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Bautzen: So hat der Winter den Verkehr im Griff

Die stellenweise dramatischen Situation auf Straßen und Schienen im Landkreis hat sich am Dienstag etwas beruhigt. Doch einige Einschränkungen bleiben.

Aufgrund der aktuellen Wetterlage kam es am Dienstag zu erheblichen Verkehrseinschränkungen im Landkreis Bautzen, wie hier auf der A 4 zwischen Görlitz und Dresden am Rastplatz Löbauer Wasser nach einem Unfall.
Aufgrund der aktuellen Wetterlage kam es am Dienstag zu erheblichen Verkehrseinschränkungen im Landkreis Bautzen, wie hier auf der A 4 zwischen Görlitz und Dresden am Rastplatz Löbauer Wasser nach einem Unfall. © LausitzNews/Jens Kaczmarek

Bautzen. Nach den heftigen Schneefällen in Deutschland und dem damit verbundenen Verkehrseinschränkungen hat sich die Lage am Dienstag im Landkreis Bautzen wieder etwas beruhigt. Doch warum kommt es immer wieder zu so einem Verkehrschaos im Landkreis? Ist der Winterdienst auf solch einen heftigen Wintereinbruch nicht mehr ausreichend genug vorbereitet? Sächsische.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie ist die aktuelle Lage im Landkreis Bautzen?

Mit Stand von Dienstagabend besteht im Landkreis Bautzen noch eine Straßensperrung. So ist die Straße zwischen den Elstraer Ortsteilen Rauschwitz und Rehnsdorf gesperrt. „Hier wird versucht, die Befahrbarkeit herzustellen“, erklärte Sabine Rötschke, Pressesprecherin des Landratsamtes.

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Auf der A4 habe sich die Verkehrssituation weitgehend beruhigt. Seit Dienstagvormittag rollt der Verkehr dort wieder. „Der Verkehr in Richtung Dresden läuft bis Pulsnitz flüssig, von dort an stockend. In Richtung Görlitz gibt es keine nennenswerten Beeinträchtigungen“, teilte Polizeisprecher Sebastian Ulbrich am Dienstagmittag mit.

Von den Unfällen am Dienstag war das Technische Hilfswerk, das stundenlang auf der A4 geholfen hatte, selbst betroffen.
Von den Unfällen am Dienstag war das Technische Hilfswerk, das stundenlang auf der A4 geholfen hatte, selbst betroffen. © LausitzNews/Jens Kaczmarek

Dennoch kam es am Dienstag zu zahlreichen Verkehrsunfällen, bei denen laut der Polizei niemand verletzt wurde. Davon betroffen war auch das THW. So wurde der Zittauer Ortsverband am Dienstag gegen 3 Uhr in der Nacht zur Hilfeleistung an den berüchtigten Burkauer Berg gerufen. Auf dem Rückweg nach mehr als fünf Stunden kam auf Höhe des Rastplatzes Löbauer Wasser in Fahrtrichtung Görlitz ein Gerätewagen des THW ins Schlingern und stieß gegen die Leitplanke. Auch ein weiteres Fahrzeug rutschte in den Straßengraben.

Fahren die Züge und Busse wieder planmäßig?

Am Montag waren viele Züge und Busse ausgefallen. Auch am Dienstag mussten sich die Fahrgäste auf viele Einschränkungen einstellen. Problem waren vor allem zugefrorene Weichenanlagen. „Kritischster Punkt ist hier der Knotenbahnhof Bischofswerda“, sagte Länderbahnsprecher Jörg Puchmüller. Einige Fahrten wurden deswegen gestrichen.

Der Fahrplan der Länderbahn wird deswegen auch am Mittwoch nur ausgedünnt fortgeführt. Einige Züge fallen ganz aus. Bei den fahrenden Bahnen gibt es einiges zu beachten: So fahren die Züge zwischen Görlitz und Dresden über Bautzen durch. Die Züge zwischen Zittau und Dresden verkehren jeweils nur bis Bischofswerda.

Seit Dienstagmittag steht auch ein Wärmebus am Bahnhof in Bischofswerda. Wartende Fahrgäste sollen sich darin aufwärmen können. Der Bus soll am Dienstag bis 23 Uhr dort stehen. Wie es in den Tagen darauf aussieht, sei noch offen - der Bus soll aber so lange bleiben, wie es notwendig ist, sagt Jörg Puchmüller.

