merken

Sachsen ist beim Sturm schlecht weggekommen

Im Zellwald bei Nossen erläutern Experten die Folgen von „Herwart“ und „Friederike“ – und sagen, wie der Freistaat Waldbesitzern helfen will.

© Claudia Hübschmann

Von Marcus Herrmann

Anzeige
Der Garant für beruflichen Erfolg

Der Meistertitel ist und bleibt das höchste Qualitätssiegel im Handwerk. Die Handwerkskammer bietet für viele Handwerksberufe Meisterkurse an.

Siebenlehn/Großschirma. Die Bilder gleichen sich. Wie im reichlich 2 000 Hektar großen Zellwald, der sich vom Erzgebirgsvorland bis in den Kreis Meißen ausbreitet, sieht es eine Woche nach dem Orkan „Friederike“ in den meisten Wäldern Sachsens aus. Umgekippte Bäume versperren Wege, tonnenschweres Wurzelwerk ist aus der Erde gerissen worden und gibt den Blick frei in dunkle, feuchte Löcher im Waldboden. Etwa eine Million Festmeter Wald, sagt Sachsens Umwelt- und Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU), sind im Freistaat durch das Sturmtief von vergangenem Donnerstag zerstört worden. Besonders betroffen seien dieses Mal Privat- und Kommunalwälder – etwa ein Drittel der Gesamtmenge mache ihr Anteil aus. Zusammen mit Landesforstpräsident Hubert Braun hat Schmidt am vergangenen Freitagnachmittag in den Zellwald gebeten, um in dem hügeligen Waldgebiet die typischen Schäden von Herbststurm „Herwart“ und dem Orkan Friederike zu demonstrieren.

„Vor wenigen Wochen hatten wir eigentlich geplant, die bereits beseitigten Schäden nach Herwart zu präsentieren, leider hat uns Friederike da ein beachtliches Schnippchen geschlagen“, sagt der Minister zu Beginn. Nichtsdestotrotz arbeiteten die Mitarbeiter des Sachsenforstes und beauftragte Unternehmen derart eifrig, dass Mitte kommender Woche „so gut wie alle regulären Waldwege wieder begehbar“ sein werden. Das Verlassen der Wege sei allerdings absolut lebensgefährlich, weil viele der beschädigten Bäume jederzeit nachgeben könnten.

Die fatalen Folgen des Sturmes von vergangener Woche hätten die vergleichsweise feucht-warmen Bedingungen und aufgeweichten Böden in Sachsens Wäldern wesentlich befördert. Anders als bei Jahrhundertsturm „Kyrill“ 2007 hätte der Orkan von vergangener Woche weniger im Erzgebirge gewütet, sondern zwischen Chemnitz und Ostsachen. „Neben Laubbäumen hat es vor allem Fichten und Kiefern getroffen“, sagt Forstpräsident Braun auf einem Rundgang durch den zerfurchten Zellwald bei Großschirma.

Das bringe für die Forstleute größere Problem mit sich. Denn diese Baumarten lassen sich schlecht vermarkten. „Besonders die Kiefer verfault relativ schnell und lässt sich schlecht lagern“, sagt Braun.

Folgen bis Jahresende zu spüren

Deshalb müsse der Sachsenforst alle Kräfte bündeln und möglichst schnell arbeiten. Die Folgen von Friederike zu beheben, also alte Stämme, Wurzelteller und Geäst aus den Wäldern zu transportieren, Wege zu reparieren und das Holz für den Verkauf bearbeiten zu lassen, werde mehrere Monate dauern. „Wir haben sicher bis Ende des Jahres mit den Folgen zu tun. Die betroffenen Flächen sichten wir derzeit aus der Luft und gehen dann an die Arbeit“, erklärt der Chef-Forstwirtschafter. Logistisch sei das eine Mammutaufgabe.

Das spürt auch Michael Bergelt, Inhaber des gleichnamigen Forstunternehmens. Schon seit „Herwart“ sei die Situation für ihn und seine 40 Waldarbeiter herausfordernd. Jetzt arbeite man im Akkord. „Es gibt viele Waldgebiete in der Region, wo sich Fichten wie Pyramiden türmen, unsere Arbeiter großen Gefahren ausgesetzt sind“, erzählt Bergelt. Mit insgesamt fünf Harvestern, anderen Holzerntemaschinen und sogar Seilbahnen, mittels derer sich Schadholz über Hunderte von Metern aus kaputten Waldgebieten transportieren lässt, sind seine Leute im Dauereinsatz. „Mein Sohn bedient selber einen Harvester. Das geht an die Psyche, ist ein enormer Druck. Abends ist er meistens völlig fertig“, erzählt der Firmenchef.

Die Aufgaben für die Forstbetriebe beginnen jetzt jedoch erst, erläutert der Umweltminister. Denn nach der Beräumung der Schadhölzer gehe es ab dem Frühjahr an die Aufforstung. „Hier wollen wir den privaten Waldbesitzern helfen, Fördermittel akquirieren, die Stellen für die Bewilligungen aufstocken“, verspricht er.

Zwar sei Sachsen beim Sturm schlecht weggekommen – nur Sachsen-Anhalt habe es etwas schlimmer erwischt – aber es gebe auch gute Nachrichten. „Die Holzbestände in Sachsen sind heute so hoch wie noch nie, so dass wir weiter auf eine gute Gesamtlage blicken. Außerdem sucht die Holzindustrie stark nach Fichtenbeständen, von denen wir nun viele anbieten können“, sagt Thomas Schmidt. Das dürfte den finanziellen Schaden abfedern helfen, der ohnehin erst in einigen Monaten genau beziffert werden könnte.

Jetzt ist zunächst Eile geboten für die Waldarbeiter, besonders im Hinblick auf den Borkenkäfer. Der Schädling fühlt sich ab etwa 15 Grad wohl, wird dann aktiv und bevorzugt kranke Bäume, sagt Hubert Braun.

„Bis es wärmer wird, sollten wir möglichst viel Schadholz beseitigt haben. Und dann müssen wir hoffen, dass es noch möglichst lange dauert, bis es merklich wärmer und trockener wird“. Der Wettlauf gegen die Zeit hat begonnen.