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Sachsen baut Netz für Radverkehr aus

Sachsen will beim Radverkehr Tempo aufnehmen. Die Grünen sprechen von Wahlkampfgeklingel. Dass Verkehrsminister Sven Morlok im Wahlkampf auf dem Fahrrad anrollt, ist allerdings unwahrscheinlich.

© Arno Burgi/dpa

Dresden. Sachsen will sich als Land für Radfahrer profilieren. Verkehrsminister Sven Morlok (FDP) kündigte am Dienstag in Dresden in seiner Radverkehrskonzeption einen Ausbau des Streckennetzes an.

Demnach soll das sogenannte „SachsenNetz Rad“ bis 2025 eine Gesamtlänge von 5.117 Kilometern aufweisen, gut 1.000 Kilometer mehr als momentan. 835 Kilometer davon sollen entlang von Bundes- und Staatsstraßen entstehen.

Das SachsenNetz fungiert dabei als Dachmarke für Radfernwege, regionale Hauptrouten und andere Strecken und soll eine einheitliche Beschilderung erhalten. Morlok will es zur einer „Premiummarke“ ausbauen. Es gehe auch darum, das Marketing zu verbessern und Serviceangebote auszubauen.

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Morlok lehnt Helmpflicht ab

Außerdem schwebt dem Minister eine bessere Vernetzung mit dem öffentlichen Personennahverkehr vor. „Lücken schließen, Bestand pflegen“, lautet seine Devise.

Ausgewählte Projekte für den Radverkehr in Sachsen

In Sachsen sind nach Angaben des Verkehrsministeriums zwischen 2009 und 2013 insgesamt 43,6 Millionen Euro in Radwege investiert worden.

2013 lag die Summe bei 9,5 Millionen Euro, in diesem Jahr sollen es 10,5 Millionen Euro sein.

Zu den Vorhaben in diesem Jahr gehört der Ausbau des Radweges an der Bundesstraße 97 in und südlich von Bernsdorf (4,4 Kilometer).

Gleiches ist nördlich von Großenhain an der B 101 (2,5 Kilometer) und im Nossener Ortsteil Eula (2,9 Kilometer) geplant.

Auch der Radweg von Königstein nach Bad Schandau entlang der B 172 (3,4 Kilometer) steht auf dem Plan.

Bei den Staatsstraßen ist unter anderem ein Ausbau nördlich von Hartha (S 36, 6,0 Kilometer), östlich von Dorfchemnitz (S 233, 0,8 Kilometer) und nördlich von Scheibenberg (S 258, 2,9 Kilometer) geplant.

An der S 299 soll ein Radweg westlich von Rodewisch verlegt werden.

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Pro Jahr stehen etwa zehn Millionen Euro für den Neubau von Radwegen bereit. Nicht immer werde die Summe aber komplett abgerufen. Morlok berichtete von Fällen, wo Radwege auf Einspruch von Umweltverbänden stoßen. Als Beispiel nannte er den Radweg durchs Striegistal.

In Dresden komme der Ausbau des Elberadweges wegen des Wachtelkönigs - einer Vogelart - nicht voran. Warum umweltfreundlicher Verkehr gerade aus Umweltgründen auf Widerstand stoße, sei schwer zu vermitteln.

Projekte könnten aber auch am Baurecht oder fehlenden Eigenmitteln der Kommune scheitern. Morlok zufolge gilt es unterschiedliche Interessen zu berücksichtigen. Auf asphaltierten Radwegen ließe sich zwar gut fahren, solche Pisten seien aber eine Flächenversiegelung.

Minister bevorzugt ÖPNV

Eine Helmpflicht hielt Morlok am Dienstag nicht für sinnvoll. So etwas müsse man nicht zwingend gesetzlich regeln, sagte er. Vielmehr sollten Eltern Vorbild sein und so ihre Kinder beeinflussen.

Bei den Grünen im Landtag stieß der Minister mit seiner Konzeption auf Kritik: „mutlos, ideenlos, ambitionslos“ überschrieb Verkehrsexpertin Eva Jähnigen ihre Stellungnahme. Das Konzept sei vor der Kommunalwahl am 25. Mai offenbar mit heißer Nadel gestrickt worden: „Problemlagen werden kaum benannt, Lösungsvorschläge sind Mangelware.“ Mit seinen Absichtserklärungen lasse Morlok Radler und auch Kommunen im Regen stehen.

Morlok selbst outete sich bei der Präsentation seiner Konzeption als Jogger - einen eigenen Drahtesel hat der Minister nicht. In seinem Wohnort Leipzig fährt er nach eigenem Bekunden lieber mit öffentlichen Verkehrsmitteln. (dpa)