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Polizei holt Demonstranten von A4-Brücke

Nach stundenlanger Sperrung ist die Autobahn 4 bei Dresden wieder frei. Das SEK hat beide Brückenbesetzer, die sich abgeseilt hatten, heruntergeholt.

Spezialisten der Polizei holen die abgeseilten Klimaschützer von der Brücke.
Spezialisten der Polizei holen die abgeseilten Klimaschützer von der Brücke. © Tino Plunert

Dresden. Der spektakuläre Polizeieinsatz an der sogenannten Podemuser Brücke, die in Dresden-Merbitz über die Autobahn 4 führt, ist beendet. Gegen 8.15 Uhr hatten laut Polizei mehrere Autofahrer per Notruf gemeldet, dass sich zwei Personen von der Brücke abseilen.

Alarmierte Beamte stellten dann drei Deutsche - zwei 24-jährige Frauen und einen 30-jährigen Mann - auf der Brücke fest, sowie zwei Personen, die von der Brücke herabhingen. Diese hatten sich laut Polizei direkt unter der Fahrbahn der Brücke mit einem Seil so befestigt, dass sie sich nicht aus eigener Kraft befreien konnten.

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Eine Person hing dabei über der Fahrspur in Richtung Chemnitz, die andere über der Gegenfahrbahn Richtung Dresden. Die Polizei sperrte die A 4 deshalb gegen 8.30 Uhr in beide Richtungen - zur "Gefahrenabwehr".

Massiver Stau auf der A4

Zur Rettung der beiden selbsternannten Umweltschützer wurden Spezialkräfte des Landeskriminalamtes (LKA) Sachsen angefordert. Die auf Höhenrettung spezialisierten Einsatzkräfte befreiten nacheinander die beiden deutschen Männer im Alter von 24 und 40 Jahren aus den verknoteten Seilen. Zuvor hatte die Verhandlungsgruppe des LKA Sachsen versucht, die beiden Aktivisten dazu zu bewegen, ihren Platz zu verlassen.

Der Verkehr wurde gegen 13.30 Uhr wieder in beide Richtungen freigegeben. "Der massive Stau zwischen Hellerau und dem Autobahndreieck Nossen muss sich nun wieder auflösen", teilt die Polizei gegen 14.30 Uhr mit.

Die Dresdner Polizei ermittelt nun wegen des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Insgesamt 45 Einsatzkräfte waren am Einsatz beteiligt. Bei dem Einsatz wurde niemand verletzt.

Alle Entwicklungen im Liveticker:

Update, 13.31 Uhr: Wie die sächsische Polizei mitteilt, sind beide Fahrtrichtungen auf der A 4 nun wieder freigegeben. Es kommt allerdings noch zu Stau.

Update, 13.05 Uhr: Der zweite Brückenbesetzer wird doch ohne Hebebühne von der Brücke geholt. Höhenretter des SEK lassen ihn am Seil zu Boden. Der Mann hing mehrere Stunden in den Seilen über der Autobahn. Die Dresdner Polizei hat die Ermittlungen wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr aufgenommen.

Die Brückenbesetzer wurden nach dem Abseilen von der Polizei festgenommen.
Die Brückenbesetzer wurden nach dem Abseilen von der Polizei festgenommen. © Tino Plunert

Update, 13 Uhr: Ein erster Klimaschützer, der sich an der Autobahnbrücke abgeseilt hatte, wurde in den Korb der Hebebühne gebracht und zu Boden gelassen. Dort wurde er von Polizisten durchsucht und in Gewahrsam genommen. Da der zweite Besetzer über der Gegenfahrband hängt, musste die Hebebühne zunächst von der Autobahn abfahren, um auf der Gegenspur wieder auffahren zu können.

Update, 12.47 Uhr: Eine Hebebühne wird auf der Autobahn unter der Brücke in Position gebracht. Laut Polizei ist der Stau auf der A4 nun zwischen Hellerau und Nossen. Die Dresdner Verkehrspolizei sei ebenfalls im Einsatz. Auch die Umleitungsstrecken seien derzeit stark belastet.

Update, 12.29 Uhr: Spezialisten der Polizei holen derzeit die abgeseilten Klimaschützer von der Brücke. Laut Polizei handelt es sich um speziell ausgebildete Höhenretter des SEK. Die Autobahn ist weiter voll gesperrt.

