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Anlagebetrug? Durchsuchung in Dresden und Rothenburg

Die Staatsanwaltschaft Hannover verfolgt in dem milliardenschweren "Fall Smethurst" nun auch Spuren in Sachsen.

Charles Smethurst (hier mit seiner Frau auf einer Jose-Carreras-Gala) steht im Mittelpunkt eines Finanzskandals, dessen Spuren nach Sachsen führen.
Charles Smethurst (hier mit seiner Frau auf einer Jose-Carreras-Gala) steht im Mittelpunkt eines Finanzskandals, dessen Spuren nach Sachsen führen. © Archiv/Imago

Dresden/Hannover. Der milliardenschwere mutmaßliche Betrugsskandal um den Immobilienunternehmer Charles Smethurst weitet sich nach Sachsen aus. Die Staatsanwaltschaft Hannover bestätigte Sächsische.de, dass Büroräume in Dresden sowie eine Privatwohnung in der Oberlausitz durchsucht worden seien. „Es geht um den Verdacht auf Anlagebetrug und Insolvenzverschleppung“, sagte Staatsanwalt Oliver Eisenhauer.

Mehr als ein Jahr nach der ersten Strafanzeige nahmen sich Ermittler zudem das Privathaus von Smethurst vor, ein ländliches Anwesen in der Nähe von Hannover. Der Geschäftsmann und seine Mitarbeiter hatten unter diversen Firmenbezeichnungen über Jahre Geld bei Anlegern eingesammelt. Nach einer großen Insolvenz können diese nicht mehr ausgezahlt werden. Ziel der Durchsuchungen war nach Angaben der Hannoveraner Staatsanwaltschaft die Firmengruppe Red Rock. Diese sei ebenfalls dem Umfeld von Smethurst zuzuordnen.

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Bereits in der vergangenen Woche hatte der Geschäftsführer der sächsischen AfD-Landtagsfraktion, Bernd Lommel, Sächsische.de gegenüber eingeräumgt, für Smethurst gearbeitet zu haben. Der Politiker, der auch für die AfD im Dresdner Stadtrat sitzt, war zumindest vorübergehend Chef der Red Rock Wealth Management in Birmingham wie auch der Red Rock Investment GmbH in Dresden.

Umgestellte Telefone und abgeschaltete Internetseiten

Diese Firma hat ihren Sitz am Flughafen. Ihr Geschäftsführer ist mittlerweile der ehemalige Vorstand des Jugendhilfswerk der deutschen Lion-Klubs, Alexander Rist, aus Bautzen. Die zweite, an der Dresdner Flughafenadresse registrierte Red-Rock-Firma leitete zuletzt Andreas Löhr, ein Finanzberater aus Rothenburg in der Oberlausitz. Nach Informationen von Sächsische.de war es Löhrs Wohnhaus im Ortsteil Nieder-Neudorf, dass die Staatsanwaltschaft Hannover neben den Büros am Flughafen durchsuchen ließ. Löhr und Rist kennen sich von der früheren OFL Anlagenleasing AG aus Bautzen. Dort ermittelte bereits 2015 die Staatsanwaltschaft Görlitz wegen Insolvenzverschleppung und vorsätzlichem Bankrott.

Löhr war für eine Stellungnahme am Mittwoch nicht erreichbar. Das Telefon seines Büros in Dresden war auf eine andere Firma umgestellt. Die auf der Homepage der Red Rock Capital AG angegebene PR-Agentur teilte auf Anfrage mit, man sei „nur der Hauptversammlungsdienstleister“, ansonsten habe man „mit Smethurst und den ganzen Red Rocks“ nichts zu tun.

Spuren führen zur ehemaligen OFL Anlagenleasing AG

Auf archivierten Internetseiten vom Mai 2019 heißt es, dass „unter dem Dach der Red Rock Group mit Sitz in Berlin, Dresden und Hannover verschiedene Projektentwicklungsgesellschaften“ arbeiteten. Diese würden „entwicklungsfähige Liegenschaften für den Wohnungsbau in ganz Deutschland“ kaufen. Die sollten dann saniert und anschließend mit Gewinn wieder verkauft werden.

Das Geld für den Kauf der Immobilien kam von 15.000 bis 25.000 Investoren, denen nach Recherchen von NDR, BR und Süddeutscher Zeitung innerhalb von bis zu fünf Jahren Renditen bis zu 15 Prozent pro Jahr versprochen worden seien. Von den eingesammelten gut 1,5 Milliarden Euro sei jedoch ein Großteil verschwunden. Die Finanzvermittler rund um Smethurst hätten Provisionen in Höhe von 20 Prozent der Kapitalanlage und mehr kassiert.

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Erst am vergangenen Freitag hatte die Bundesanstalt für Finanzdienstleitungsaufsicht (Bafin) einem Red-Rock-Unternehmen mit Sitz in Niedersachsen ein unerlaubtes Einlagengeschäft untersagt. Zuvor jedoch waren trotz Publizitätspflicht mehr als 700 Jahresabschlüsse aus dem Firmenreich von Smethurst nicht veröffentlicht worden, ohne dass die Bafin eingegriffen hätte.

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