merken
PLUS Meißen

Letzter Meilenstein auf der A4-Baustelle

Das kritische Bauteil ist eingesetzt. Mitte August sollen wieder beide Spuren freigegeben werden. Die Bauarbeiten sind damit noch nicht abgeschlossen.

Über viele Wochen hinweg musste der Termin zum Einlassen der Übergangskonstruktion verschoben werden.
Über viele Wochen hinweg musste der Termin zum Einlassen der Übergangskonstruktion verschoben werden. ©  Claudia Hübschmann

Triebischtal. Viele Wochen wurde der Termin verschoben, nun verzögert sich der heikle Bauschritt erneut, von dem so viele weitere Arbeiten abhängen. Der passende Autodrehkran steht bereit, doch es regnet in Strömen: Allein das Fahrbahnwasser schießt als kleiner Fluss neben der Baustelle entlang, bis es in einer Böschung verschwindet.

"Wenn wir es nicht in ein Regenrückhaltebecken leiten würden, wäre die Triebisch regelmäßig überflutet", erklärt Projektleiter Matthias Knorr, der Autobahn GmbH des Bundes, die seit 2021 für alle Autobahnen allein zuständig ist.

Anzeige
Volljurist (m/w/d) gesucht
Volljurist (m/w/d) gesucht

Die Bundespolizeidirektion Pirna sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt Unterstützung für die Leitungsposition eines Sachbereiches.

Für die Fortsetzung der Bauarbeiten wäre der Regen zwar egal, den Arbeitern allerdings nicht. Sobald das Wetter mitspielt, soll die klaffende Lücke mit einer sogenannten Übergangskonstruktion gefüllt werden, ohne die solch riesigen Brücken wie die Triebischtalbrücke überhaupt möglich wären: Denn so ein Großbauwerk steht nicht unbeweglich in der Landschaft. Bei großer Hitze dehnt sich die Fahrbahn der Länge nach aus, bei Kälte zieht sie sich wieder zusammen.

Die Übergangskonstruktion macht jede dieser Bewegungen wie eine riesen Ziehharmonika mit - breitet sich aus und zieht sich wieder zusammen. Nur so kann verhindert werden, dass nach Wetterumschwüngen nicht plötzlich 40 Zentimeter tiefe Risse in der Fahrbahn klaffen.

Eine komplizierte Mechanik sorgt dafür, dass der Autofahrer davon im besten Falle nichts bemerkt. Abgesehen von einem dumpfen Klacken beim Drüberfahren.

Mit dem Prinzip einer Ziehharmonika gleicht die Übergangskonstruktion die Bewegungen der Brücke aus. Das war früher sehr laut. Mit den neuen Bauteilen ist das Geräusch beim Überfahren deutlich leiser geworden.
Mit dem Prinzip einer Ziehharmonika gleicht die Übergangskonstruktion die Bewegungen der Brücke aus. Das war früher sehr laut. Mit den neuen Bauteilen ist das Geräusch beim Überfahren deutlich leiser geworden. ©  Claudia Hübschmann

Die Mechanik dahinter ist nichts Neues: Nur werden heute sogenannte Sinusplatten eingelassen, die deutlich leiser sind. Knorr spricht sogar von einem "Flüsterübergang". Aus dem anliegenden Dorf Groitzsch - so nah, dass es durch den Plexiglas-Lärmschutz trotz vieler Graffitis noch gut zu erkennen ist - hätte Knorr gehört, dass die neuen Platten ohne Rillen eine deutliche Erleichterung wären.

Ende August soll Baustelle auf A4 verschwinden

Verbaut werden diese Konstruktionen auf allen Kontinenten: "Allerdings gibt es weltweit nur zwei Firmen, die das durchführen können", so Knorr. Termine seien deshalb rar. Ein weiterer Grund für die Verzögerung: Unter dem Asphalt wurde eine Geometrie entdeckt, die von der erwarteten abwich.

Das geplante Bauende könne trotzdem eingehalten werden. Einige Arbeiten wurden umgeplant, andere vorgezogen: "Sobald die Übergangskonstruktion eingelassen ist, geht alles ganz schnell", versichert Knorr. "Innerhalb von drei Tagen haben wir dann eine Deckschicht drauf."

