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A-4-Ausbau: So ist der Stand

Um das Mammutprojekt vorzubereiten, wurde vor einem Jahr ein Büro in Bautzen eröffnet. Hier dreht sich alles um Brücken, Landschaftspflege und Lärmschutz.

Wenn an der staugeplagten A 4 gebaut wird, gibt es noch mehr Probleme als ohnehin. Um Abhilfe zu schaffen, soll die Autobahn zwischen Nossen und Bautzen mehr Fahrspuren bekommen.
Wenn an der staugeplagten A 4 gebaut wird, gibt es noch mehr Probleme als ohnehin. Um Abhilfe zu schaffen, soll die Autobahn zwischen Nossen und Bautzen mehr Fahrspuren bekommen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. So einen "großen Bahnhof" hatte das Altbauhaus an der Bautzener Steinstraße noch nicht erlebt. Am 13. Dezember 2019 drängelten sich Verkehrsplaner der Projektgesellschaft Deges und Politiker in einer der oberen Etagen. Ein Jahr später wären solche Menschentrauben undenkbar, aber vor zwölf Monaten dachte hier niemand an Corona. Sondern nur an eine breitere Autobahn zwischen Nossen und Bautzen. Und in dem Bautzener Altbauhaus sollten dafür wichtige Planungen laufen.

Das tun sie inzwischen auch, berichtet Deges-Sprecher Lutz Günther. Demnach bereiten zwei Projektteams der Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) den Ausbau der A 4 vor. Jedes Projektteam besteht aus einem Projektleiter und mehreren Fachleuten, die für Details wie Ingenieurbau, digitales Planen, Bauvorbereitung, Vergabe und Recht zuständig sind. Insgesamt arbeiten laut Günther 30 Personen in beiden Teams.

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In diesem Altbau an der Steinstraße in Bautzen bezog die Projektgesellschaft Deges im Dezember 2019 ein Büro. Von hier aus wird der Ausbau der Autobahn zwischen Nossen und Bautzen geplant.
In diesem Altbau an der Steinstraße in Bautzen bezog die Projektgesellschaft Deges im Dezember 2019 ein Büro. Von hier aus wird der Ausbau der Autobahn zwischen Nossen und Bautzen geplant. © SZ/Uwe Soeder

Weil das vorhandene Personal der Deges für das A-4-Projekt nicht ausreichte, wurden neue Mitarbeiter aus Dresden, Bautzen, Kamenz und Zittau eingestellt. "Die Mitarbeiter der Projektteams verteilen sich auf die Zweigstelle in Bautzen und die Zentrale in Berlin, wobei sie zwischen den Standorten teilweise pendeln oder sich über digitale Plattformen austauschen", erklärt der Deges-Sprecher.

Staus sind an der Tagesordnung

Zwischen dem Dreieck Dresden-Nord und der Anschlussstelle Bautzen-Ost soll die Trasse von vier auf sechs Fahrspuren wachsen, zwischen den Dreiecken Dresden-Nord und Nossen von sechs auf acht. Das Projekt soll nach heutigen Planungen etwa 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro kosten.

Schon länger hält die Trasse der sprunghaft gestiegenen Belastung nicht mehr stand. So sind auf den 15 Kilometern zwischen den Anschlussstellen Dresden-Nord und Pulsnitz täglich mehr als 67.000 Fahrzeuge unterwegs, auf den 38 Kilometern zwischen Pulsnitz und Bautzen-Ost immerhin noch mehr als 55.000. Zwischen Nossen und Dresden rollen täglich gar mehr als 100.000 Fahrzeuge, jedes dritte davon ist ein Lkw. Staus und Unfälle sind an der Tagesordnung.

Verkehrsprognose für 2035 wird jetzt erstellt

Inzwischen gab es eine detailliertere Verkehrszählung, berichtet der Deges-Sprecher. "Die Ergebnisse liegen vor und werden derzeit ausgewertet, um in den kommenden Wochen die Verkehrsprognose 2035 zu erstellen. Auch die Kartierungen von Flora und Fauna sind abgeschlossen."

Bereits im Sommer hatte die Deges berichtet, der gesamte, rund 86 Kilometer lange Abschnitt zwischen Nossen und Bautzen befinde sich in der Grundlagenermittlung. Jetzt nennt die Projektgesellschaft Details: Der Abschnitt wurde in zehn sogenannte Verkehrseinheiten unterteilt. Für mehrere dieser Einheiten beginnt 2021 die Planung des Bau-Vorentwurfs. "Dabei handelt es sich im Grunde um die technische Feinplanung der Vorzugsvariante", erklärt Lutz Günther. "Geplant wird die lage- und höhenmäßige Ausgestaltung sowie die Festlegung aller technischen Details wie Entwässerung, Lärmschutz, Brücken und Landschaftspflege."

Wird der Standstreifen zur zusätzlichen Fahrspur?

Allein 233 Brücken und andere Bauwerke sind zu planen, teilweise zu verlängern, teils neu zu bauen. Auf 63 Kilometern soll die Trasse Lärmschutzwände erhalten.

Weil bis zum ersten Spatenstich aber noch einige Planungszeit vergehen wird, strebt die Deges für einige besonders staugefährdete Abschnitte eine Zwischenlösung an. Diese könnte darin bestehen, den Standstreifen zeitweise für den Verkehr freizugeben. Dazu wurde eine Machbarkeitsstudie auf den Weg gebracht, die allerdings noch nicht vorliegt.

Im Dezember 2019 ging das noch ohne Mund-Nasen-Schutz: Deges-Bereichsleiter Michael Ditter und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer freuen sich über die Eröffnung des Bautzener Büros.
Im Dezember 2019 ging das noch ohne Mund-Nasen-Schutz: Deges-Bereichsleiter Michael Ditter und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer freuen sich über die Eröffnung des Bautzener Büros. © SZ/Uwe Soeder

Die 1991 gegründete Deges gehört zu knapp 30 Prozent dem Bund. Jeweils rund sechs Prozent an der Gesellschaft besitzen die Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Berlin. Miteigentümer Sachsen übertrug der Deges im Herbst 2019 die Verantwortung für den A-4-Ausbau.

Die A 4 ist dem Unternehmen nicht unbekannt. Unter Regie der Deges erfolgte der sechsspurige Ausbau zwischen den Autobahn-Dreiecken Nossen und Dresden-West. Außerdem realisierte die Gesellschaft in Sachsen unter anderem den Neubau der A 17 zwischen Dresden und der deutsch-tschechischen Grenze sowie den Bau des Leipziger City-Tunnels.

Ausbau bis zur Neiße muss noch warten

Langfristig soll die A 4 bis zur deutsch-polnischen Landesgrenze sechsspurig ausgebaut werden. So steht es im Strukturstärkungsgesetz des Bundes. Aber Planungen dafür laufen noch nicht. Zunächst geht es um den Abschnitt zwischen dem Dreieck Nossen und der Anschlussstelle Bautzen-Ost.

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