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Auf dem Land werden die Zahnärzte knapp

Der Trend geht in Sachsen weg von der eigenen Praxis. Neue digitale Behandlungen erfordern zunächst hohe Investitionen.

Von Katrin Saft
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Nachwuchs gesucht: Ein Student der Zahnmedizin an der Universität Leipzig übt an einem Phantompatienten.
Nachwuchs gesucht: Ein Student der Zahnmedizin an der Universität Leipzig übt an einem Phantompatienten. © dpa

Beim Augenarzt, Orthopäden oder Hautarzt müssen Patienten in Sachsen oft monatelang auf einen Termin warten. Nun sieht der Präsident der Landeszahnärztekammer, Dr. Thomas Breyer, auch die flächendeckende zahnmedizinische Versorgung gefährdet. „In Regionen wie Hoyerswerda, der Lommatzscher Pflege oder im Erzgebirge gibt es schon heute nur noch wenige Zahnärzte“, sagt Breyer. „Weil viele, die nach der Wende eine Praxis eröffnet haben, bald in den Ruhestand gehen, droht vor allem in ländlichen Gebieten eine Unterversorgung.“ Es sei nicht einfach, junge Kollegen fürs Land zu gewinnen, da sich Zahnärzte frei niederlassen könnten. Auch Zahnmedizinische Fachangestellte fehlten.

Laut Landeszahnärztekammer gibt es derzeit in Sachsen knapp 5.600 Zahnärzte, von denen aber mehr als jeder vierte bereits im Ruhestand sei. Der Altersdurchschnitt liegt bei etwa 50 Jahren, der Frauenanteil bei 58 Prozent. „Zwar haben wir in Leipzig und Dresden 120 Studienplätze für die Zahnmedizin“, so Breyer. „Doch nur 20 bis 40 Prozent bleiben nach der fünfjährigen Ausbildung tatsächlich in Sachsen, bevorzugt in den Ballungszentren.“ Breyer fordert deshalb, schon jetzt die Weichen zu stellen und, ähnlich wie bei den Ärzten, die Niederlassung auf dem Land zu fördern.

Der Zahnarztberuf wird in Zukunft noch weiblicher. Denn etwa 85 Prozent der Studierenden sind laut Breyer Frauen. Das sei erfreulich, bedeute aber, dass viele naturgemäß durch Schwangerschaften eine Zeit lang ausfielen. Frauen ließen sich zudem häufiger anstellen, anstatt in die Selbstständigkeit zu gehen.

Wie bei den Ärzten geht der Trend auch bei den Zahnärzten dazu, sich in Medizinischen Versorgungszentren anstellen zu lassen. Das sind Kapitalgesellschaften, hinter denen nicht immer Zahnärzte, sondern oft auch Investoren stehen, die am Ende eine bestimmte Rendite erwarten. Die Versorgungszentren allerdings kommen dem Wunsch vieler junger Absolventen nach, Beruf und Familie besser in Einklang zu bringen. „Heute arbeiten Zahnärzte im Durchschnitt 42,6 Stunden pro Woche – davon mehr als sieben Stunden für die Praxisverwaltung“, sagt Präsident Breyer. Eine eigene Praxis bedeutet, nicht nur Verantwortung für die Patienten zu übernehmen, sondern auch als Arbeitgeber fürs Personal und als Unternehmer für Finanzen, Räumlichkeiten und Technik zuständig zu sein – mit all den damit verbunden Risiken.

Auch technisch steht der Zahnarztberuf vor einem Wandel. „Die Digitalisierung eröffnet neue Behandlungsmöglichkeiten – in funktioneller und ästhetischer Hinsicht“, sagt Dr. Angelika Rauch, Zahnärztin in der Prothetik-Abteilung der Universität Leipzig. So lässt sich mit einer Intraoralmesskamera und der Verknüpfung von Röntgen- und 3-D-Diagnostik das Gebiss am Computer darstellen und die Krone, Brücken oder das Implantat passgenau digital planen. Das digitale Modell wird ans Labor beziehungsweise die Fräsmaschine gesendet, die dann aus einem Block beispielsweise eine Krone fräst. Rauch: „Dem Patienten erspart das mehrere Arbeitsschritte.“

Das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahlentechnik in Dresden forscht derzeit an dentalmedizinischen Anwendungen mittels 3-D-Druck. „Die Möglichkeiten reichen von Prothesen, die kürzere Wartezeiten und mehr Komfort für den Patienten bieten, bis hin zu individualisierten Produkten zur Korrektur von Kieferfehlstellungen“, sagt Projektleiterin Juliane Moritz. Dass solche Techniken nur schrittweise in die Praxen einziehen, hat laut Moritz vor allem zwei Gründe: hohe Investitionskosten und noch nicht genügend Fachpersonal mit entsprechender Ausbildung.