merken

Sachsen sucht noch Hunderte Lehrer

Noch nie gab es so viele Stellen wie im kommenden Schuljahr. Bisher sind noch 40 Prozent frei. Genug voll ausgebildete Lehrkräfte gibt es aber nicht.

© dpa

Dresden. Sachsen will im kommenden Schuljahr so viele Lehrer einstellen wie noch nie. 1 400 Stellen können besetzt werden. Das entspreche dem aktuellen Bedarf. „Es ist nicht so, dass ich als Kultusministerin um weitere Stellen kämpfen müsste“, sagte Brunhild Kurth (CDU) der Sächsischen Zeitung und dem MDR Sachsen. Dennoch gestand sie im Gespräch ein, es werde nicht für die Besetzung aller Stellen mit voll ausgebildeten Lehrern reichen. „Die Anzahl ist einfach nicht auf dem Arbeitsmarkt verfügbar.“

Knapp zwei Monate vor Beginn des neuen Schuljahres sind der Ministerin zufolge erst 865 der 1 400 Stellen besetzt. Weitere Einstellungen sollen in den nächsten Wochen folgen –  die Sächsische Bildungsagentur führe derzeit Gespräche. Das gesamte Einstellungsverfahren wird sich aber noch bis Anfang August hinziehen.

JABS
JABS – Euer Zukunftsportal
JABS – Euer Zukunftsportal

Auf JABS erfahrt ihr alles, was für eure Zukunft wichtig wird und wie ihr euch am Besten darauf vorbereitet.

Für die neuen Stellen haben sich etwa 2 800 Personen beworben, doch nur 1 000 davon sind ausgebildete Lehrer. Auch sie werden voraussichtlich nicht alle in Sachsen bleiben, denn viele haben sich mehrfach beworben und können sich am Schluss das beste Angebot aussuchen. Sachsen steht bundesweit im Wettbewerb mit anderen Bundesländern. Allerdings gebe es auch Anfragen von Personen, die zurückkehren wollen. In fünf Fällen wurden bisher Zulagen dafür gezahlt. Ohne Seiteneinsteiger, die keine abgeschlossene pädagogische Ausbildung haben, gehe es auch im kommenden Schuljahr nicht, kündigte Kurth an. „Es werden auch mehr sein als in den vergangenen Jahren.“ In diesem Jahr wurden 700 Quereinsteiger eingestellt. Der Freistaat hat mit 45 Prozent bundesweit die höchste Quote.

Weiterführende Artikel

Kritik an Lehrereinstellungen

Kritik an Lehrereinstellungen

Der Stand der Vorbereitung des Kultusministeriums auf das kommende Schuljahr stößt auf Kritik. Die Personalprobleme der Schulen werden weiterwachsen. Das Ministerium müsse endlich umdenken.

„Das geht nicht mit einem Fingerschnipsen“

„Das geht nicht mit einem Fingerschnipsen“

Kultusministerin Kurth im Interview über zu wenige Bewerber für Lehrerstellen und was das für die Schulen bedeutet.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Fast 600 der Bewerber mit Lehramtsstudium wollen in den Schuldienst am Gymnasium. Doch dort hat das sächsische Kultusministerium nur 100 Stellen zu besetzen. Die meisten Lehrer werden an Grund- und Oberschulen gebraucht – sachsenweit können jeweils rund 480 Stellen besetzt werden. Beworben haben sich allerdings nur 160 ausgebildete Grundschul- und 130 Oberschullehrer. An den Förderschulen liegen nach Angaben des Kultusministeriums 60 Bewerbungen für 175 Stellen vor. An den berufsbildenden Schulen können 159 neue Lehrer eingestellt werden. Die meisten Neueinstellungen entfallen auf die Region Dresden und Leipzig. Dort sind insgesamt mehr als 720 Stellen zu vergeben.

Am Ende dieses Schuljahres werden 1 350 Lehrer aus dem Dienst ausscheiden. Zusammen mit den 815 in diesem Frühjahr übernommenen Lehrkräften liegt die Zahl aller Neueinstellungen jedoch um mehr als 865 höher als die der Altersabgänge.