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Ein Clubhaus mit Aussicht

Moderne Architektur bekommt in Sachsen immer mehr Zuspruch. Wir stellen fünf Projekte vor – heute in Teil 3 den Golfclub in Herzogswalde.

Blick auf den Golfplatz und in das Restaurant des Golfclubs in Herzogswalde.
Blick auf den Golfplatz und in das Restaurant des Golfclubs in Herzogswalde. © Matthias Rietschel

Herzogswalde liegt gut 15 Kilometer von Dresden entfernt an der Bundesstraße 173 Richtung Freiberg unweit des Tharandter Waldes. Die Straße gräbt sich dort tief in den Grund, und ganz in der Nähe ragen der Galgenberg und der Landberg aus der Landschaft. Auf den ersten Blick ein Dorf wie viele in Sachsen. Auf den zweiten Blick sind neben der Kirche das Jagdschloss mit seinem Park und ein Golfplatz zu entdecken.

Am Rande der 100 Hektar großen Sportanlage eröffnete 2018 ein Clubhaus, das sich mit seiner Form in die hügelige Landschaft einfügt und als deren Fortsetzung verstanden werden kann. Das letzte Stück Architektur könnte auch als erstes Stück Landschaft verstanden werden. Und umgekehrt. Der Baukörper passt sich der Umgebung an, motivisch setzt sich der vorhandene steile Hang der Wiesen zum Gebäude bis hin zum begrünten Dach fort. Die großzügige Glasfassade des Neubaus öffnet sich in Richtung Golfanlagen und gibt den Blick für Gäste des Restaurants und der Kaminlounge frei. In den großen Bodenfenstern spiegelt sich der Golfplatz samt Teichanlage wider.

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Bauen ließ das Gebäude der Unternehmer Reinhard Saal, der den Ort vor Jahren für sich entdeckte. Der 69-Jährige investierte zudem in Dresden, baute unter anderem die Wohnanlage „Herzogin Garten“ in der Nähe des Zwingers auf der Ostra-Allee. Für die Gestaltung des Golfclubhauses in Herzogswalde beauftragte er das Dresdner Architekturbüro von Jens Heinrich Zander. Als Credo für seine Projekte formuliert er, dass er für jedes Objekt eine Haltung entwickle und nicht einem vorgeprägtem Stil folge. „Wir passen uns der Umgebung an, wollen vor allem Atmosphäre schaffen. Die Form entsteht nicht nur aus der Funktion, sondern auch aus den topographischen Gegebenheiten sowie dem baulichen Bestand der Umgebung“, sagt er. Damit folgt der Dresdner der Idee der organischen Architektur, die die Harmonie von Gebäude und Landschaft anstrebt und Baumaterialien nutzt, die eine biologische, psychologische und soziale Zweckmäßigkeit anstreben.

Architekt Jens Heinrich Zander
Architekt Jens Heinrich Zander © Matthias Rietschel

In neuerer Zeit trat noch das Konzept des ökologischen Bauens und der organischen Farbigkeit hinzu, das sich mit Konzepten der organischen Architektur zum Teil deckt.

Bei dem Golfclubhaus bilden massive Brettschichtholzträger die Konstruktion des Dachtragwerkes und erzeugen mit ihren natürlichen, hölzernen Oberflächen im lichtdurchfluteten Inneren eine warme Atmosphäre. Die Bekleidung der Fassade ist in Verbundelementplatten aus Hochdrucklaminat-Schichtstoffplatten in mitteltonigen, erdgrauen und matten Farbtönen ausgeführt. Teile des Gebäudes sind zweigeschossig ausgebildet, wodurch es möglich war, neben Restaurant, Shop, Wellnessbereich und Fitnessraum eine Einliegerwohnung mit Dachterrasse unterzubringen. Da wohnt der Bauherr, wenn er die Wochenenden hier verbringt und den Ausblick auf die Hügel genießen will. Er selber spielt übrigens kein Golf, sondern freut sich viel mehr darüber, dass die Anlage von den Clubmitgliedern intensiv genutzt und geschätzt wird.

© Matthias Rietschel

Neben dem Clubhaus entstand in den vergangenen Jahren zudem eine gerade fertig gebaute Siedlung mit sechs Einfamilienhäusern, sechs Doppelhaushälften sowie drei Mehrfamilienhäuser mit je fünf Wohneinheiten. Die kleine Kolonie erweitert den Ort auf besondere Weise und bildet den Übergang zwischen historischem Dorfkern und Golfanlage. Alle Wohngebäude sind mit Terrassen oder Balkonen sowie mit Garagen versehen.

Jens Heinrich Zander legte Wert darauf, dass die 16 neuen Häuser als harmonische Fortsetzung wirken. Die Pult- und Satteldächer greifen die Dachkonstruktionen der umliegenden Gebäude auf, die Gartenanlagen ließ Bauherr Reinhard Saal von einem Landschaftsgärtner anlegen, sodass auch hier eine angenehme Balance entsteht und kein Wildwuchs. 

Die Wohnanlage Herzogswalde.
Die Wohnanlage Herzogswalde. © Matthias Rietschel

In und um Dresden entstanden in den vergangenen Jahren oft genug Siedlungen, die wie kleine Satellitenstädte mit bunt durcheinandergewürfelten Stilen wirken. So ein Beispiel findet sich in Dresden oberhalb der Wilhelm-Franke-Straße im Stadtteil Leubnitz. Als Erklärung für die Art der Erschließung wird oft der Pluralismus der Gesellschaft angeführt, wo jeder einzelne seine Idee vom individualistischen Bauen und Wohnen umsetzen könne. Die Grundidee eines geschlossen entwickelten Areals wird damit verworfen, es bleiben Vorgaben eines Stadtplanungsamtes übrig, die sie ausschließlich auf Dachwinkel und die Fassadenfarbe beziehen. Es gibt eben unterschiedliche Ansätze, ein Baufeld zu gestalten.

Spannend dabei, dass Bauherr Saal in Herzogswalde nach seinen Vorstellungen agieren konnte, weil er zum einen großes Vertrauen in dem Ort genießt, zum anderen das Gelände sein Eigentum ist und er die einzelnen Häuser vermietet. Wer dort wohnt, muss damit leben, was er vorfindet, und kann seine eigenen Vorstellungen nicht umsetzen. Doch offenbar traf die fertige Siedlung den Geschmack vieler, denn alle Wohnungen sind vermietet. Golfplatz, Clubhaus und Häuser wirken in Summe ein wenig wie eine Ferienhaussiedlung der gehobenen Klasse. Gerade in einer Zeit, wo Menschen zu Hause bleiben sollen, eine sehr angenehme Wohnlage.

Alle bisher erschienenen Teile der Serie finden Sie hier

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