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Sachsen will Bahn-Fans locken

Sie schnaufen und zischen - von Hightech keine Spur. Trotzdem fahren viele Touristen auf alte Dampfloks ab. Die „Feuerrösser“ sollen jetzt noch mehr Gäste nach Sachsen locken.

© dpa

Von Lars Müller

Radebeul. Wer das Schmalspurbahn-Museum im ehemaligen Güterboden von Radebeul-Ost vor den Toren Dresdens betritt, fühlt sich um 100 Jahre zurückversetzt. Eine historische Dampflok, Personen- und Postwagen mit Holzaufbauten sowie alte Gepäckkarren empfangen - liebevoll hergerichtet - Besucher. Vor dem Güterboden steht eine weitere Schmalspur-Dampflokomotive mit sogenannten Rollbockwagen, auf denen einstmals Regelspur-Güterwagen ins Hinterland transportiert wurden.

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Ein historisches Schild der Bahnmeisterei ist im Schmalspurbahn-Museum in Radebeul zu sehen.
Ein historisches Schild der Bahnmeisterei ist im Schmalspurbahn-Museum in Radebeul zu sehen. © dpa
Auch diese Vierzylinder-Naßdampf-Lokomotive aus dem Jahr 1914 zählt zu den Exponaten des Museums.
Auch diese Vierzylinder-Naßdampf-Lokomotive aus dem Jahr 1914 zählt zu den Exponaten des Museums. © dpa
Christian Sacher, Leiter des Ferienstraßen-Projekts „Dampfbahn-Route Sachsen“.
Christian Sacher, Leiter des Ferienstraßen-Projekts „Dampfbahn-Route Sachsen“. © dpa

Heute dampfen hier noch immer täglich Personenzüge der Lößnitzgrundbahn los, die durch die Weinberge überwiegend Ausflügler, aber auch Schüler von Radebeul hinauf nach Moritzburg und Radeburg bringen. Das kleine Museum ist Dreh- und Angelpunkt der Dampfbahn-Route Sachsen.

Die Wurzeln der 750 Kilometer langen Ferienstraße quer durch den Freistaat Sachsen liegen im Jahr 2006 zurück, wie Projektleiter Christian Sacher erklärt. Damals wurde das 125-jährige Bestehen sächsischer Schmalspurbahnen gefeiert. Inzwischen ist die Dampfbahn-Route bei der Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft (SOEG) in Zittau angesiedelt. Sacher zufolge verfügt das Bahnunternehmen aus Ostsachsen über das nötige Know-how, um die Angebote der inzwischen 147 Projektpartner unter einer Dachmarke zu präsentieren.

Neben den ursprünglichen Schmalspurbahnen gehören Vereine, die Regelspurfahrzeuge pflegen und betreiben, genauso dazu wie Bergbahnen, historische Straßenbahnen und Busse, technische Denkmal oder Beherbergungsbetriebe. Beliebt sind laut Sacher auch die fünf Parkeisenbahnen in Sachsen, die einstmals als Pioniereisenbahnen in der DDR zur Nachwuchsgewinnung der Reichsbahn eingerichtet worden waren und noch immer in Görlitz, Plauen, Leipzig, Chemnitz und Dresden fahren. Das Jahresbudget der Dampfbahn-Route liege bei 150.000 Euro; für 2014 werde eine Förderung über 100 000 Euro vom Freistaat angestrebt.

Schwerpunkt der Ferienstraße bleibt es dem Projektleiter zufolge, die technischen Denkmale rund um die Eisenbahn in Sachsen zu verbinden und damit bahnbegeisterte Urlauber in den Freistaat zu locken. Dabei sollen insbesondere auch Familien angesprochen werden. Eingefleischte Bahnfans - in der Szene als „Pufferknutscher“ oder „Nietenzähler“ bezeichnet - seien hingegen bereits gut vernetzt, betont Sacher.

Neben westdeutschen Bahnfans, die schon vor der Grenzöffnung 1989 das Netz der DDR-Reichsbahn mit seinem Dampfbetrieb erkundeten, interessierten sich auch viele Engländer, Niederländer, Österreicher und Schweizer für historische Züge. Aus Kostengründen werde bisher auf eine Ausschilderung als Ferienstraße verzichtet, erläutert der Projektleiter. Als klassische Ferienstraßen sind im Freistaat bisher nur die Silberstraße und die Sächsische Weinstraße ausgeschildert.

Die Projektverantwortlichen der Dampfbahn-Route Sachsen wollen ab 2014 neue Zielgruppen erschließen. Erstmals werde deshalb die Ferienstraße Ende Februar auf der osteuropäischen Reisemesse Holiday World in Prag vorgestellt, kündigt Sacher an. Dort soll die Einrichtung der ersten deutschen Ferneisenbahn vor 175 Jahren zwischen Leipzig und Dresden als Leitmotiv dienen. In Tschechien gebe es zahlreiche Fans historischer Eisenbahnen. Die Strecke wurde am 7. April 1839 eröffnet, das Jubiläum wird zwischen 7. und 13. April gefeiert.

Sachsen verfüge über das dichteste und vielseitigste eisenbahntouristische Angebot in Deutschland, stellt die Sprecherin der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen (TMGS), Ines Nebelung, fest. „Die Dampfbahnen sind ein sächsisches Alleinstellungsthema.“ Insgesamt könne der Freistaat fünf täglich verkehrende Schmalspurbahnen sowie drei dampfbetriebene Museumsschmalspurbahnen vorweisen.

Allein die regulär fahrenden Schmalspurbahnen zählten im Jahr 2012 rund 950 000 Fahrgäste. Mit allen Partnern des Dampfbahnrouten-Projektes kommt Nebelung auf mehr als zwei Millionen Fahrgäste pro Jahr. Das Angebot werde durch Pauschalreisen für Bahnfans ergänzt und erlaubt nach Angaben der TMGS-Sprecherin inzwischen die Kopplung mit Aktiv- und Familienurlaub sowie Städte- und Kulturreisen oder auch Landurlaub.

So bietet ein Reiseveranstalter ab Radebeul-Ost beispielsweise eine Ausfahrt mit der Dampfbahn, auf der den Gästen an Bord der sanft schaukelnden historischen Personenwaggons des „Lößnitzdackels“ sächsische Weine kredenzt und fachkundig präsentiert werden - während die Steillagen mit den Rebflächen am Fenster vorüberziehen.(dpa)