge auf.

14:06 Aufgrund der Ereignisse in Halle werden die Schutzmaßnahmen für die Dresdner Synagoge und den jüdischen Friedhof verschärft. Das bestätigte ein Polizeisprecher.

Bewaffnete Polizisten vor der Dresdner Synagoge
Bewaffnete Polizisten vor der Dresdner Synagoge © Tino Plunert

13:59 Auch im rund 15 Kilometer entfernten Landsberg (Saalekreis) sind Schüsse gefallen. Das bestätigte eine Sprecherin der Polizei Halle der dpa. Zu den näheren Umständen ist bislang nichts bekannt.

Die Polizei riegelt den Landsberger Ortsteil Wiedersdorf ab. 
Die Polizei riegelt den Landsberger Ortsteil Wiedersdorf ab.  © dpa

13:46 Laut Polizei wurde eine verdächtige Person festgenommen. Die Polizei empfiehlt dennoch, weiter in Gebäuden zu bleiben. Die Lage sei weiterhin unübersichtlich.

13:41 Die Polizei rät Bürgern mit allgemeinen Nachfragen, die 115 zu wählen - und den Notruf für Notfälle freizuhalten.

13:37 Die Bahn hat den Verkehr am Hallenser Bahnhof eingestellt.

13:33 Unbestätigten Medienberichten zufolge soll eine Granate auf einen jüdischen Friedhof nahe der Synagoge geworfen worden sein.

13:22 Augenzeugen berichteten von einem Täter, der einen Kampfanzug getragen haben soll. Demnach soll es auch eine Explosion auf einem Friedhof gegeben haben. 

Die Schießerei fand vor einer Synagoge statt, im Nordosten der Stadt.
Die Schießerei fand vor einer Synagoge statt, im Nordosten der Stadt. © dpa

Ursprungsmeldung:

In Halle/Saale sind nach Angaben der Polizei zwei Menschen erschossen worden. Der Vorfall soll sich vor einer Synagoge ereignet haben. Die Polizei forderte die Menschen in Halle dazu auf, in ihren Wohnungen oder an ihrem Arbeitsplatz zu bleiben beziehungsweise sichere Orte aufzusuchen. (mit dpa)

Mitarbeit: Tobias Wolf