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B178: Es ist losgegangen

In Oberseifersdorf hat am Dienstag der erste Bagger mit den Arbeiten für den Bau des Abschnitts Zittau-Oderwitz der B178 begonnen. So soll es jetzt weitergehen.

Geologe Jörg Konetzke und Franz Grossmann und Martin Richter vom Lasuv (v.l.n.r.) mit dem Bauplan an der ersten B178-Baustelle bei Oberseifersdorf.
Geologe Jörg Konetzke und Franz Grossmann und Martin Richter vom Lasuv (v.l.n.r.) mit dem Bauplan an der ersten B178-Baustelle bei Oberseifersdorf. © Markus van Appeldorn

Baurecht besteht schon seit einigen Monaten für den etwa sechs Kilometer langen Bauabschnitt der B178 zwischen Oderwitz und Oberseifersdorf. Und im Juni hat der Bund auch die nötigen Mittel freigegeben. Dem südlichen Lückenschluss steht also nichts mehr im Wege. Und jetzt rollte tatsächlich der erste Bagger an - allerdings noch nicht für Bauarbeiten.

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Denn bevor ein neues Asphaltband durch das Land getrieben wird, sind erst mal die Archäologen dran. "Weite Teile des Baugebiets für die Schnellstraße gelten als archäologische Relevanzfläche", erklärt der Geologe Jörg Konetzke vom Landesamt für Archäologie. Das heißt, es besteht die Vermutung, dass sich auf diesen Flächen die Reste prähistorischer oder auch mittelalterlicher Siedlungen befinden könnten. Damit solche Bodendenkmäler nicht verloren gehen, wird das Terrain jetzt erst mal mehrere Monate lang archäologisch sondiert.

Der erste Bagger ist da

Dafür rückte am Dienstagmorgen, 5. Oktober, ein Bagger an - dort wo bisher die südliche B178-Trasse bis zur polnischen Grenze auf die aus Zittau kommende S132 (Löbauer Straße) trifft. An dieser Stelle entsteht künftig ein Knotenpunkt - also eine Anschlussstelle von der S132 auf die B178. Für diese Sondierung gräbt der Bagger zahlreiche vier Meter breite, etwa 40 Zentimeter tiefe und 100 Meter lange Furchen in den vorgesehenen Baugrund - jeweils im Abstand von 15 Metern und in einem Gitternetz. Dabei wird der obere Mutterboden abgetragen. Aufgrund von Verfärbungen des Bodens lässt sich etwa auf frühere Bebauungen schließen.

In der ersten Furche entdeckt Geologe Jörg Konetzke beim SZ-Lokaltermin auch eine großflächige schwarze Verfärbung. "Archäologisch uninteressant", sagt er. Wahrscheinlich handele es sich um die Reste eines erst in jüngerer Zeit angelegten befestigten Agrarweges. Auch ein Stück Metall ragt aus dem Boden - ebenfalls ohne Bedeutung. "Es ist noch kaum korrodiert, stammt also aus jüngerer Zeit, wahrscheinlich einfach Schrott", sagt Konetzke. Dass die Archäologen hier plötzlich auf ein Stück Metall in Form einer Bombe oder Granate stoßen, scheint unwahrscheinlich. "Auf der Trasse gibt's keine Verdachtsfälle, deshalb muss sie auch nicht vom Kampfmittelräumdienst untersucht werden", sagt Bauleiter Martin Richter vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv).

Verkehrsfreigabe Ende 2024 erwartet

Die archäologischen Sondierungen an dieser Stelle werden voraussichtlich in zwei Monaten abgeschlossen sein und dann an weiteren Trassenteilen fortgesetzt. Dann können tatsächlich die konkreten Straßenbauarbeiten beginnen. Mit Verzögerungen wegen etwaiger tatsächlicher archäologisch wertvoller Funde rechnet keiner der Beteiligten. "Wenn wir etwas finden, werden wir es dokumentieren und bergen", sagt der Geologe. "Aber wir haben einen Puffer bis zum Mai 2022", sagt der Bauleiter.

Für diesen Zeitpunkt im nächsten Frühjahr ist nämlich der eigentliche Baubeginn vorgesehen. Zunächst wird der Straßenbau nur von der Südseite in Oberseifersdorf vorangetrieben. "In Oderwitz muss erst noch eine Hochspannungsleitung verlegt werden, bevor wir dort auch mit dem Straßenbau beginnen können", sagt Bauleiter Richter. Aus Gründen des Naturschutzes könne diese Hochspannungsleitung aber erst ab Oktober 2022 versetzt werden, wenn die Nistzeit von Vögeln endet, die in den Strommasten oder am Boden deren Fundamente nisten.

Die Verkehrsfreigabe der Lückenschluss-Trasse erwartet das Lasuv für das vierte Quartal 2024. Die Kosten würden sich auf etwa 40 Millionen Euro belaufen, davon etwa 550.000 Euro für die gerade gestartete archäologische Sondierung. Bei Tempo 100 werden Autofahrer diesen Abschnitt künftig in nicht einmal vier Minuten passieren können, während man bei der heutigen Wegführung über Großhennersdorf mit mindestens 15 Minuten Fahrtzeit rechnen muss.

Der künftige Verlauf der B178-Trasse zwischen Oderwitz (links blau markierte Anschlussstelle) und dem neu entstehenden Knotenpunkt rechts bei Oberseifersdorf.
Der künftige Verlauf der B178-Trasse zwischen Oderwitz (links blau markierte Anschlussstelle) und dem neu entstehenden Knotenpunkt rechts bei Oberseifersdorf. © Grafik: Lasuv

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