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Sachsen profitieren vom Mindestlohn

Befürchtungen über die Auswirkungen des Mindestlohns auf den Arbeitsmarkt waren groß. Die Folgen sind bisher eher klein. Zumindest lautet so das Fazit einer Studie.

© dpa

Dresden. Die Einführung des Mindestlohnes von 8,50 Euro hat den sächsischen Arbeitsmarkt bislang kaum negativ belastet. „Die befürchteten Arbeitsplatzverluste vor allem im Dienstleistungsgewerbe sind nicht einmal ansatzweise eingetreten“, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Stefan Brangs am Donnerstag in Dresden. Er berief sich dabei auf eine vom Ministerium in Auftrag gegebene Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg.

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Nach dessen Schätzung gingen in Sachsen 3 500 bis 8 000 Jobs verloren. Bundesweit sollen es rund 60 000 sein. Bis zu 300 000 sächsische Arbeitnehmer profitierten dagegen vom Mindestlohn. Die Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter stieg von Januar 2014 bis April 2016 um fast 66 000. Unklar ist aber, wie viele Vollzeitjobs das umfasst. Der Mindestlohn wurde erst zum 1. Januar 2015 eingeführt. In 17 Prozent der Betriebe gab es ihn aber schon früher.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass kein Bundesland so stark vom Mindestlohn betroffen ist wie Sachsen. Laut Brangs waren vor dessen Einführung die Löhne im Freistaat besonders niedrig. Damit habe der Freistaat früher sogar geworben, um Investoren anzulocken. „Es geht aber nicht darum, über niedrige Löhne wettbewerbsfähig zu bleiben, sondern über die Qualität der Produkte“, betonte der Staatssekretär. Und auch Fachkräfte ließen sich nicht mit Dumpinglöhnen halten.

Die Studie basiert auf Daten von 1200 Firmen. 2015 gaben 44 Prozent von ihnen an, die Stundenlöhne auf mindestens 8,50 Euro angehoben zu haben. In den anderen ostdeutschen Ländern waren es 36 Prozent. Vom Mindestlohn profitieren auch Beschäftigte, die schon vorher mehr Geld in der Lohntüte hatten. Denn um das Lohngefüge in den Unternehmen zu behalten und zwischen Arbeitnehmern zu differenzierten, erhöhten gut 10 Prozent der Betriebe die Stundenlöhne oberhalb von 8,50 Euro.

Ein Teil der Unternehmen versuchte, höhere Lohnkosten durch andere Maßnahmen auszugleichen. 13,9 Prozent der Betriebe reduzierten die Arbeitszeit oder verdichteten sie zum Beispiel durch kürzere Pausen. 2,4 Prozent gaben an, Entlassungen vorgenommen zu haben. 7,8 Prozent wollten sich bei Einstellungen zurückhalten. 16,5 Prozent der Firmen erhöhten die Preise für ihre Produkte, 7,8 Prozent stellten Investitionen zurück oder verringerten diese.

Fast zeitgleich zur Mindestlohnstudie wurden am Donnerstag die neuen Arbeitsmarktdaten bekannt. Nach dem Rekordtief im Juni ist die Zahl der Arbeitslosen in Sachsen im Juli wieder leicht gestiegen. Wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Chemnitz mitteilte, waren 154 800 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 3 000 mehr als im Vormonat, aber immer noch 14 100 weniger als im Juli 2015. Die Quote stieg bezogen auf Juni um 0,1 Prozentpunkte auf 7,3 Prozent.

„Der Anstieg der Arbeitslosigkeit in diesem Monat ist kein Zeichen für eine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt“, sagte Behördenchef Klaus Schuberth. Der Grund dafür seien vielmehr saisonale Faktoren: Schüler und Auszubildende hätten sich nach Ausbildungsende vorübergehend arbeitslos gemeldet, zum Quartalsende würden oft Kündigungen wirksam.

Schuberth bewertete die Lage auf Sachsens Arbeitsmarkt insgesamt als „sehr positiv“. Die Beschäftigung steige weiter. Er rechne trotz der zusätzlich arbeitslos gemeldeten Flüchtlinge weiterhin mit einer positiven Entwicklung. Aktuell gebe es insgesamt 32 624 freie Stellen - etwas weniger als im Juni. Die Zahl der arbeitslosen Flüchtlinge in Sachsen ist laut Arbeitsagentur im Juli um 330 auf 5 899 gestiegen. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen liege bei 3,8 Prozent. (dpa)