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Weihnachtskrimi 2020

Der falsche Stollen: Bescherung vor Gericht

Ein Weihnachtskrimi mit süßem Geheimnis und einem alten Rezept. Es stellen sich 24 Fragen, für deren Antworten Sie gewinnen können. Heute der letzte Teil!

© Uwe Richter

Es war der Morgen des 24. Dezembers. In den Stuben Sachsens wurde der Heilige Abend vorbereitet. Doch am Dresdner Landgericht fand noch eine Verhandlung statt. Der schlecht gelaunte Richter murmelte: „Ich hätte zu Weihnachten gern Covid zu lebenslanger Haft verurteilt, aber nein, mir werden hier überlagerte Stollen aufgetischt. Das ist Krümeljustiz.“

Die Frau des Richters, die Abteilungsleiterin des Landeskriminalamtes Margit Puderle-Vögele, hatte durchgesetzt, dass das Gericht in einem Schnellverfahren klärt, was es mit dem falschen Stollen auf sich hat. Der Täter, der den DDR-Stollen im Freitaler Bergwerk entdeckt und einen Bäckerladen überfallen hatte, sollte verurteilt werden.

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Fragen und Antworten zur Corona-Krise am Beispiel des Dreiländerecks

Richter Otto Vögele, saß auf seiner Bank, rechts von ihm der Angeklagte und sein Verteidiger, links von ihm der Staatsanwalt. Otto Vögele sagte zu dem Täter: „Wir verhandeln hier den Fall ,Falscher Stollen‘. Also, Angenagter, hahaha, Angeklagter: Wann haben Sie Geburtstag?“ Der Angeklagte sagte: „Am 24.12.“ Vögele fragte: „Welches Jahr?“ Der Angeklagte antwortete: „Jedes Jahr.“

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Da meldete sich der Verteidiger und erklärte: „Ich möchte darauf hinweisen, dass in wenigen Stunden der Weihnachtsmann kommt, die Tannenbäume bereits angezündet sind und keiner in der Stimmung ist, jetzt ein Urteil über den Beschuldigten zu fällen. Es gibt einen Weihnachtsfrieden und vor allem gleich Würstchen mit Kartoffelsalat.“ Der Richter sah den Verteidiger verständnisvoll an und sagte: „Ich weiß, ich weiß. Ich muss auch noch für meine Frau ein Geschenk besorgen, obwohl wir uns versprochen haben, uns nichts zu schenken. Es haben ja auch alle Läden zu. Aber eine Schachtel mit feinsten handgefertigten Trüffel- und Pralinenspezialitäten wird wohl noch zu kriegen sein.“

Margit Puderle-Vögele sah zu ihrem Mann und sagte: „Komm zur Sache, Otto!“ Richter Vögele richtete seinen Blick zum Verteidiger und sagte: „Gleich vorab, ich habe kurz vor dem zweiten Advent einen Fall verhandelt, wo ein Bäcker aus Leipzig Sägespäne in das Mehl eingestreut hatte. Als Entlastung brachte er vor, es habe sich um Baumkuchen gehandelt und deshalb sei er unschuldig. Wenn Ihnen, Herr Verteidiger, bei diesem Tomaten-Kürbis-Möhren-Stollen hier eine ähnlich überzeugende Beweisführung einfällt, will ich gern Gnade walten lassen.“

Der Staatsanwalt erhob sich und sagte: „Bevor wir adventsbedingte Gnade üben, Herr Richter, trage ich mal die Anklage vor: Beklagter, Ihnen wird zur Last gelegt, Sie haben falschen Stollen bewegt und so die Hehlerei gepflegt. Stimmt das?“ Der Verteidiger und der Angeklagte schüttelten ihre Köpfe. Der Staatsanwalt weiter: „Wer derart das Gericht erregt, muss wissen, dass sich das nicht mit dem Gesetz verträgt und das wird dann mit Knast belegt. Denn wer einen oder mehrere Stollen, die er einem anderer gestohlen oder sonst durch eine gegen fremdes Vermögen gerichtete rechtswidrige Tat erlangt hat, sie absetzt oder beim Absetzen hilft, um sich oder einen Dritten zu bereichern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bestraft.“

Margit Puderle-Vögele rief in den Saal: „Wir sind hier nicht im Quatsch-Comedy-Club, sondern vor Gericht. Ich bitte um Ernsthaftigkeit!“ Der Richter nickte und rief den ersten Zeugen. Privatdetektiv Alfons Spätzle trat in den Zeugenstand. Der Richter sagte: „Herr Spätzle, Sie sagen jetzt mal die Wahrheit und nichts als die Wahrheit.“

Der Staatsanwalt fragte den Detektiv: „Sind Sie nüchtern?“ Der Verteidiger rief: „Einspruch: Die Promille sind hier nicht entscheidend.“ Der Richter sagte: „Abgelehnt. Nur Betrunkene sagen wirklich die Wahrheit.“ Spätzle gestand, dass er kurz vor der Verhandlung einen und noch einen Stollenschnaps getrunken habe. Der Staatsanwalt meinte, dass man somit seine Aussagen einzuschätzen wisse und fragte: „Haben Sie jemals von Stollen mit Ostobst und oder Gemüse als Ingredienzien gehört.“ Spätzle: „Nein, ich hatte nicht mal etwas von Ingre…, also Obst und Gemüse gehört.“

