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Sachsen fehlen Tausende Erzieher

Ein Viertel der Pädagogen in Kindertagesstätten ist älter als 55 Jahre. Droht der nächste Personalmangel?

© Jan-Philipp Strobel / dpa

Von Andrea Schawe

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Dresden. Nach den Lehrern die Erzieher: Den sächsischen Kindertagesstätten fehlt Personal. Derzeit verzeichnet das Jobcenter in Sachsen insgesamt 661 offene Stellen für Erzieher und Kita-Leiter, fast die Hälfte davon in Dresden und Leipzig.

Die Situation wird sich in den kommenden Jahren noch verschärfen. Jeder vierte der mehr als 26 500 staatlich anerkannten Erzieher in sächsischen Kindertagesstätten und Horten ist 55 Jahre und älter. Sie werden in den kommenden zehn bis zwölf Jahren in Rente gehen. Im Landkreis Görlitz und im Vogtlandkreis ist es sogar jeder dritte Erzieher. Das geht aus einer Antwort des Kultusministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Bildungspolitikerin Petra Zais hervor. „Alle reden über den Lehrermangel. Dabei müssen wir aufpassen, dass es in den Kindertageseinrichtungen nicht zu ähnlichen Personalengpässen kommt“, sagt Zais. „Die Zahlen sind beunruhigend.“

Neben der Altersstruktur haben auch steigende Geburtenzahlen und der steigende Anteil der zu betreuenden Kinder Auswirkung auf den Fachkräftebedarf. Dazu kommt der verbesserte Betreuungsschlüssel: Seit September 2017 soll eine Erzieherin in der Krippe nur noch 5,5 Kinder betreuen, ab September 2018 sind es fünf. In den vergangenen zwei Jahren wurde der Schlüssel bereits für die Drei- bis Sechsjährigen auf 1 zu 12 verbessert. Das mache nach Angaben des Kultusministeriums im vergangenen Jahr zusätzlich 700 Vollzeitstellen aus, 2018 kommen noch 830 hinzu.

Das Kultusministerium rechnet bis 2020 mit einem Bedarf von insgesamt etwa 4 000 zusätzlichen Vollzeitstellen für pädagogisches Personal und Leitungsaufgaben. „Das enorme Wachstum des Kita-Bereichs ging mit dem Ausbau der Erzieherausbildung in Sachsen einher“, sagt Ministeriumssprecher Dirk Reelfs. Zurzeit werden fast 7 000 Schüler an 61 Fachschulen in Sozialpädagogik ausgebildet, die Zahl der Absolventen liegt seit 2012 bei etwa 2 000 pro Jahr. Vor zehn Jahren waren es noch rund 350 Absolventen an 21 Schulen.

Die Absolventenzahlen würden nicht ausreichen, um die Altersabgänge zu kompensieren, sagt Petra Zais. „Ich bezweifle die Zuversicht, dass der Bedarf an Fachkräften damit zu decken ist.“ Die Verbesserung der Betreuungssituation dürfe nicht an einem Mangel an Erziehern scheitern.

In Zukunft werde noch mehr Personal gebraucht. Eltern, Erzieher, Träger und Gewerkschaften fordern eine weitere Senkung des Personalschlüssels und die Anrechnung der Vor- und Nachbereitungszeit. Derzeit prüfe die Regierung, wie die Kita-Erzieher weiter entlastet und die frühkindliche Bildung gestärkt werden können, so Reelfs. Eine Entscheidung werde in der Planung zum Haushalt 2019/2020 getroffen.