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Ein klares Signal an die Juden in Sachsen

Sachsens Regierung hat mit Thomas Feist erstmals einen Beauftragen für jüdisches Leben berufen.

Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Feist. ©  dpa/Robert Michael

Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Feist ist Beauftragter für das jüdische Leben in Sachsen. Der 53-jährige Leipziger arbeitet ehrenamtlich und ist im Kultusministerium angesiedelt.

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Bei der Bekanntgabe der Kabinettsentscheidung betonte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Donnerstag in Dresden: "Jüdisches Leben ist ein wichtiger Teil unserer Geschichte und Gegenwart. Ich freue mich über die kulturelle Vielfalt in Sachsen mit ihren lebendigen jüdischen Gemeinden." Mit Feist als neuem Beauftragten der Staatsregierung solle die gute Zusammenarbeit ausgebaut und weiter verbessert werden.

Ministerpräsident Michael Kretschmer gratuliert Thomas Feist zu seinem neuen Amt.   ©  dpa/Robert Michael

Kultusminister Christian Piwarz (CDU) machte deutlich: „Das ist ein klares Signal an die jüdische Gemeinschaft in Sachsen. Sie ist Teil unserer Gesellschaft, sie kann sich hier sicher fühlen, und wir schätzen die jüdische Geschichte, Religion und das kulturelle Leben.“ Feist setze sich seit vielen Jahren für Begegnungen mit Juden und dem Judentum sowie gegen Antisemitismus ein. Der Kultusminister fügte hinzu: "Der beste Weg, um Antisemitismus entgegenzuwirken, ist Begegnung, Bildung und Aufklärung.“

Der Regierungsbeauftragte ist Ansprechpartner für jüdische Bürger und die jüdischen Gemeinden in Sachsen. Er berät die Staatsregierung in Fragen der Förderung jüdischen Lebens, der Erinnerungskultur und der Pflege des historischen Erbes. Auch die Antisemitismusbekämpfung und die Prävention soll er in den Blick nehmen. Unterstützt wird er von einem Expertenrat.

Feist wurde 1965 in Leipzig geboren. Der gelernte Heizungsinstallateur arbeitete zunächst in diesem Beruf, bildete dann lernbehinderte Jugendliche aus. Ab 1995 studierte er Musikwissenschaft, Soziologie und Theologie. Feist war tätig beim Bundesverband Kulturarbeit in der evangelischen Jugend.

Seit 2007 ist er Mitglied der Leipziger CDU. 2009 und 2013 wurde Feist als Direktkandidat in den Bundestag gewählt. Er war Vorsitzender der deutsch-israelischen Gesellschaft Leipzig. Feist ist Urenkel von Albert Hirschfeld, einem der letzten jüdischen Rauchwarenhändler am Leipziger Brühl, einem der ältesten Straßenzüge in Leipzig.

Die Linke würdigte die Einrichtung einer Beauftragtenstelle. Allerdings bezeichnete Fraktionschef Rico Gebhardt die finanzielle Ausstattung sowie die ministerielle Zuordnung als inakzeptabel: "Mit kärglichen 150.000 Euro pro Jahr kann der Antisemitismus nicht wirksam bekämpft und zugleich jüdisches Leben gefördert werden. Mit der Zuordnung zum Kultusministerium anstatt zur Staatskanzlei wird das Amt symbolisch abgewertet." 

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