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Sachsen kürzt Unterricht und spart Lehrerstellen

Schüler haben künftig ein bis zwei Wochenstunden weniger. Die Änderungen sollen für Entlastung sorgen.

© Axel Heimken/dpa

Von Gunnar Saft

Dresden. Für manche sächsische Schüler ist es eine vermeintlich gute Nachricht: Ab dem Schuljahr 2019/2020 müssen sie jede Woche etwas kürzer die Schulbank drücken. Das sieht eine Reform der Stundentafeln an den Grund- und Oberschulen sowie den Gymnasien im Freistaat vor, die Kultusminister Christian Piwarz (CDU) am Dienstag in Dresden vorstellte.

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Am umfangreichsten fallen dabei die Stundenreduzierungen an den Oberschulen aus, wo es künftig insgesamt sieben Wochenstunden weniger geben wird. Für den einzelnen Schüler in den unterschiedlichen Klassenstufen bedeutet das jede Woche den Wegfall von ein bis maximal zwei Unterrichtsstunden in den Fächern Englisch, Mathematik, Biologie oder Sport. An den Gymnasien reduziert sich der Unterricht insgesamt um sechs Stunden, wobei dort neben den Fächern Mathematik, Biologie, Sport, Musik sowie Technik und Computer auch die zweite Fremdsprache sowie der Profilunterricht betroffen sind.

Mit insgesamt drei Unterrichtsstunden weniger in Deutsch, Sport und Musik fällt die Kürzung der Wochenstundentafel an den Grundschulen am geringsten aus.

Piwarz verwies darauf, dass alle Schulen in Eigenregie Änderungen an diesen Vorgaben vornehmen dürfen. Allerdings nur bei maximal zwei Fächern pro Klassenstufe. Zudem dürfe dabei die Zahl der Wochenstunden insgesamt weder sinken noch steigen und kein Fach auf null Stunden reduziert werden. Aus verfassungsrechtlichen Gründen seien außerdem die Fächer Ethik und Religion von dieser Änderungsoption ausgeschlossen.

Der Minister sagte, die Änderungen sollen Entlastungen für die Schüler bringen und Freiräume für ein individuelles Lernen ermöglichen. Den Schulen würde daher auch mehr Geld für Ganztagsangebote zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig räumte er ein, dass der Freistaat damit 770 Vollzeit-Lehrer einspart, die für andere Aufgaben frei werden. Mit den reduzierten Stundenzahlen wechselt Sachsen bei den Oberschulen künftig bundesweit von der Spitze ins Mittelfeld. Bei den Gymnasien sinkt man auf die Mindestgrenze, die zur Anerkennung des Abiturs erforderlich ist.

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Während Linke und Grüne warnen, dass mehr Ganztagsangebote kein Ersatz für weniger Fachunterricht sind, begrüßt der Landeschülerrat sowohl die Entlastungen als auch den Ausbau des Faches Gemeinschaftskunde an Oberschulen und Gymnasien. Kritik gab es an den Einschränkungen beim Musik- und Sportunterricht.

Zusätzlich zu der neuen Stundentafel beschloss das Kabinett ein Maßnahmenpaket zur Aufwertung der Oberschule sowie ein Förderprogramm über 200 Millionen Euro für den Schulhausbau.