merken
PLUS Sachsen

Arztbesuch in Pflegeheimen immer häufiger digital

In Sachsen werden neue Wege wie Videobrillen oder elektronische Stethoskope getestet . Problematisch sind die Finanzen.

Immer mehr Ärzte in Sachsen behandeln ihre Patienten per Videosprechstunde.
Immer mehr Ärzte in Sachsen behandeln ihre Patienten per Videosprechstunde. © Christin Klose/dpa

Dresden. Die Corona-Krise hat die Digitalisierung nicht nur im Schul- und Berufsalltag, sondern auch in der Medizin vorangetrieben. Immer mehr Ärzte in Sachsen behandeln ihre Patienten per Videosprechstunde. Besonders in Pflegeheimen wächst die Akzeptanz von Telemedizin. Vor allem Kontroll- und Routinetermine beim Hausarzt bieten sich für die Fernbehandlung per Tablet an. Das zeigen erste Ergebnisse eines bundesweit einzigartigen Projektes mehrerer Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS).

Bewohner in vier Einrichtungen im Erzgebirge werden seit April zusätzlich zu den Hausarztbesuchen per Videotechnik betreut. Ausgewählte qualifizierte Pflegefachkräfte übernehmen dabei Aufgaben wie Wundversorgung oder Impfungen. Getestet wird auch die elektronische Visite mittels einer Videodatenbrille, die der Pfleger trägt. Der Arzt kann den Patienten auf diese Weise wie mit eigenen Augen sehen und ihn untersuchen, ohne vor Ort zu sein.

TOP Immobilien
TOP Immobilien
TOP Immobilien

Finden Sie Ihre neue Traumimmobilie bei unseren TOP Immobilien von Sächsische.de – ganz egal ob Grundstück, Wohnung oder Haus!

Elektronisches Stethoskop überträgt Herztöne per Audiodatei

„Die ärztliche Betreuung per Videosprechstunden ist kein Ersatz für den direkten Hausarztkontakt, aber eine sinnvolle Ergänzung“, sagt AOK Plus-Chef Rainer Striebel. Die Kasse will mit ihrem eigenen Projekt Telekonsil die hausärztliche Versorgung in Pflegeheimen vor allem in ländlichen Regionen verbessern. Seit dem Frühjahr laufen Tests in neun Einrichtungen in Sachsen und Thüringen. Dabei kommt auch das elektronische Stethoskop zum Einsatz, das Herztöne per Audiodatei an den Arzt überträgt. „Es zeigt sich, dass die Bewohner kaum Vorbehalte gegenüber der Technik haben. Im Gegenteil. Sie können den Arzt jetzt öfter als früher sprechen und ihn dabei auch sehen“, sagt AOK-Sprecherin Hannelore Strobel. Das schaffe ein Gefühl der Sicherheit.

Die Digitalisierung stellt die Pflegeeinrichtungen aber vor neue Herausforderungen. In vielen ländlichen Regionen fehlt schnelles Internet. Zudem sei neben der Finanzierung der Technik, also Anschaffung, Wartung und Lizenzgebühr, die personelle Unterstützung ungeklärt. Darauf macht Herbert Mauel vom Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste aufmerksam, der 5.200 Einrichtungen vertritt. Während die ärztliche Leistung über Zuschläge honoriert werde, gebe es bisher keine zusätzliche Vergütung für die Leistung und den Arbeitsaufwand der Pflegekräfte.

Weiterführende Artikel

Das E-Rezept rückt näher

Das E-Rezept rückt näher

Das Papier hat bald ausgedient. Schon jetzt erproben Apotheken und Krankenkassen digitale Lösungen – auch in Sachsen.

Laut KVS nutzen in Sachsen bislang 1.767 Ärzte das Internet für die Kommunikation. Jeder neunte davon ist ein Hausarzt. Vor einem Jahr waren es gerade mal 160. Dabei können vor allem Patienten in Städten von der Telemedizin profitieren. Rund die Hälfte der Mediziner, die Videochats anbieten, ist in Leipzig, Dresden und Chemnitz niedergelassen.

Mehr zum Thema Sachsen