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Auweia, Sachsens Parlament hat endgültig fertig!

Der Landtag ist nun offiziell am Ende und der Parlamentspräsident kümmert sich bald nur noch um alte Denkmale, berichtet SZ-Redakteur Gunnar Saft sorgenvoll in seiner satirischen Kolumne.

Von Gunnar Saft
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Alle weg! Diese Woche kam Sachsens Landtag zur letzten regulären Sitzung vor der Neuwahl zusammen. Wer von den Parlamentariern danach wiederkommt, ist ungewiss. Zumindest ein bekannter Politiker hat schon mal einen  neuen Job angenommen.
Alle weg! Diese Woche kam Sachsens Landtag zur letzten regulären Sitzung vor der Neuwahl zusammen. Wer von den Parlamentariern danach wiederkommt, ist ungewiss. Zumindest ein bekannter Politiker hat schon mal einen neuen Job angenommen. ©   Robert Michael / SZ-Montage

Was soll das denn? Keine Woche nach den Europa- und Kommunalwahlen hat der sächsische Landtag jetzt seine reguläre Sitzungsarbeit komplett eingestellt! War das etwa ein klassischer K. O. nach der derben Wahlklatsche? Haben wir unsere Abgeordneten tatsächlich vergrault?

Keine Sorge: Der Landtag ist mittlerweile ganz offiziell am Ende. Jetzt im Juni hat man den Sitzungskalender für diese Legislaturperiode abgearbeitet und nun warten alle auf die Neuwahl am 1. September. Und je nachdem, was wir da auf dem Stimmzettel ankreuzen, warten einige bisherige Parlamentarier auch vergeblich. Die haben wir dann wirklich vergrault, was aber völlig legal ist. Also nur keine Scheu in der Wahlkabine!

Leider kann aber nicht jeder mit seinem Abschiedsschmerz gleich gut umgehen. Nehmen wir Noch-Landtagspräsident Matthias R., der sich nach 34 Jahren im Hohen Haus freiwillig eine neue Bleibe sucht. Er überraschte am Donnerstag nicht nur mit 19 letzten Dankessätzen, sondern auch mit ungewohnter Prinzipienfestigkeit.

Beobachter wollen gesehen haben, wie er danach seine Stellvertreterin Andrea D., die sich ebenfalls vor dem Plenum in den Ruhestand verabschieden wollte, fast händezerrend daran zu hindern versuchte. Angeblich, weil das gegen das Protokoll verstoße – und außerdem und sowieso. Seine Vize ließ sich aber nicht beirren und am Ende gab es für ihre Worte nicht nur deutlich mehr Blumen, sondern ganz viel mehr Beifall. Wahre Kämpferinnen für Gerechtigkeit halten eben bis zum Schluss durch!

Ansonsten können wir uns aber alle für Matthias R. ganz mächtig freuen. Denn der hat bereits eine neue Funktion: Erst vor wenigen Tagen wurde er zum Vorstandsvorsitzenden der Stiftung „Lebendiges Erbe Sachsen“ ernannt, welche die Aufgabe hat, künftig ihre schützende Hand über die wichtigsten Denkmale im Land zu halten. Dass man dabei gleich mit einem so langgedienten Abgeordneten anfängt, ist doch logisch. Und das Allerbeste: Dort gibt es weder aufmüpfige Vize noch eine Opposition.