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Sachsen verstärkt Jobvermittlung für Gefangene

Mit der Haftentlassung steht so mancher Straftäter vor dem Nichts. Ohne Ausbildung und soziales Netz ist die Rückfallgefahr groß. Justiz und Jobagentur in Sachsen wollen das ändern.

Dresden. Jeder vor der Entlassung aus der Haft stehende Strafgefangene in Sachsen soll künftig die Chance auf Ausbildung, Arbeitsplatz oder Qualifizierung haben. Justizministerium und Bundesagentur für Arbeit (BA) schlossen dazu am Mittwoch in Dresden eine Kooperation und stellten damit die Jobvermittlung auf eine strukturelle Basis.

„Für das Gelingen eines Lebens ohne Straftaten nach dem Vollzug ist es wichtig, dass die Entlassenen ihren Lebensunterhalt selbst verdienen können“, sagte Justizminister Jürgen Martens (FDP). Auch die Menschen mit Brüchen im Werdegang sollen von der seit Jahren positiven Entwicklung des Arbeitsmarktes im Freistaat profitieren, wie die Chefin der BA-Regionalagentur, Jutta Cordt, erklärte.

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Spezielle Berater im Gefängnis und feste Ansprechpartner in lokalen Agenturen und Jobcentern suchen lange vor Haftentlassung gemeinsam nach Perspektiven für Inhaftierte. Sie analysieren Schwächen und Probleme, sondieren Arbeits-, Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Viele haben keine Ausbildung oder keinen Schulabschluss, keine sozialen Bindungen, aber Suchtprobleme sowie psychische und soziale Störungen, berichtete Martens. Das Übergangsmanagement soll ihnen den Wechsel in ein Leben ohne Straftaten erleichtern, Arbeitslosigkeit vermeiden und die Rückfallgefahr mindern helfen - auch bei schweren Fällen. Bisher begann die Jobsuche erst nach der Haftentlassung.

„Nach wie vor haben es Menschen mit Vermittlungsproblemen wie entlassene Straftäter schwer, eine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle zu bekommen“, sagte Cordt. Aber nur das schaffe Stabilisierung. „Denn ohne Teilhabe an der Gesellschaft fällt Integration schwer.“

Die Suche nach einer Perspektive soll daher schon in der Haft beginnen. Die Berater vom Jobcenter helfen bei Bewerbungen, vermitteln Praktika in Betrieben oder künftige Arbeitsstellen. Die Bereitschaft von Unternehmen, die Betroffenen einzustellen, fördert die Agentur mit finanziellen Zuschüssen. Große Firmen tun sich damit leichter, sagte Cordt. Andere Arbeitgeber und Ausbilder müssten für diese Menschen mit Handicap noch sensibilisiert werden. (dpa)