Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Merken

„Sachsen braucht mehr große Konzerne“

Zwar bauen VW, Porsche oder BMW in Sachsen Autos, die Konzernzentralen befinden sich allerdings allesamt im Westen.

Teilen
Folgen
NEU!

Dresden. Sachsen wünscht sich in seiner mittelständisch geprägten Wirtschaft mehr Konzerne, die ihren Hauptsitz auch im Freistaat haben. Zugleich will das Land an Staatsunternehmen wie der Porzellanmanufaktur Meissen oder dem Weingut Schloss Wackerbarth festhalten. Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) über Pro und Contra einer kleinteiligen Wirtschaft.

Herr Tillich, Experten sorgen sich um sinkende Investitionsquoten in der Wirtschaft. Teilen Sie die Sorge?

Es hat noch nie eine so niedrige Investitionsquote in der Wirtschaft gegeben wie gegenwärtig. Langfristige Anlageinvestitionen finden vor allem im Ausland statt. Da könnte man sich einen Reim darauf machen, ob das auch eine Folge der Energiewende mit steigenden Energiepreisen ist. Es gibt Warnungen vor einer schleichenden Deindustrialisierung Deutschlands. Noch gibt es auch für Sachsen Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Es gibt aber auch keine Garantie dafür, dass es so bleibt.

Sachsen ist vor allem vom Mittelstand geprägt. Ist das in Krisenzeiten eher

ein Vorteil?

Eine solche Struktur hat Vorteile. Dennoch sind Unternehmen erstrebenswert, die auf dem Weltmarkt die erste Geige spielen. Die Präsenz von VW, Porsche oder BMW ist gut, doch ihre Stammsitze sind außerhalb Sachsens. Wir brauchen sächsische Flaggschiffe. Den großen Durchbruch sehe ich da noch nicht. Es gibt aber schon Firmen wie Komsa und Preiss-Daimler, die zu den großen im Mittelstand gehören. Richtig spielt die Musik aber erst bei einigen Tausend Mitarbeitern und einem Umsatz von drei oder vier Milliarden Euro an.

Sachsen leistet sich nach wie vor

den Luxus von Staatsunternehmen

wie der Porzellanmanufaktur Meissen. Soll das immer so bleiben?

Die Porzellanmanufaktur Meißen ist ein Stück sächsischer Kulturgeschichte und eine Marke. Das war eine bewusste Entscheidung, die meine Vorgänger getroffen haben. Und ich halte es nach wie vor für richtig, darauf zu achten, dass die Kulturgeschichte unserer Region auch auf diese Weise erhalten bleibt. Das entbindet die Unternehmen aber nicht, wirtschaftlich erfolgreich zu sein und ist Voraussetzung für deren Existenz.

Gespräch: Jörg Schurig (dpa)