Update, 11.37 Uhr: Inzwischen ist die A 4 bei Dresden seit drei Stunden dicht. Die Verkehrsüberwachung und die Autobahnpolizei haben Umleitungsstrecken eingerichtet, sagt Polizeisprecher Lukas Reumund. Autofahrer sollen den Abschnitt im Dresdner Westen umfahren. Spezialeinsatzkräfte, die die zwei abgeseilten Menschen von der Brücke holen, seien unterwegs.

Im Internet berichten die Klimademonstranten freudig, einzelne Autos dürften umdrehen, um die Autobahn zu verlassen.

Auf Twitter wird in dem Zusammenhang erneut der Hashtag #blockfriday genutzt, der den sogenannten "Black Friday" umwidmet, eine Verkaufsveranstaltung des Einzelhandels mit vielen Rabatten am Tag nach Thanksgiving.

Update, 10.42 Uhr: Spezialisten der Polizei sind eingetroffen. Sie sollen die Klimaschützer von der Brücke holten, die sich dort abgeseilt haben. Sie weigerten sich, ihre Aktion von sich aus zu beenden, deshalb durfte die Feuerwehr nicht eingreifen.

Zwei Menschen haben sich neben dem Spruchband an die Brücke gehängt.
Zwei Menschen haben sich neben dem Spruchband an die Brücke gehängt. © Tino Plunert

Der Hintergrund: bundesweiter Protest der "Klimagerechtigkeitsbewegung" am Freitag

Nichts geht mehr seit dem Morgen auf der Autobahn 4 zwischen der Anschlussstelle Dresden-Altstadt und dem Autobahndreieck Dresden-West. Zwei Personen haben sich von einer Brücke abgeseilt. Sie verbindet den Oberlandring mit der Straße "An der Autobahn". Weitere Unterstützer der Aktion befinden sich offenbar auf der Brücke. Zwischen den abgeseilten Personen hängt ein Spruchband mit der Aufschrift "Verkehrswende statt Klimakrise".

Polizei und Feuerwehr waren schnell vor Ort. Laut einem Polizeisprecher sollen die zwei Personen auf den Boden geholt werden. Wann die A 4 wieder frei ist, steht zurzeit noch nicht fest.

Die Aktion an der Brücke über die Autobahn sei Teil eines bundesweiten Protests der "Klimagerechtigkeitsbewegung", heißt es in einer Mitteilung der Verantwortlichen. Ähnliche Aktionen finden ihnen zufolge derzeit auf der A 2 bei Braunschweig, der A 4 bei Jena, der A 7 bei Hüsby (Schleswig-Holstein), der A 20 bei Tribsees (Mecklenburg-Vorpommern), zwei Autobahnen bei Kassel und der A 485 bei Gießen (beide in Hessen) statt.

Damit solle Druck auf das Bundesverkehrsministerium, die hessische Landesregierung und gesellschaftliche Diskurse ausgeübt werden, heißt es weiter. Die Beteiligten der Aktion fordern den Ausbau-Stopp der A 49, einer durch Nordhessen verlaufenden Autobahn, ein Ende von Rodungsarbeiten in einem Wald, die für diese Autobahn stattfinden, sowie eine "umfangreiche und nachhaltige Verkehrswende", sagt der Sprecher der Dresdner Demo-Teilnehmer Sebastian Sacht.

Zwei Protestierer haben sich an Seilen an die Brücke gehängt.
Zwei Protestierer haben sich an Seilen an die Brücke gehängt. © Tino Plunert

Die Klima-Demonstranten haben etwa einen Monat lang für die Vorbereitung der Aktion gebraucht, erklärte er auf SZ-Nachfrage. Sie hätten der Polizei vorgeschlagen, den Verkehr in beiden Richtungen einspurig vorbeizuleiten, auf beiden Autobahnseiten sei eine Spur nicht von ihrer Protestaktion betroffen. "Wir hängen nicht über den Außenspuren", so Sebastian Sacht. Bisher seien die Beamten aber nicht auf diesen Vorschlag eingegangen.

Insgesamt sind etwa zehn Personen an der Klimaschutz-Demo beteiligt. Es sei die erste dieser Art in Dresden. "Wenn sich nichts ändert, dann sind solche Aktionen weiter notwendig", sagt Sebastian Sacht. Unmittelbar nach Beginn der Aktion veröffentlichten die Verantwortlichen im Kurznachrichtendienst Twitter ein Foto, das ihre Demonstration an der Brücke zeigt, während der Verkehr auf der A 4 noch rollt.

Der sächsische Verkehrsminister Martin Dulig findet die Aktion nicht in Ordnung. "Diese Art des Protestes gefährdet Menschenleben und stellt einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr dar. Ich habe dafür null Verständnis", sagte der SPD-Politiker. (mit dpa)

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