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Autobahn GmbH verbietet Bau einer Schallschutzwand

Eine Firma will im Zuge einer Gewerbeparkerschließung eine Wand an der A4 schließen. Die Autobahn GmbH sagt nein, obwohl sie es nicht bezahlen muss.

Von Uta Büttner
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An der Autobahn A4 bei Deutschenbora ist eine Lücke in der Schallschutzwand. Eine Firma möchte sie schließen, bekommt aber keine Erlaubnis.
An der Autobahn A4 bei Deutschenbora ist eine Lücke in der Schallschutzwand. Eine Firma möchte sie schließen, bekommt aber keine Erlaubnis. ©  Claudia Hübschmann (Archiv)

Nossen. Die Planung des Gewerbeparks Deutschenbora, an der Autobahn 4 am Dreieck Nossen gelegen, geht weiter. Der Stadtrat hat der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplanentwurfes zugestimmt. Sehr zum Ärger einiger Anwohner, die zwischen den Autobahnen 4 und 14 wohnen. Der Lärm sei jetzt schon unerträglich. Deshalb waren sie zur Oktober-Stadtratssitzung auch mit Plakaten erschienen, auf denen sie fordern, keinen Gewerbepark zu bauen. Dennoch könnten sich einige vielleicht arrangieren, wenn der Investor eine Lücke in der Schallschutzwand direkt an der A4 schließt, womit wenigstens etwas Autobahnlärm ferngehalten wird. Doch nun darf der Investor, die Fuchs & Söhne Holding GmbH, die Wand nicht bauen.

Schon vor 30 Jahren war an dieser Stelle ein Logistikzentrum geplant. Die Erschließung mit Parkplätzen, Verkehrsanbindung und Entwässerungsleitungen sind bereits vorhanden. Doch dann wurde das Logistikzentrum nicht gebaut. Seitdem liegt die Fläche brach und ein Wäldchen ist entstanden. Die bereits versiegelte Fläche soll nun genutzt werden, um auf reichlich 13 Hektar Fläche demnächst Firmen anzusiedeln. Sascha Dienel, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Meißen (WRM) betonte, welche große Chancen dieser Gewerbepark biete. Firmen würden nur darauf warten, sich dort anzusiedeln, denn es gebe keine Gewerbeflächen mehr, auch nicht bei Dresden. Damit würden auch neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Die Anwohner allerdings sind sehr skeptisch. Sie fürchten weiteren Lärm. Denn die rund 400 Meter lange Schallschutzwand kann nicht gebaut werden. Christian Halpick von Fuchs & Söhne ist selbst enttäuscht, „wir haben ein Jahr lang darum gekämpft, dass wir die Wand bauen dürfen. 1,5 Millionen Euro wollen wir dafür investieren und dürfen es nicht.“ Obwohl es nicht die Aufgabe des Investors ist, die Flächen an der Autobahn ihm auch nicht gehören, wollte Fuchs & Söhne etwas zur Lärmminderung für die Anwohner tun. Aber die Autobahn GmbH des Bundes als Eigentümer hat dem Anliegen nicht zugestimmt, mit der Begründung, es sei nicht nötig, wie Halpick berichtete.

Hitzige Diskussion in Stadtratssitzung

Seit Jahrzehnten kämpfen die Anwohner, dass die Lücke in der Schallschutzwand endlich geschlossen wird. Ohne Erfolg. Und der Verkehr auf der S 83 sei schon jetzt stark. „Wir wollen keine komplette Verhinderung“, sagte Christian Wirth von der Bürgerinitiative (BI) gegen den Lärm in Deutschenbora. Aber, so betonte er auch, es dürfe sich nur „ruhiges Gewerbe“ ansiedeln, keine Transport- oder Betonfirma oder ähnliches. Brigitte Fleischhacker, ebenfalls von der BI, sagte, der Verkehr sei jetzt schon eine Katastrophe, deshalb dürfe es keinerlei zusätzliche Belastung geben. Wenn es keine Schallschutzwand gebe, dürfe es somit auch keinen Gewerbepark geben. In diesem Zusammenhang zitierte Stadtrat Gerald Rabe (CDU-Liste) den Planer Hans-Joachim Bothe, wonach er in der Stadtratssitzung im Mai vorigen Jahres sagte, dass es ohne die Schließung der Schallschutzwand keine Erschließung des Gewerbeparks geben werde. Bothe entgegnete, dass er nur der Planer sei, nichts versprechen könne. Beschließen könnten nur die Stadträte. Christian Halpick wandte sich daraufhin an Stadtrat Rabe, bat ihn, wenn er irgendwelche Ideen hätte, wie die Wand noch gebaut werden könnte, solle er sich bitte an ihn wenden. Die Firma hätte alles versucht. Interessant war noch der Einwurf von Christian Wirth, wonach es vor 30 Jahren eine Erlaubnis an den damaligen Investor gab, die Lücke in der Schallschutzwand zu schließen. Er will nun nach den Unterlagen suchen.

Die Stadträte sind sich der großen Verantwortung bewusst, das war der Diskussion zu entnehmen. Froh seien sie darüber, dass der Investor mit Anwohnern und Stadträten redet, sagte Rico Weser von der Unabhängigen Bürgerliste Nossen (UBL). Einige wollten wegen der Brisanz die Entscheidung vertagen, die Mehrheit sprach sich allerdings dagegen aus. So wird nun vom 10. November bis zum 10. Dezember der Plan öffentlich ausgelegt.