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Wie gefährlich ist die Baustelle auf der A4?

Der ADAC sieht bei der Verkehrsführung im Bereich der Triebischtalbrücke Gefahr im Verzug. Die Autobahngesellschaft verteidigt ihre Maßnahmen.

Dramatische Szenen haben sich am 19. Mai bei einem Unfall im Bereich der Triebischtalbrücke auf der A4 abgespielt. Das Geschehen hat eine Diskussion um die Verkehrsführung ausgelöst.
Dramatische Szenen haben sich am 19. Mai bei einem Unfall im Bereich der Triebischtalbrücke auf der A4 abgespielt. Das Geschehen hat eine Diskussion um die Verkehrsführung ausgelöst. © Roland Halkasch

Nossen. Seit etwa einem Monat staut es sich auf der A4 bei Nossen wieder regelmäßig. Grund ist die Baustelle auf der Triebischtalbrücke, die noch bis Ende August andauern soll. Beobachtungen des ADAC Sachsen haben ergeben, dass die Ursache der Behinderungen nicht allein im Verkehrsaufkommen liegt, sondern auch die gewählte Verkehrsführung bei der Zusammenführung von A4 und A14 dazu beiträgt.

Der ADAC hat eigenen Angaben zufolge die Autobahngesellschaft über diese Problematik informiert und darum gebeten, diese schnellstmöglich, im Interesse der Verkehrssicherheit, noch einmal zu überprüfen und gegebenenfalls zu verändern.

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"Der tägliche kilometerlange Stau ist wirtschaftlich nicht vertretbar und gefährlich", erklärt Helmut Büschke, Vorstandsmitglied für Verkehr und Technik des ADAC Sachsen, die Lage am Autobahndreieck Nossen.

Weiterer Fahrstreifen könnte für Sicherheit sorgen

Die regelmäßigen Stauungen auf der A4, die sogar bis auf die A14 zurückreichen, könnten seiner Meinung nach verringert werden. Dass sie dazu gefährlich sind, habe der tödliche Unfall am 19. Mai gezeigt.

Ein Transporter war auf einen Lkw aufgefahren, weil er wohl das Stauende übersehen hatte. "Baustellen führen häufig zu Stau, das ist uns wohl bewusst, aber dennoch sollte alles dafür getan werden, dass unnötige Staus vermieden werden und die Verkehrssicherheit gewährleistet bleibt", so Büschke.

Lange Staus führen häufig dazu, dass Verkehrsteilnehmer den Staubereich über Nebenrouten und Ortsdurchfahrten umfahren. Dadurch entstehen weitere Risiken in puncto Verkehrssicherheit, aber auch Beeinträchtigungen durch Lärm und Abgase.

Ein weiterer Fahrstreifen könne nach Ansicht der Experten vom ADAC für Sicherheit sorgen. Die Zufahrt in die Baustelle von Seiten der A4 erfolgt über zwei Spuren, während die dritte Spur an der Mittelabgrenzung gesperrt ist. Von der A14 leitet nur eine statt der sonst zwei Spuren auf die A4.

Das Einfädeln des gesamten Verkehrs sorgt für kilometerlange Staus auf der A14. Nach Meinung des ADAC sollte die linke Fahrspur an der Mittelabgrenzung der A4 bis zum Ende der Einfädelungsstrecke der A14 genutzt werden, damit die Zusammenführung des Verkehrs der beiden Bundesautobahnen flüssiger geschieht und die Verkehrssicherheit beim Verflechten des Verkehrs gewahrt bleibt.

Zeit der Verkehrseinschränkungen minimieren

Widerspruch kommt vom Pressesprecher der Niederlassung Ost der Bundesautobahngesellschaft Tino Möhring. Analog zu den Leistungen im vergangenen Jahr auf der Richtungsfahrbahn Chemnitz würden derzeit jeweils zwei Fahrbahnübergangskonstruktionen je Brückenbauwerk an der Triebischtalbrücke und die Triebischseitentalbrücke ausgetauscht, die Fahrbahnen erneuert und Befestigung sowie Entwässerung instandgesetzt.

Der Verkehr werde bis zum Ende der Maßnahme Ende August auf circa vier Kilometern Länge mit jeweils zwei breiten Fahrstreifen an der Baustelle vorbeigeführt.

Die Verkehrsführung und -sicherung wurde nach Angaben von Möhring im Vorfeld mit den Trägern öffentlicher Belange abgestimmt. "Baustellen führen leider immer zu Verkehrsbeeinträchtigungen", so der Sprecher.

Aus diesem Grund habe sich das Unternehmen für die sogenannte Vier-zu-Null-Verkehrsführung entschieden, da sich die Bauzeit dadurch um circa zwei Monate verkürzt und die Zeit der Verkehrseinschränkungen damit minimiert werden kann.

Unfallschwerpunkt mit tödlichen Gefahren

Die in der Kritik stehende Baustelle war durch einen schweren Crash am 19. Mai einmal mehr in die Schlagzeilen geraten. Wie Polizeisprecher Robin Reichel mitteilte, ereignete sich der Unfall kurz nach 13 Uhr. Ihm zufolge befuhr der 32-jährige Fahrer eines Iveco-Kleintransporters die Autobahn in Richtung Dresden. Kurz vor dem Autobahndreieck Nossen "übersah er vermutlich das herannahende Stauende und fuhr ungebremst auf den Anhänger eines stehenden Volvo-Lkw".

Nur wenige Minuten nach dem Unfall eilten mehrere Rettungskräfte zur Unfallstelle. Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei kämpften sich durch den Stau, der bis hinter die Anschlussstelle Siebenlehn reichte. Auch ein Rettungshubschrauber flog zur Einsatzstelle.

Feuerwehrleute versuchten den Fahrzeugführer aus der Kabine zu schneiden. Anschließende Reanimierungsversuche beim 32-Jährigen scheiterten jedoch, er starb noch an der Unfallstelle. Der 54-jährige Fahrer des Volvo-Lkw wurde durch den Aufprall schwer verletzt und musste stationär in einem Krankenhaus aufgenommen werden.

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