Der Staatsanwalt fragte weiter: „Aber der Angeklagte hat derartiges Backwerk aus dem Bergwerk entwendet?“ Spätzle: „Jedenfalls gelangte ein Stollenkarton auf meinem Schreibtisch. Der Rest vom Stollen lag im Stollen.“

Der Verteidiger merkte an, dass der Zeuge Spätzle wegen Trunkenheit in mehreren Fällen seinen Polizeibeamtenstatus verloren, sich aber offenbar nicht gebessert habe und deshalb unglaubwürdig sei. Der Staatsanwalt erwiderte: „Beamter oder nicht Beamter, das ist hier die Frage. Offenbar schützt aber die Aufhebung einer Verbeamtung nicht vor Alkohol. So gesehen kann Herr Spätzle auch wieder Beamter werden. Ich werde den Bundesinnenminister Horst bitten, dazu eine Studie in Auftrag zu geben.“ Der Richter entließ Spätzle aus dem Zeugenstand und fragte: „Wen haben wir noch? Ah, Frau Anneliese Sachse. Was haben Sie uns denn als Zeugin zu sagen?“

Die Sekretärin ging in den Zeugenstand und fragte: „Sie, Herr Richter Vögele, Sie sind doch, genau wie der Herr Spätzle, Schwabe?“ Der Richter lächelte und nickte. Die Sekretärin sprach weiter: „Die Mutter von Herrn Spätzle hat ihn kürzlich angerufen und meinte, er solle seine Bahwärdersdäfala abdecken. Was sind denn Bahwärdersdäfala?“

Der Verteidiger sprang von seiner Bank auf und rief: „Einspruch: Das tut hier überhaupt nichts zur Sache!“ Der Richter blickte Anneliese Sachse an und sagte: „Noch nie hat mich eine Sächsin nach einer Vokabel meines Dialektes gefragt. Ich hatte immer den Eindruck, Sachsen interessieren sich auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung gar nicht für uns Schwaben.“ Die Sekretärin fragte: „Wie geht denn nun Schwäbisch?“ Der Richter antwortete: „Bahwärdersdäfala sind große, abstehende Ohren, abgeleitet von Bahnwärterstafeln. Die schwäbische Mutter von Herrn Spätzle sorgt sich um die kalten Ohren ihres Sohnes. Ist das nicht süß!“

Der Richter klopfte jetzt auf den Tisch und fragte Anneliese Sachse, ob sie sich als einstige Chefsekretärin des VE Backwarenkombinat in der ehemaligen DDR noch an Kombinatskandinatstollen erinnern könne? Sie antwortete: „Der Stollen aus einem ehemaligen Land ist ein ehemaliger Stollen. Und deshalb kann ich mich auch nicht daran erinnern.“ Da meldete sich der Verteidiger des Angeklagten und rief: „Das ist die Wahrheit. Etwas Früheres, Einstiges, Damaliges oder eben Ehemaliges ist nicht gegenwärtig, es existiert nicht. Es ist nichts. Und wenn nichts ist, kann auch keiner bestraft werden.“

Richter Otto Vögele überlegte kurz, dann gratulierte er dem Verteidiger und meinte, dass sei genial und eine für ihn überzeugende Ehrenrettung des Angeklagten. Angesichts dieser Sachlage stellte er das Verfahren ein. „Von nichts kommt nichts“, sagte er. Margit Puderle-Vögele stampfte mit den Füßen auf den Boden und rief in den Saal: „Das ist eine Farce, eine Posse, ein einziges Theater. Komm Du mir nach Hause, Otto Vögele, komm Du mir nach Hause.“ Sie verließ den Raum und knallte beim Hinausgehen mit der Tür.

Der Richter sagte: „Wäre das auch erledigt. Es gibt da allerdings noch einen Überfall auf den Bäcker, der als Nebenkläger auftritt. Was ist mit dem Nebenkläger?“ Der Bäcker sagte: „Ich ziehe meine Klage zurück. Wir haben Weihnachtsfrieden und ich möchte endlich mit Frau Sachse unterm Tannenbaum sitzen.“ Der Staatsanwalt sagte: „Wer so den Heilig Abend pflegt und Frieden in dem Herzen trägt, der handelt wirklich überlegt. Das Gericht zieht sich zur Bescherung zurück.“

Der Angeklagte erklärte: „Ich habe es schon immer gesagt: Ich bin unschuldig.“ Dann verteilte er Stollen an alle. Wo er den besorgt hatte, wollte keiner wissen, denn er schmeckte so gut.

Das war das Ende unseres Weihnachtskrimis. Wir hoffen, Ihnen haben die 24 Episoden und die aufregende Spurensuche nach dem Ursprung des DDR-Stollens gefallen. Wenn Sie die ganze Geschichte noch einmal von Anfang an lesen wollen, legen Sie mit Kapitel 1 direkt noch mal los. Und auf unserem Adventskalender können Sie die Geschichte sogar auf einem Blick noch mal erleben.

Alle Episoden gibt es auch gelesen von Peter Ufer als Video bei AugustoTV.

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