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Sachsen – Großbaustelle der Bahn

© Norbert Millauer

In die Verbindungen von Dresden zum Rest der Republik wird dieses Jahr weiter investiert. Ab Dezember soll manche Fahrt schneller gehen – sogar nach Berlin.

Leipzig. 420 Millionen Euro verbaut die Deutsche Bahn allein dieses Jahr in ihre Strecken in Sachsen – pro Tag 1,15 Millionen Euro. Bundesweit sind es dieses Jahr sogar 7,5 Milliarden Euro. Der Logistikkonzern sei mit 10 000 Ingenieuren „Deutschlands größtes Ingenieurbüro“, sagte gestern Eckart Fricke, der Konzern-Repräsentant für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Großprojekte sollen vor allem die Fahrzeiten verkürzen, die Pünktlichkeit verbessern, bessere Anschlüsse und mehr Zugverbindungen ermöglichen, so Fricke. Gerade für Bahnreisende aus der Region Dresden soll sich bis Ende des Jahres auf mehreren Verbindungen eine Menge tun. Ein Überblick:

Von Dresden nach Berlin: in rund 110 Minuten

Ab dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember soll die Vollsperrung der alten Bummel-Trasse von Dresden nach Berlin aufgehoben sein. Die Bahn erneuert bis dahin auf 62 Kilometern Gleise, 24 Weichen und 93 Kilometer Oberleitungen, sie baut 18 Tunnel und Brücken, um Bahnübergänge zu beseitigen, und sie errichtet sechs elektronische Stellwerke. Ab Dezember sollen die Züge dann in 1:50 Stunden in die Hauptstadt fahren, kündigte Fricke an. Für weitere Fahrzeitverkürzungen und Tempo 200 müsse auf der Strecke jedoch das europäische Zugsicherheitssystem ETCS auch in den tschechischen Zügen installiert sein. Das werde erst nach und nach gelingen. Zugleich kündigte Fricke an, dass ab nächstem Jahr eine durchgehende Verbindung von Rostock über den Flughafen Berlin-Schönefeld bis Dresden eingerichtet werden soll. „Egal, wann der Flughafen eröffnet wird – wir fahren auf der Strecke.“ Die Verbindung könne auch bis Chemnitz verlängert werden.

Von Dresden nach Leipzig: weiter im Schneckentempo

Die Neu- und Ausbaustrecke von Dresden nach Leipzig wird so langsam gebaut, wie sie befahren wird. Die Fahrt von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof dauert auch im 27. Jahr der Deutschen Einheit immer noch mehr als eine Stunde für die 120 Kilometer. Anderswo schafft man solche Distanzen längst in einer guten halben Stunde. Zurzeit wird bei Weinböhla gebaut, doch für den kleinen Abschnitt von Zeithain bis Leckwitz sowie in Riesa laufen noch die Planungen. Wann die Hauptachse fertig wird, wollte bei der Bahn niemand sagen.

Von Leipzig aus: mit Vollgas in den Rest der Republik

Im Dezember wird sie endlich fertig: die Neu- und Ausbaustrecke von Berlin bis München. Die Bahn bietet die Fahrt von Innenstadt zu Innenstadt dann in 3 Stunden und 50 Minuten an und macht der Lufthansa damit Konkurrenz.

Von dem Großprojekt soll auch die Region Sachsen profitieren. Der Bahnknoten Leipzig wird komplett modernisiert, die Ein- und Ausfahrten in den Hauptbahnhof für Tempo 160 vorbereitet, Gleise, Weichen, Stellwerke, Brücken und andere Bahn-Anlagen neu gebaut. Die Bahnsteige wurden schon für lange ICEs hergerichtet sowie S-Bahn und ICE-Verkehr entflechtet. Davon profitieren auch Reisende aus Dresden, sagt Fricke, da man von Leipzig im Stundentakt weiter nach Frankfurt, Berlin und Richtung Magdeburg komme und künftig mit den „Sprintern“ rasen könne. In Erfurt ist man heute schon von Leipzig aus in 42 Minuten, in Frankfurt in rund drei Stunden. Ende November wird es dafür am Knoten Leipzig aber erst noch einmal Vollsperrungen geben.

Von Dresden nach Schöna: Baustellen im Winter

Die Strecke von Dresden bis Schöna muss dringend überholt werden. Auf 44 Kilometern werden Gleise, Weichen, Brücken und Oberleitungen erneuert. Auch der Bahnhof Bad Schandau wird umgebaut. Da die Strecke viel für den Tourismus genutzt wird, sollen die Arbeiten vor allem im November und Dezember erfolgen, erklärte der Bahn-Produktionsleiter für den Südosten, Lutz Winkler. Die Arbeiten sind allerdings bis 2023 geplant.

Sachsen-Franken-Magistrale wächst Richtung Leipzig

Die sogenannte Sachsen-Franken-Magistrale von Dresden und Leipzig über Werdau Richtung Hof wird derzeit zwischen Leipzig und Chemnitz für Tempo 160 ausgebaut. Schwerpunkt ist dieses Jahr die Modernisierung der mehr als 30 Kilometer langen Strecke zwischen Markkleeberg und Lehndorf südlich von Altenburg. Außerdem werden mehrere Bahnhöfe modernisiert. Die Bauarbeiten dauern noch bis Ende 2019. Wann zwischen Leipzig und Chemnitz Intercitys oder ICEs fahren, hänge von der zukünftigen Elektrifizierung der Trasse ab. Dieses Vorhaben ist jedoch politisch noch offen. „Die Anliegen des Freistaates Sachsen werden von der Bahn aber wohlwollend unterstützt“, so Fricke.

Landesweites Großprojekt Brücken-Sanierung

Bundesweit will die Bahn bis 2019 mit einem Milliardenpaket 875 Brücken sanieren. 49 davon in Sachsen, darunter etliche in Dresden, Bautzen und auf der Strecke Dresden-Görlitz. Parallel wird der Bahnhof Zittau bis nächstes Jahr umfassend modernisiert. Er soll als sogenannter Fahrplan-Taktknoten vorbereitet werden, um den Zugverkehr im Dreiländereck attraktiver zu machen, so die Bahn. Dafür aber wird der Zittauer Bahnhof von August bis November voll gesperrt.