merken

Sachsen errichtet Ankerzentrum für Asylbewerber

Als eines der ersten Bundesländer wird der Freistaat ein sogenanntes Ankerzentrum für Asylbewerber errichten. Dort leben alle Flüchtlinge, bis über ihren Asylantrag entschieden ist. Um den Standort wird es aber noch harte Verhandlungen geben.

© Ronals Bonss

Karin Schlottmann

Dresden. Als eines der ersten Bundesländer wird Sachsen ein sogenanntes Ankerzentrum für Asylbewerber errichten. Der Freistaat werde sich bereits in der Pilotphase an dem Projekt beteiligen, sagte Innenminister Roland Wöller (CDU) am Freitag der SZ. In den Ankerzentren müssen sich die Flüchtlinge vom Tag ihrer Ankunft an so lange aufhalten, bis über ihren Asylantrag endgültig entschieden worden ist.

City-Apotheken Dresden
365 Tage für Patienten da
365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Die Verteilung auf die Kommunen oder die Abschiebung in das Herkunftsland wird direkt von diesen Zentren aus erfolgen. Die Behörden für Asyl, Jugend, Arbeit sowie die Justiz sollen dort unter einem Dach arbeiten. Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag die Einrichtung der Ankerzentren vereinbart. Bundesweit sollen insgesamt 40 in Betrieb gehen.

In Sachsen beginnen die konkreten Planungen voraussichtlich im Herbst. Ein genauer Standort steht noch nicht fest. Neben Leipzig oder Chemnitz dürfte Dresden in die engere Wahl kommen. Hier hat das Land in der Nähe der Justizvollzugsanstalt eine neue Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) für etwa 700 Menschen gebaut. Zurzeit beansprucht allerdings das Oberlandesgericht Dresden die Einrichtung für große Staatsschutzverfahren. Da das Gericht derzeit keine Alternativen dazu sieht, dürften Innen- und Justizministerium schwierige Verhandlungen bevorstehen.

Weiterführende Artikel

„Schafft weiteres Konfliktpotenzial“

„Schafft weiteres Konfliktpotenzial“

Experten empfehlen eine dezentrale Unterbringung von Asylsuchenden und halten Ankerzentren für einen Irrweg.

Ankerzentrum entsteht in Dresden

Ankerzentrum entsteht in Dresden

Sachsen will eine Erstaufnahmeeinrichtung weiterentwickeln. Dort soll das Asylverfahren abgewickelt werden. Wer nicht als Flüchtling anerkannt wird, soll direkt aus dem Zentrum abgeschoben werden.

Koalition uneins über Ankerzentrum

Koalition uneins über Ankerzentrum

In der schwarz-roten Koalition zeichnet sich ein neuer Konflikt ab. SPD und CDU haben nahezu gegensätzliche Ansichten über geplante Ankerzentren für Asylbewerber.

Aus Sicht der Bundesregierung sind die Zentren das wichtigste Vorhaben in der Migrationspolitik. Ziel ist die Steuerung und Begrenzung der Zuwanderung. Laut Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) soll niemand länger als 18 Monate in einem Asylzentrum bleiben, Familien nicht länger als sechs Monate. Es handele sich weder um Hafteinrichtungen noch um Lager, beteuerte sein Ministerium in einem Schreiben an die Bundestagsabgeordneten. Dennoch regt sich in der SPD Skepsis gegen die Ankerzentren. Sie befürchtet Widerstand seitens der Kommunen.