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So soll die A4 sechsspurig werden

Vermessungsfachleute sind auf beiden Seiten der Trasse unterwegs. Untersucht wird ein breiter Korridor zwischen dem Dreieck Dresden Nord und Leppersdorf.

Auf der A4 bei Ottendorf geht es oft eng zu. Bund und Freistaat planen die Strecke sechsspurig auszubauen.
Auf der A4 bei Ottendorf geht es oft eng zu. Bund und Freistaat planen die Strecke sechsspurig auszubauen. © Archivfoto: Steffen Unger

Radeberg. Einwohner von Hermsdorf und Ottendorf müssen quasi nur aus dem Fenster schauen. Fast ununterbrochen rollt der Verkehr auf der Autobahn vorbei: Auf der rechten Spur Stoßstange an Stoßstange die Sattelschlepper, auf der linken Transporter, Pkw, Motorräder. Laut Verkehrszählungen sind zwischen den Anschlussstellen Dresden-Nord und Pulsnitz täglich mehr als 67.000 Fahrzeuge unterwegs. Im dichten Verkehr passieren immer wieder schwere Unfälle, kaum eine Woche vergeht ohne langen Stau.

Bund und Land sind sich einig, die Autobahn zwischen dem Kreuz Nossen und der Abfahrt Bautzen Ost wird erweitert. Zwischen Dresden Nord und Bautzen Ost wird die A4 von derzeit vier auf sechs Spuren verbreitert, zwischen den Dreiecken Dresden-Nord und Nossen von sechs auf acht. Während die Vorbereitungen bisher eher in Planungsbüros passierten, wird es jetzt konkret. In den nächsten Wochen sind links und rechts der Autobahn Vermesser unterwegs. Im Abschnitt zwischen Hermsdorf und der Abfahrt Pulsnitz ist das seit Anfang Mai der Fall. Das geht aus einer Mitteilung hervor. Mit ihren genauen GPS-Geräten werden Straßen, Wege und Grundstücksgrenzen vermessen.

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A4-Verbreiterung auch auf einer Seite möglich

Nach Angaben von Lutz Günther, Mitarbeiter der Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau Gesellschaft (Deges), wird dabei ein Streifen von rund 30 bis 50 Metern beiderseits der Autobahn vermessen. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für die nachfolgenden Planungen. Wie breit der Streifen für die zusätzlichen Spuren werden wird, ist noch unklar. Das hängt von den konkreten Plänen ab: Wird eine Böschung errichtet oder eine platzsparende Stützmauer. Denkbar ist auch, die Verbreiterung nur auf einer Seite vorzunehmen und die Spuren dann auf der Trasse insgesamt zu verschieben.

Sollten Grundstückseigentümer für die Verbreiterung der Autobahn einen Streifen ihrer Fläche abgeben müssen, werden sie finanziell entschädigt. Besonders eng geht es zwischen den Anschlussstellen Hermsdorf und Ottendorf-Okrilla zu. Hier sind die Fahrspuren von hohen Schallschutzwänden begrenzt. An der Auffahrt Hermsdorf stehen Wohnhäuser dicht hinter den Wänden. Wie hier die Verkehrsführung aussehen wird, ist unklar. Lutz Günther bestätigte jedoch, dass die geplante sechsspurige Erweiterung der A4 den kompletten Abschnitt zwischen dem Autobahndreieck Dresden-Nord und der Anschlussstelle Bautzen-Ost umfasst.

Mehr als 200 Bauwerke werden überprüft

Nach Angaben der Deges müssen auf dem gesamten Abschnitt zwischen Nossen und Bautzen Ost insgesamt 233 Brücken und Stützwände überprüft und gegebenenfalls verändert werden. Auf 63 Kilometern soll die A4 Lärmschutzwände erhalten. Die Autobahndreiecke Nossen und Dresden-West werden umgebaut. Die Anschlussstellen Ottendorf-Okrilla und Hermsdorf sollen angepasst werden. Im Zusammenhang mit der Ortsumfahrung von Ottendorf/Neubau B97 war bereits eine Verlegung der Anschlussstelle Hermsdorf ins Gespräch gebracht worden. Sie soll in der Nähe des Gewerbegebietes Weixdorf entstehen. Die Auffahrt Hermsdorf entfällt künftig.

Zuletzt hatten die Planungen für die A4-Verbreiterung an Fahrt aufgenommen. In Bautzen hatte die Deges 2019 ein Büro eröffnet. Vergangenes Jahr waren zusätzliche Mitarbeiter für Ingenieurbau, digitales Planen, Bauvorbereitung und die Auftragsvergabe eingestellt worden. Rund 30 Mitarbeiter beschäftigen sich mit dem Projekt. Die 1991 gegründete Deges gehört zu knapp 30 Prozent dem Bund. Jeweils rund sechs Prozent an der Gesellschaft besitzen die Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Berlin. Miteigentümer Sachsen übertrug der Deges im Herbst 2019 die Verantwortung für den Ausbau der Autobahn 4.

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Wann zwischen Dresden Nord und Bautzen mit der Erweiterung begonnen wird, ist laut Lutz Günther noch offen. „Dazu ist aufgrund der sehr frühen Planungsphase noch keine Aussage möglich“, erklärte er. Sicher ist jedoch, dass das Vorhaben teuer wird. Die Planer rechnen derzeit mit Kosten in Höhe von etwa 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro.

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