Busse fahren größtenteils wieder, können sich aufgrund der schwierigen Straßenverhältnisse aber verspäten.

Warum kommt es immer wieder zu Verkehrschaos?

Dafür spielen viele Faktoren eine Rolle. „Nach unseren Erkenntnissen würden sich viele Behinderungen und Staus vermeiden lassen, wenn sich alle Verkehrsteilnehmer an die folgenden Grundregeln hielten: Tempo den Gegebenheiten anpassen, vernünftige Winterbereifung aufziehen, im Bedarfsfall eventuell sogar Schneeketten, und die Kolonnen der Winterdienste nicht überholen beziehungsweise nicht dazwischen durchdrängeln“, erklärte Tino Möhring, Pressesprecher der Autobahn GmbH Ost.

Anscheinend gäbe es immer wieder Verkehrsteilnehmer, die sich nicht daran halten. Der Winterdienst gerate dann an die Grenze und könne nur verzögert räumen und streuen. Die Polizei rät deswegen vor allem Lkw-Fahrern auf der Autobahn, unbedingt eine ausreichend breite Rettungsgasse bilden und wenn möglich nur die rechte Fahrspur zu nutzen. „Besonders an Anschlussstellen sollten alle Verkehrsteilnehmer darauf achten, diese für Einsatzkräfte frei zu halten“, teilte Polizeisprecher Sebastian Ulbrich mit.

Außerdem sollen sich die Verkehrsteilnehmer auch auf Staus vorbereiten. Um lange Wartezeiten zu überbrücken, seien eine Decke sowie Getränke und Snacks im Auto hilfreich. „Eine Schaufel, Schneeketten und Anfahrhilfen können dabei helfen, wenn das Fahrzeug einmal steckengeblieben ist. Wichtig ist es, jederzeit für genügend Kraftstoff im Tank zu sorgen“, erklärte der Polizeisprecher.

Warum wurde die A4 nicht komplett gesperrt?

Solche Entscheidungen liegen laut der Autobahn GmbH bei der zuständigen Polizei. Am Montag sperrte diese die Autobahn abschnittsweise zwischen Ohorn und Weißenberg, als schon viele LKW liegengeblieben waren und der Winterdienst nicht mehr räumen konnte.

Warum nicht eher gehandelt und die Autobahn für den LKW-Verkehr komplett gesperrt wurde, erklärt die Polizei wie folgt: „Der Güterverkehr wäre vermutlich in noch größerer Zahl auf das mindestens ebenso sensible Straßennebennetz ausgewichen. Hier genügen kleine Zwischenfälle, um den Verkehr gänzlich zum Erliegen zu bringen." Dies hätte negative Auswirkungen auf den Individualverkehr bis hin zum öffentlichen Personennahverkehr und auch auf die Warenverfügbarkeit in der Region haben können. Die Probleme wären also lediglich örtlich verlagert worden.

Kann der Winterdienst etwas für das Verkehrschaos?

In den sozialen Netzwerken wurde schnelle Kritik am Winterdienst geübt. Doch er kann nicht überall gleichzeitig sein. Die Straßenmeistereien im Kreis Bautzen sind in den letzten 24 Stunde rund um die Uhr im Einsatz gewesen. Insgesamt 193 Tonnen Streusalz sind verstreut worden, teilt das Landratsamt mit. Im Lager befindet sich noch etwa ein Drittel des Salzvorrates. Nachschub ist bereits bestellt worden.

Der Verbrauch an Salz sei in diesem Jahr besonders hoch. „Im Schnitt liegt der Gesamtverbrauch in einer normalen Wintersaison bei etwa 6.000 Tonnen insgesamt“, erklärte Sabine Rötschke vom Landratsamt. In dieser Wintersaison sei bereits 6.400 Tonnen verbraucht worden.

Auf der A4 sind die Straßenmeistereien der Autobahn GmbH für den Winterdienst verantwortlich. „Für Ostsachsen sind das die Meistereien in Weißenberg, Dresden-Nickern und Dresden-Hellerau. Im Winter sind grundsätzlich alle Kolleginnen und Kollegen im Schicht-Betrieb oder in Rufbereitschaft dauerhaft im Einsatz, so auch in der jetzigen Wetterlage“, erklärte Tino Möhring.

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