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Sachsen hält Zehntausende Eltern hin

Diese Woche sollten sie erfahren, auf welcher Schule ihr Kind künftig lernen wird. Die Briefe wurden über Nacht gestoppt.

© dpa

Von Carola Lauterbach

Dresden. In der Poststelle der Stadt Leipzig sollten in der Nacht zu gestern 3.700 Bescheide an Eltern über die künftige Schule ihrer Kinder bearbeitet und frankiert werden. Plötzlich wurde die Auslieferung der Briefe gestoppt. Damit bleiben die Briefkästen der Eltern künftiger Fünftklässler leer, die heute die Bescheide erwarten.

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Um endlich definitiv Klarheit darüber zu haben, welche Oberschule bzw. welches Gymnasium ihr Kind im neuen Schuljahr besuchen wird, müssen sie sich noch bis über die Pfingsttage hinaus gedulden. Es sei denn, sie wurden nicht – wie es vorgekommen sein soll – schon vorfristig informiert.

Ein Erlass des Kultusministeriums, über den Sachsens Schulleiter am Dienstagabend gegen 20.30 Uhr informiert wurden, hat das Verfahren gestoppt. Auf SZ-Nachfrage verbreitete gestern die Sächsische Bildungsagentur eine entsprechende Medieninformation, in der die Eltern um Verständnis gebeten werden. Begründet wird der um eine Woche verschobene Termin mit „noch laufenden Abstimmungen hinsichtlich der Klassenbildung an einzelnen Standorten“ sowie einem noch nicht abgeschlossenen Einstellungsverfahren.

Bereits zuvor waren die Schulleiter über die zu erwartenden Neueinstellungen von Lehrern informiert worden, was sie mehrheitlich in Sorge versetzt hat. „Nach derzeitigem Planungsstand“, sagt Armin Asper, der Vorsitzende der Vereinigung der Gymnasialdirektoren, im Gespräch mit der SZ, „werden die Neueinstellungen den Bedarf nicht decken. Damit zwingt der Finanzminister die Schulen, mit geplantem Unterrichtsausfall ins neue Schuljahr zu starten.“ Kein Verständnis könne auch dafür aufgebracht werden, dass über Nacht die Bescheide gestoppt würden, obwohl die Schulleitungen bereits Mitte März – verantwortungsbewusst und mit Blick fürs Ganze stunden- und fächergenau – ihre Bedarfsplanungen erstellt und eingereicht hätten.

Nach SZ-Informationen liegen die zum neuen Schuljahr zur Verfügung stehenden Lehrerstellen deutlich unter dem Bedarf. Das macht insbesondere im ländlichen Raum Abordnungen von Lehrern auch an andere Schularten erforderlich. Vor allem aber werden zahlreiche Klassen bis an die gesetzliche Obergrenze von 28 Schülern gefüllt.

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Es habe Vorgaben gegeben, berichten Schulleiter, wonach sachsenweit mindestens 18 Klassen eingespart werden sollen, obwohl die Zahl der Schüler um rund 4.000 steigt. Es könne also schon jetzt davon ausgegangen werden, dass Schüler an andere Schulen gelenkt werden. Eltern beklagen, dass sie damit in ihrem verfassungsmäßig verbrieften Recht auf freie Schulwahl beschnitten werden.