Ab dem 14. August soll der Verkehr wieder zweispurig laufen. Erst mal auf zwei Spuren links und zwei Spuren rechts. Dann werde die Mittelüberfahrung instand gesetzt. Ende August sollen die Bauarbeiten komplett abgeschlossen sein.

Behutsam wird die 12 Tonnen schwere und 19 Meter lange Übergangskonstruktion eingelassen.
Behutsam wird die 12 Tonnen schwere und 19 Meter lange Übergangskonstruktion eingelassen. ©  Claudia Hübschmann

Langsam färbt sich der Himmel von einem dunklen Grau in ein lichtes Hellgrau. Allmählich hört es auf zu regnen: Die letzte, 19 Meter lange Übergangskonstruktion wartet darauf, eingelassen zu werden. Den Startschuss gibt das plötzliche Knattern einer Benzin-Flex, welche die permanente Geräuschkulisse der vorbeirauschenden Lkws durchbricht.

Langsam begibt sich der Arm des Krans in Position und lässt dann das zwölf Tonnen schwere Bauteil ein kleines Stück über dem Boden schweben, damit die massiven Montagestützen noch abgesägt werden können. Die Benzin-Flex heult, rote Funken verdampfen auf dem nassen Asphalt.

Das dauert so lange, dass ein Schneideblatt gewechselt werden muss. Dann endlich klappen die Stützen zur Seite weg und der 19-Meter-Koloss wird langsam in die Luft gehoben.

Das war's. Wenn es gut läuft, soll die nagelneue Übergangskonstruktion 25 Jahre lang halten, spätestens dann ist sie verschlissen. Gar nicht so sehr wegen der vielen Autos, sondern aufgrund der schweren Lkws. Knorr nennt die Faustregel, dass 300 Pkws den gleichen Einfluss wie ein einziger Lkw hätten.

Baustellen wird es auf der Brücke weiterhin geben: allein der Asphalt müsse alle acht bis neun Jahre erneuert werden. Und eine weitere Hoffnung muss Knorr trüben: "Zu den Hauptverkehrszeiten wird es auch im September Staus geben."

Einhub der Übergangskonstruktion an der Triebischtalbrücke auf der A4.
Einhub der Übergangskonstruktion an der Triebischtalbrücke auf der A4. © Claudia Hübschmann

Weiterführende Artikel

Wilsdruff: Lkw-Verbot ist spürbar

Wilsdruff: Lkw-Verbot ist spürbar

Die Zahl der Schwerlaster auf der Nossener Straße hat deutlich abgenommen. Wilsdruff lässt das genau zählen.

A4: Fahrverbote auf Umleitungen

A4: Fahrverbote auf Umleitungen

Seit Montag dürfen auf den Umleitungsstrecken in Wilsdruff und Nossen keine Lkw über 3,5 Tonnen mehr fahren. Die Polizei kontrolliert vor Ort.

Ausbau der A4 in Sachsen: So geht es jetzt weiter

Ausbau der A4 in Sachsen: So geht es jetzt weiter

Für die Autobahn 4 zwischen Nossen und Bautzen fließt kein Geld aus dem Kohle-Fonds. Was bedeutet das für das Projekt?

Die versteckte Mega-Baustelle auf der A4

Die versteckte Mega-Baustelle auf der A4

Warum ist auf der Triebischtalbrücke eine Fahrbahn gesperrt? Und wieso muss die Brücke von 1999 schon repariert werden? Die SZ hat vor Ort Erklärungen gesucht.

Großbauprojekte wie diese würden auf Ostdeutschland in den nächsten Jahren vermehrt zukommen, da die meisten Autobahnen zum gleichen Zeitpunkt gebaut bzw. erneuert wurden. In den letzten Jahren hätte man von dieser guten Basis gelebt. Nun würden Stück für Stück weitere solcher Baustellen anstehen.

Die Triebischtalbrücke wurde zum Beispiel im Jahr 1999 fertiggestellt. Also vor 22 Jahren - sehr viel länger hätte man die Bauarbeiten nicht aufschieben können.

Mehr zum Thema Meißen